(Kiel)  In vie­len gesell­schafts­recht­li­chen Ver­trä­gen fin­den sich auch Nach­fol­ge­re­ge­lun­gen. Die bereits am 01.01.2009 in Kraft Erb­schaft­steu­er­re­form hat auch auf die­se gesell­schafts­recht­li­chen Nach­fol­ge­klau­seln gro­ßen Ein­fluss.

Die meis­ten Gesell­schafts­ver­trä­ge, so der Nürn­ber­ger Erb- und Steu­er­fach­an­walt Dr. Nor­bert  Gie­se­ler, Vize­prä­si­dent der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, ent­hal­ten Nach­fol­ge­klau­seln, die besa­gen, dass im Fal­le des Todes eines Gesell­schaf­ters von der Gesell­schaft die vom Gesetz vor­ge­se­he­nen Nach­fol­ge­re­ge­lun­gen geän­dert wer­den. Durch die Reform des Erb­schaft­steu­er­rechts gibt es hier steu­er­li­che Ände­run­gen.


Nicht neu, aber den­noch erwäh­nens­wert, da oft ver­kannt, sei die Tat­sa­che, dass die Nach­fol­ge­klau­sel im Gesell­schafts­ver­trag das soge­nann­te Son­der­be­triebs­ver­mö­gen nicht betrifft. Wird also auf­grund der Nach­fol­ge­klau­sel eine Per­son Inha­ber der Geschäfts­an­tei­le, fällt das Son­der­be­triebs­ver­mö­gen dage­gen auf­grund des Tes­ta­ments in die Hän­de ande­rer Per­so­nen, lie­ge hier  ein Ent­nah­me­ge­winn des Son­der­be­triebs­ver­mö­gens vor. Dies habe zur Fol­ge, dass die stil­len Reser­ven in dem Son­der­be­triebs­ver­mö­gen auf­ge­deckt wer­den müs­sen und zu ver­steu­ern sind. Zur Ver­mei­dung die­ses Pro­blems sei es daher unbe­dingt erfor­der­lich, das Tes­ta­ment auf die gesell­schafts­recht­li­chen Nach­fol­ge­klau­seln anzu­pas­sen.


• Rege­lun­gen bei Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten


Gesell­schafts­ver­trä­ge bei Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten (BGB-Gesell­schaft, oHG und KG) ent­hal­ten oft Klau­seln, dass die Geschäfts­an­tei­le des Versterben­den ent­we­der unter­ge­hen oder von den ver­blei­ben­den Gesell­schaf­tern ein­ge­zo­gen wer­den kön­nen. In bei­den Fäl­len ist ent­we­der eine Abfin­dung zu zah­len, die in der Regel unter­halb des Ver­kehrs­wer­tes liegt (meist Buch­wert), oder eine Abfin­dung wird gänz­lich aus­ge­schlos­sen. Eine even­tu­ell zu zah­len­de Abfin­dung stellt eine Ent­nah­me in der Per­son des Erb­las­sers dar und unter­liegt daher der Ein­kom­men­steu­er bei den Erben. Dane­ben greift hier natür­lich das Erb­schaft­steu­er­recht. Der Gewinn, nach Abzug der Steu­er, unter­liegt der Erb­schaft­steu­er. Neben den nor­ma­len Frei­be­trä­gen gibt es kei­ne wei­te­re Ver­güns­ti­gung.


Den ver­blei­ben­den Gesell­schaf­tern wächst wert­mä­ßig der Anteil des ver­stor­be­nen Gesell­schaf­ters zu. Sie füh­ren die­sen Anteil zu Buch­wer­ten oder bei Zah­lung einer Abfin­dung über dem Buch­wert zu den Abfin­dungs­wer­ten wei­ter. Auch die­ser Vor­gang ist erb­schafts­steu­er­lich nun­mehr rele­vant, da die Bewer­tung der Antei­le nach den Ver­kehrs­wer­ten erfolgt. Die Wert­dif­fe­renz zwi­schen Ver­kehrs­wert und Buch­wert bzw. Abfin­dungs­wert unter­liegt der Erb­schaft­steu­er. Soweit das Ver­wal­tungs­ver­mö­gen der
Per­so­nen­ge­sell­schaft nicht 50 % über­schrei­tet, ist die­se Wert­dif­fe­renz steu­er­lich begüns­tigt. Es sind nur 15 % der Wert­dif­fe­renz zu ver­steu­ern, wenn die Antei­le min­des­tens sie­ben Jah­re gehal­ten wer­den und, soweit zumin­dest 10 Mit­ar­bei­ter vor­han­den sind, die Lohn­sum­me nach sie­ben Jah­ren 650 % beträgt. Wie bereits oben dar­ge­stellt, greift die­se Begüns­ti­gung aber nur, wenn das Ver­wal­tungs­ver­mö­gen nicht über 50 % liegt.


Soweit die Geschäfts­an­tei­le auf­grund der Nach­fol­ge­klau­sel im Gesell­schafts­ver­trag mit dem Tod des Gesell­schaf­ters unter­ge­hen, ist die oben benann­te Begüns­ti­gung hoch­um­strit­ten und wird – zumin­dest augen­blick­lich – mehr­heit­lich von der Finanz­ver­wal­tung abge­lehnt. Der­ar­ti­ge Klau­seln soll­ten also sicher­heits­hal­ber geän­dert wer­den.


• Rege­lun­gen bei Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten


Bei der Kapi­tal­ge­sell­schaft (GmbH und AG) gilt erst ein­mal das glei­che. Hin­zu kommt, dass die oben benann­te erb­schafts­steu­er­li­che Begüns­ti­gung (15 % der Wert­dif­fe­renz zu ver­steu­ern, wenn das Ver­wal­tungs­ver­mö­gen nicht 50 % über­steigt und die Antei­le sie­ben Jah­re bei einer Lohn­sum­me von 650 % gehal­ten wer­den) nur greift, wenn die vom Erb­las­ser gehal­te­nen Antei­le über 25 % lie­gen. Soweit die Antei­le 25 % nicht über­stei­gen, gibt es die oben benann­te Begüns­ti­gung nicht, es sei denn, der Erb­las­ser hat mit den ande­ren Gesell­schaf­tern der Kapi­tal­ge­sell­schaft eine Pool­ver­ein­ba­rung getrof­fen, so dass die Pool­mit­glie­der gemein­sam über 25 % an der Gesell­schaft betei­ligt sind.


Jeder soll­te daher auf­grund der geän­der­ten Erb­schaft­steu­er sei­ne Nach­fol­ge­klau­seln über­prü­fen. Auch soll­te über­prüft wer­den, ob das Ver­wal­tungs­ver­mö­gen 50 % des Gesamt­ver­mö­gens der Gesell­schaft nicht über­steigt. Bei einer Betei­li­gung an einer Kapi­tal­ge­sell­schaft muss zusätz­lich über­prüft wer­den, ob die Betei­li­gung über 25 % liegt. Gege­be­nen­falls soll­te über eine Pool­ver­ein­ba­rung nach­ge­dacht wer­den.
Gie­se­ler mahn­te, sich recht­lich und steu­er­lich bera­ten zu las­sen und ver­wies  bei Fra­gen u. a. auch auf die  DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de 


Für Rück­fra­gen steht Ihnen zur Ver­fü­gung:


Dr. Nor­bert Gie­se­ler
Rechts­an­walt
Fach­an­walt für Erbrecht
Fach­an­walt für Steu­er­recht
DASV-Vize­prä­si­dent
c/o Scholz & Weis­pfen­ning
Königstor­gra­ben 3
90402 Nürn­berg
Tel.:  0911 – 244 370
Fax:  0911 – 244 3799
Email: kanzlei@scho-wei.de
www.scho-wei.de