(Kiel) Rou­ten­än­de­run­gen einer geplan­ten See­rei­se sind nur dann zuläs­sig, wenn die Grün­de hier­für nach Ver­trags­schluss ein­tre­ten. Ent­fal­len bei einer Kreuz­fahrt von acht
vor­ge­se­he­nen Anlauf­hä­fen drei ist eine Min­de­rungs­quo­te von 25 Pro­zent ange­mes­sen.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Rechts­an­walt Jens Klar­mann, Lan­des­re­gio­nal­lei­ter „Schles­wig-Hol­stein“ der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf ein am 29.03.1010 ver­öf­fent­lich­tes Urteil des Amts­ge­richts (AG) Mün­chen vom 14.1.2010, AZ 281 C 31292/09.


Ein Ehe­paar buch­te für Anfang März 2009 eine drei­wö­chi­ge Kreuz­fahrt. Über Dur­ban in Süd­afri­ka soll­te die Rou­te nach San­si­bar, Mom­ba­sa, Port Vic­to­ria, Safa­ga, Soukhna und durch den Suez­ka­nal nach Mes­si­na, Nea­pel und Genua füh­ren. Die Rei­se kos­te­te 5271 Euro. Nach­dem die Rei­sen­den in Dur­ban ein­ge­trof­fen und bereits ein­ge­schifft waren, wur­de ihnen eröff­net, dass wegen mög­li­cher Pira­ten­at­ta­cken im Bereich der soma­li­schen Küs­te im Golf von Aden die Rou­te ver­än­dert wür­de. Es ent­fie­len die Anlauf­sta­tio­nen San­si­bar mit dem sechs­stün­di­gen Auf­ent­halt, Safa­ga und Soukhna mit jeweils geplan­ten elf­stün­di­gen Auf­ent­hal­ten. Hin­zu kam ein zusätz­li­cher fünf­stün­di­ger Auf­ent­halt im Hafen von Sharm El Sheik.


Die Rei­sen­den woll­ten dafür eine fünf­zig­pro­zen­ti­ge Min­de­rung des Rei­se­prei­ses vom Rei­se­ver­an­stal­ter. Die­ser woll­te nicht zah­len, schließ­lich sei die Ände­rung nicht wesent­lich und auf Grund der Gefah­ren­la­ge auch not­wen­dig gewe­sen. Rou­ten­än­de­run­gen sei­en nach den Geschäfts­be­din­gun­gen auch zuläs­sig.


Die zustän­di­ge Rich­te­rin beim AG Mün­chen gab den Ehe­leu­ten hin­ge­gen teil­wei­se Recht, so Klar­mann.


Die Rou­ten­än­de­rung stel­le einen Man­gel dar, da eine wesent­li­che Ände­rung an dem Rei­se­ver­lauf vor­ge­nom­men wor­den sei. Von den vor­ge­se­he­nen acht Häfen sei­en drei
ent­fal­len. Der Ersatz­ha­fen habe eine wesent­lich kür­ze­re Anlauf­zeit gehabt. Die­se Ände­rung sei von den Klä­gern auch nicht des­we­gen hin­zu­neh­men, weil der Rei­se­ver­an­stal­ter sich eine sol­che in den Geschäfts­be­din­gun­gen vor­be­hal­ten habe. Eine sol­che Umstel­lung sei näm­lich nur zuläs­sig, wenn die Grün­de dafür nach Ver­trags­ab­schluss ein­trä­ten. Bei der Buchungs­be­stä­ti­gung im Febru­ar sei die Gefahr durch Pira­ten­an­grif­fe aber bereits bekannt gewe­sen.


Ver­kau­fe ein Rei­se­un­ter­neh­men eine Rei­se trotz bereits bestehen­dem Sicher­heits­ri­si­ko, müs­se sie das Anfah­ren ent­we­der trotz­dem ermög­li­chen (z.B. durch bewaff­ne­te Patrouil­len­boo­te) oder es hin­neh­men, dass die Rei­sen­den Min­de­rungs­rech­te wahr­neh­men.


Als Min­de­rungs­quo­te sei­en aller­dings nur 25 Pro­zent ange­mes­sen. Hier­bei sei zum einen zu berück­sich­ti­gen, dass wesent­li­che Tei­le der Rei­se nicht betrof­fen waren, da die meis­ten Rei­se­ta­ge sowie­so auf See statt­fän­den. Auch die Ver­pfle­gung und die Unter­brin­gung an Bord sei­en nicht beein­träch­tigt gewe­sen.


Ande­rer­seits sei­en gera­de Häfen die Höhe­punk­te einer Kreuz­fahrt. Das Rei­se­un­ter­neh­men selbst beschrei­be die Rei­se als Ent­de­ckungs­rei­se zu drei Kon­ti­nen­ten, auf wel­cher man Afri­ka erkun­de, auf die alten Ägyp­ter tref­fe und traum­haf­te Insel­pa­ra­die­se erle­be. Durch die Rou­ten­än­de­rung redu­zie­re sich das Tref­fen mit den alten Ägyp­tern von zwei elf­stün­di­gen Auf­ent­hal­ten auf einen fünf­stün­di­gen Auf­ent­halt. Durch den Weg­fall von San­si­bar ent­fal­le ein Land ganz. Zwar sei­en rein rech­ne­risch nur 28 Stun­den der Rei­se­zeit ent­fal­len, aber auch gera­de die Stun­den, wel­che das Wesen der Trans­at­lan­tik­kreuz­fahrt als Ent­de­ckungs­rei­se bestim­men. In der Gesamt­schau sei daher eine Min­de­rung um 25 Pro­zent ange­mes­sen, wobei dafür der Gesamt­rei­se­preis maß­ge­bend sei. Das Urteil ist rechts­kräf­tig.


Klar­mann emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. recht­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.


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