(Kiel) Die 14c. Zivil­kam­mer des Land­ge­richts Düs­sel­dorf hat heu­te den Eil­an­trag der Dr. Oet­ker KG zurück­ge­wie­sen, für den von der Aldi Ein­kauf GmbH & Co. OHG ver­trie­be­nen Scho­ko-Vanil­le-Pud­ding “Fle­cki” ein euro­pa­wei­tes Ver­kaufs­ver­bot aus­zu­spre­chen.

Das Gericht sieht weder die Ver­let­zung eines von Dr. Oet­ker ein­ge­tra­ge­nen euro­päi­schen Design­rechts (Gemein­schafts­ge­schmacks­mus­ters) noch die von Dr. Oet­ker behaup­te­ten Wett­be­werbs­ver­stö­ße. Das Aldi-Pro­dukt “Fle­cki” wei­se in sei­ner Gestal­tung aus­rei­chen­de Unter­schie­de zu Dr. Oet­kers “Pau­la” auf.

Dar­auf ver­weist der Frank­fur­ter Rechts­an­walt und Fach­an­walt für gewerb­li­chen Rechts­schutz Dr. Jan Felix Ise­le von der Kanz­lei DANCKELMANN UND KERST, Vize­prä­si­dent der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die ent­spre­chen­de Mit­tei­lung des Land­ge­richts (LG) Düs­sel­dorf vom 1.03.2012 zu sei­nem Urteil vom sel­ben Tage, Az.: 14c O 302/11.

Die Gestal­tung des Pud­dings “Fle­cki” ver­let­ze zunächst kei­ne Rech­te aus einem für Dr. Oet­ker im Jahr 2005 ein­ge­tra­ge­nen Geschmacks­mus­ter. Zwi­schen dem Geschmacks­mus­ter und der Gestal­tung von “Fle­cki” erge­be sich kein über­ein­stim­men­der Gesamt­ein­druck. Zwar sei das Pro­dukt “Fle­cki” in der Sei­ten­an­sicht ähn­lich gefleckt wie das Geschmacks­mus­ter, in der Drauf­sicht jedoch — vom Geschmacks­mus­ter deut­lich abwei­chend — nahe­zu ein­far­big.

Auch sieht die Kam­mer im Ver­trieb von “Fle­cki” kei­nen Ver­stoß gegen das Wett­be­werbs­recht, so etwa durch eine ver­meid­ba­re Her­kunfts­täu­schung oder eine Ruf­aus­beu­tung, so Dr. Ise­le.

Zwar habe Dr. Oet­ker mit sei­ner kuh­fell­ähn­li­chen Gestal­tung der Vanil­le-Scho­ko-Antei­le im Pud­ding “Pau­la” ein inno­va­ti­ves Pro­dukt auf den Markt gebracht, dass durch inten­si­ve Wer­bung sehr bekannt gemacht wor­den sei und über eine hohe wett­be­werb­li­che Eigen­art ver­fü­ge. Aber selbst wenn man zu dem Ergeb­nis käme, dass “Fle­cki” auf­grund sei­ner ähn­li­chen Gestal­tung und Ziel­grup­pen­an­spra­che das Pud­ding­pro­dukt “Pau­la” von Dr. Oet­ker nach­ah­me, erfol­ge dies nicht in unlau­te­rer und damit unzu­läs­si­ger Wei­se.

Zu beach­ten sei, dass ein Kon­kur­renz­pro­dukt nicht so gestal­tet sein dür­fe, dass der Kun­de in ver­meid­ba­rer Wei­se über des­sen tat­säch­li­che Her­kunft getäuscht wer­de. Die Gestal­tung des Pro­duk­tes dür­fe des­halb nicht dar­auf abzie­len, dass der Kun­de glau­ben soll, statt “Fle­cki” eigent­lich “Pau­la” zu kau­fen. Eine sol­che Her­kunfts­täu­schung sei vor­lie­gend vor allem des­halb beson­ders zu prü­fen gewe­sen, weil all­ge­mein bekannt sei, dass Aldi auch Pro­duk­te nam­haf­ter Her­stel­ler unter ande­rem Namen und dann auch in abwei­chen­der Pro­dukt­auf­ma­chung ver­trei­be (Zweit­mar­ke).

Selbst wenn aber ein­zel­ne Kun­den glau­ben könn­ten, statt “Fle­cki” eigent­lich “Pau­la” zu erwer­ben, sei dies Aldi nicht vor­werf­bar. Bei der Gestal­tung von “Fle­cki” sei das Erfor­der­li­che getan wor­den, um eine Her­kunfts­täu­schung zu ver­mei­den.

Grund­sätz­lich müs­se es einem Wett­be­wer­ber mög­lich sein, ein Milch­pro­dukt zur kind­ge­rech­ten Gestal­tung in die Nähe einer Kuh und deren Fell zu brin­gen. Gleich­zei­tig müs­se er aber Maß­nah­men ergrei­fen, um eine Her­kunfts­täu­schung zu ver­mei­den. Dies sei im Streit­fall durch die abwei­chen­de Detail­ge­stal­tung des Pro­dukts gesche­hen.

So unter­schei­de sich bereits die Mase­rung der Pud­ding­mas­sen von “Fle­cki” und “Pau­la”. “Pau­la” wei­se sich durch klar abge­grenz­te Fle­cken aus, die insel­ar­tig in einer anders­ar­ti­gen Mas­se lägen und ein­an­der nicht berühr­ten. Bei “Fle­cki” hand­le es sich hin­ge­gen eher um ein­zel­ne Fel­der, die mit­ein­an­der durch Ste­ge in Ver­bin­dung stün­den. Auch unter­schei­de sich die Auf­ma­chung und Ver­pa­ckung erheb­lich. Wäh­rend “Pau­la” nur in Vie­rer­packs ange­bo­ten wer­de, gebe es “Fle­cki” aus­schließ­lich in Zwei­er­packs. Erheb­li­che Unter­schie­de bestün­den aber auch zwi­schen den namens­ge­ben­den, auf den Becher­de­ckeln und den Papp­ver­pa­ckun­gen abge­bil­de­ten Kühen. Bei der Kuh “Fle­cki” han­de­le es sich um eine eher mage­re, wei­ße Kuh mit Kuh­glo­cke, die vor der Kulis­se eines Bau­ern­ho­fes vom Rand her ins Bild schaue und bei der Pro­dukt­ge­stal­tung nicht im Mit­tel­punkt stün­de. Im Gegen­satz dazu ste­he “Pau­la”. Die­se zeich­ne sich durch beson­de­re Indi­vi­dua­li­tät aus. Ihre sti­li­sier­te Zeich­nung und ihre “Cool­ness” sug­ge­rie­ren­de Son­nen­bril­le stün­den im Mit­tel­punkt des Pro­duk­tes, ohne dass ihr wei­te­res Umfeld eine rele­van­te Rol­le spie­le. Ent­spre­chend befän­de sich die Kuh “Pau­la” auch im Mit­tel­punkt sämt­li­cher Pro­dukt­wer­bung, so der Ver­pa­ckung, den TV-Spots, dem eigens auf sie aus­ge­rich­te­ten Kin­der­lied und der Home­page, auf der Infor­ma­tio­nen und Spie­le in Bezug auf die Kuh ange­bo­ten wer­den.

Rechts­an­walt Dr. Ise­le emp­fahl, dies zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de — ver­wies.

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