(Kiel)  Will die Finanz­be­hör­de nach Ein­gang einer wegen des Vor­lie­gens eines Sperr­grunds nicht wirk­sa­men straf­be­frei­en­den Erklä­rung zunächst ergan­ge­ne Steu­er­be­schei­de ändern, dann muss sie nicht zuvor die nach § 10 Abs. 2 Satz 1 Stra­BEG bewirk­te Steu­er­fest­set­zung auf­he­ben. Eine Tat ist ent­deckt, wenn nach den für den Betrof­fe­nen erkenn­ba­ren Ver­dachts­mo­men­ten von der Wahr­schein­lich­keit einer straf­ge­richt­li­chen Ver­ur­tei­lung aus­zu­ge­hen ist. (BFH AZ.: X R 20/07)

Dar­auf ver­weist der Nürn­ber­ger Steu­er­fach­an­walt Dr. Nor­bert Gie­se­ler, Vize­prä­si­dent der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, mit Hin­blick auf ein am 11.02.2009 ver­öf­fent­lich­tes Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs. In dem aus­ge­ur­teil­ten Fall erhielt das für den Steu­er­pflich­ti­gen zustän­di­ge Finanz­amt am 13. Okto­ber 2003 die Kon­troll­mit­tei­lung eines ande­ren Finanz­amts, wonach  die­ser von einer GmbH für Aus­hilfs- und Zer­le­ge­ar­bei­ten Zah­lun­gen erhal­ten hat­te, die bis­her nicht erklärt waren. Mit Schrei­ben vom 22. Okto­ber 2003 wies das Finanz­amt  den dama­li­gen Steu­er­be­ra­ter des Klä­gers unter Auf­lis­tung der in der Kon­troll­mit­tei­lung für die Streit­jah­re jeweils aus­ge­wie­se­nen Gesamt­um­sät­ze auf erheb­li­che Dif­fe­ren­zen zu den erklär­ten Umsät­zen hin und  bat um Über­prü­fung und Stel­lung­nah­me. Am 12. Febru­ar 2004 reich­te der Klä­ger hier­auf­hin sodann den unter­schrie­be­nen Vor­druck “Straf­be­frei­en­de Erklä­rung” nach dem Straf­be­frei­ungs­er­klä­rungs­ge­setz beim Finanz­amt ein, in wel­cher er auf­grund unrich­ti­ger, unvoll­stän­di­ger oder unter­las­se­ner Anga­ben nicht besteu­er­te Ein­nah­men in Höhe von 80 947,51 DM (2000) und 137 657,80 DM (2001) der Jah­re 1993 bis 2002 angab. Das Finanz­amt erliess hier­auf für die Streit­jah­re geän­der­te Ein­kom­men-, und Umsatz­steu­er­be­schei­de, sowie geän­der­te Gewer­be­steu­er­mess­be­schei­de und erhöh­te die gewerb­li­chen Ein­künf­te des Klä­gers um die nach­erklär­ten Beträ­ge. Mit sei­ner Kla­ge mach­te der Klä­ger gel­tend, die ange­foch­te­nen Beschei­de sei­en rechts­wid­rig, weil von ihm eine wirk­sa­me straf­be­frei­en­de Erklä­rung abge­ge­ben wor­den sei. Eine Tatent­de­ckung i.S. des § 7 Satz 1 Nr. 1 Buchst. b Stra­BEG habe am 12.02.2004 noch nicht vor­ge­le­gen.


Die­ser Auf­fas­sung, so Gie­se­ler, ver­moch­te der BFH nun nicht zu fol­gen. Zutref­fend sei das Finanz­ge­richt davon aus­ge­gan­gen, dass im Streit­fall in dem vor­ste­hend genann­ten Zeit­punkt ein hin­rei­chen­der Tat­ver­dacht auch hin­sicht­lich der sub­jek­ti­ven Vor­aus­set­zun­gen der jewei­li­gen Steu­er­hin­ter­zie­hung gege­ben war. Zwar feh­le es an die­ser sub­jek­ti­ven Vor­aus­set­zung der Tatent­de­ckung, wenn objek­tiv hin­rei­chen­de Anhalts­punk­te für eine Ver­ur­tei­lung wegen Steu­er­hin­ter­zie­hung vor­la­gen, die Finanz­be­hör­de die­se aber nicht erkannt hat. Hier­für kön­ne im Ein­zel­fall die Tat­sa­che spre­chen, dass die­se Behör­de den Steu­er­pflich­ti­gen um Auf­klä­rung des Sach­ver­halts bit­tet, ohne ihn gemäß § 393 Abs. 1 AO über sei­ne Rech­te als Beschul­dig­ter zu beleh­ren.. Die­ses Indiz sei aber dann wider­legt, wenn sich aus einem sol­chen behörd­li­chen Schrei­ben mit der erfor­der­li­chen Klar­heit ergibt, dass die Finanz­be­hör­de erkannt hat, dass objek­tiv hin­rei­chen­de Umstän­de für eine straf­ge­richt­li­che Ver­ur­tei­lung vor­lie­gen und Umstän­de nicht erkenn­bar sind, aus denen die Behör­de auf das Feh­len der sub­jek­ti­ven Vor­aus­set­zun­gen hät­te schlie­ßen kön­nen. Die­ser Umstand sei hier gege­ben, das das Finanz­amt mit sei­nem Schrei­ben unmiss­ver­ständ­lich dar­auf hin­ge­wie­sen habe, dass die in einer Kon­troll­mit­tei­lung genann­ten Umsät­ze der Streit­jah­re jeweils erheb­lich von den erklär­ten Umsät­zen abwei­chen. Die vom Steu­er­pflich­ti­gen abge­ge­be­ne Erklä­rung füh­re nun zu einer Steu­er­fest­set­zung ohne Vor­be­halt der Nach­prü­fung, und zwar selbst dann, wenn der mit der Abga­be die­ser Erklä­rung beab­sich­tig­te Erfolg des Erlan­gens von Straf- und Buß­geld­frei­heit und des Erlö­schens der in § 8 Abs. 1 Satz 1 Stra­BEG genann­ten Steu­er­an­sprü­che nicht ein­tre­te.


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