(Kiel) Bei einer Pau­schal­rei­se, bei der ver­bind­li­che Rei­se­zei­ten nicht ver­ein­bart sind, muss ein Rei­sen­der damit rech­nen, dass die­se gege­be­nen­falls auch zu unkom­for­ta­blen Zei­ten statt­fin­den und am Anrei­se­tag eine nur unzu­rei­chen­de Nacht­ru­he mög­lich sein kann.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Rechts­an­walt Jens Klar­mann, Lan­des­re­gio­nal­lei­ter „Schles­wig-Hol­stein“ der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Amts­ge­richts (AG) Mün­chen vom 06. Juni 2011 zum Urteil vom 30.12.10, Az.: 173 C 23180/10.

Ein Ehe­paar buch­te im März 2008 eine Pau­schal­rei­se in die Tür­kei zum Preis von 2568 Euro. Die­se beinhal­te­te Hin- und Rück­flug, Trans­fers, die Unter­brin­gung und Ver­pfle­gung, eine 10-tägi­ge Kreuz­fahrt im öst­li­chen Mit­tel­meer sowie eine 3‑tägige Bus­rei­se vor und nach der Kreuz­fahrt und soll­te im August statt­fin­den. Ver­bind­li­che Flug­zei­ten waren nicht ver­ein­bart. Als dem Ehe­mann die Flug­schei­ne aus­ge­hän­digt wur­den, sah er, dass der Hin­flug in Deutsch­land um 22.25 Uhr star­ten soll­te. Die Ankunft in der Tür­kei war für 2.25 Uhr am nächs­ten Mor­gen vor­ge­se­hen. Er wand­te sich dar­auf­hin an das Rei­se­bü­ro, da aus sei­ner Sicht die Rei­se­zei­ten unzu­mut­bar sei­en. Da er und sei­ne Frau vom Flug­ha­fen noch zum Hotel fah­ren müss­ten, wür­den sie dort erst um 6 Uhr ein­tref­fen und müss­ten um 7 Uhr schon wie­der mit dem Bus auf­bre­chen. Dies sei völ­lig unmög­lich. Als das Rei­se­bü­ro eine Flug­um­bu­chung ablehn­te, stor­nier­te er die Rei­se, for­der­te sei­ne Anzah­lung in Höhe von 256 Euro zurück und ver­lang­te wei­te­re 2568 Euro Scha­dens­er­satz für nutz­los auf­ge­wand­te Urlaubs­zeit.

Da das Rei­se­un­ter­neh­men die Zah­lung ver­wei­ger­te, kam der Rechts­streit vor das Amts­ge­richt Mün­chen. Der zustän­di­ge Rich­ter wies die Kla­ge jedoch ab, so Klar­mann.

Eine Ver­kür­zung der Nacht­ru­he auf weni­ge Stun­den stel­le im vor­lie­gen­den Fall kei­ne erheb­li­che Beein­träch­ti­gung der Rei­se dar. Die indi­vi­du­el­le Kon­sti­tu­ti­on des Klä­gers und sei­ner Frau wür­de dabei kei­ne Rol­le spie­len, da ein objek­ti­ver Maß­stab anzu­le­gen sei. Nach­dem ver­bind­li­che Rei­se­zei­ten nicht ver­ein­bart wor­den sei­en, müs­se der Klä­ger damit rech­nen, dass die­se – wie bei Pau­schal­rei­sen nicht unüb­lich — gege­be­nen­falls auch zu unkom­for­ta­blen Zei­ten statt­fin­den kön­nen und dass am Anrei­se­tag (wie auch beim Abrei­se­tag) eine nur unzu­rei­chen­de Nacht­ru­he mög­lich sein wür­de.

Dies sei dem Klä­ger und sei­ner Frau ins­be­son­de­re auch vor dem Hin­ter­grund zuzu­mu­ten, dass die­se auf­grund der spä­ten Abflugs­zeit einen aus­ge­dehn­ten Mit­tags­schlaf hät­te hal­ten und wäh­rend des mehr­stün­di­gen Flu­ges sowie des anschlie­ßen­den Trans­fers wei­te­re Stun­den Schlaf hät­ten erlan­gen kön­nen. Hin­zu käme, dass auch am nächs­ten Tag eine Bus­fahrt geplant war. Auch hier hät­te im Bus Gele­gen­heit zum Aus­ru­hen bestan­den.

Schließ­lich sei auch zu berück­sich­ti­gen, dass zen­tra­les Ele­ment der Rei­se die 10-tägi­ge Kreuz­fahrt gewe­sen sei, die von einer jeweils 3‑tägigen Bus­rei­se ein­ge­rahmt wur­de. Dass es im Rah­men des Vor­pro­gramms gege­be­nen­falls zu müdig­keits­be­ding­ten Beein­träch­ti­gun­gen an einem Tag gekom­men wäre, beein­träch­ti­ge weder die Rei­se in ihrer Gesamt­heit noch den ent­spre­chen­den Rei­se­teil erheb­lich. Das Urteil ist rechts­kräf­tig.

Klar­mann emp­fahl, dies zu beach­ten und bei Fra­gen auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  — ver­wies.

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