(Kiel) Die Verpflich­tung, zum Aben­dessen in einem gehobe­nen Hotel eine lange Hose zu tra­gen, stellt keine Beein­träch­ti­gung der Reise dar.

Darauf ver­weist der Kiel­er Recht­san­walt Jens Klar­mann, Lan­desre­gion­alleit­er „Schleswig-Hol­stein“ der DASV Deutsche Anwalts- und Steuer­ber­ater­vere­ini­gung für die mit­tel­ständis­che Wirtschaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf das am 11.10.2010 veröf­fentlichte Urteil des Amts­gerichts (AG) München vom 16.6.10, Az.: 223 C 5318/10

Ein Ehep­aar buchte bei einem Reise­un­ternehmen für den August 2009 eine 10-tägige Pauschal­reise mit Halbpen­sion nach Her­ak­lion zum Preis von 2074 Euro. Als sie sich zum Aben­dessen in das Restau­rant des Hotels begaben, wurde der Mann darauf hingewiesen, dass er doch bitte statt der ¾‑langen Hose eine lange tra­gen möchte. 

Dieser fühlte sich ungerecht behan­delt und bloßgestellt und ver­langte 414 Euro zurück. Im Reisekat­a­log sei kein Hin­weis auf den Klei­derzwang vorhan­den gewe­sen. Anson­sten hät­ten sie den Urlaub auch nicht gebucht. Er und seine Ehe­frau seien aus beru­flichen Grün­den im täglichen Leben auf das Tra­gen von geschäftsmäßiger Klei­dung angewiesen und woll­ten sich daher ger­ade im Urlaub ein­er Klei­derord­nung nicht unter­w­er­fen. Das Reise­un­ternehmen zahlte nicht. Eines Hin­weis­es im Kat­a­log hätte es nicht bedurft. In einem Hotel der gehobe­nen Mit­telk­lasse sei es selb­stver­ständlich, in lan­gen Hosen zum Aben­dessen zu erscheinen. 

Das sah der zuständi­ge Richter des Amts­gerichts München auch so und wies die Klage ab, betont Klarmann. 

Die lan­destyp­is­che Verpflich­tung, zum Aben­dessen in einem gehobe­nen Hotel eine lange Hose zu tra­gen, stelle keine Beein­träch­ti­gung der Reise dar. Dass es auch und ger­ade in südeu­ropäis­chen Län­dern üblich sei, zur Scho­nung des ästhetis­chen Empfind­ens ander­er Hotel­gäste wenig­stens abends lange Bein­klei­dung vorzuschreiben, sei gerichts­bekan­nt und dürfte auch dem Kläger geläu­fig sein. Die Wirk­samkeit ein­er solchen Bek­lei­dungsvorschrift hänge auch nicht davon ab, ob sie in der Kat­a­logbeschrei­bung des Hotels aufge­führt sei. Es han­dele sich um eine Aus­prä­gung lokaler Sit­ten und Gebräuche, die bei einem Reisenden als bekan­nt voraus­ge­set­zt wer­den dürften, von diesem jeden­falls hinzunehmen seien. Auf alle lan­destyp­is­chen Gebräuche, denen ein Reisender möglicher­weise aus­ge­set­zt sein kön­nte und die hin­sichtlich ein­er möglichen Beein­träch­ti­gung unter­halb jeglich­er Erhe­blichkeitss­chwelle lägen, könne ein Reise­un­ternehmen in keinem Kat­a­log hin­weisen. Sei jemand nicht bere­it, sich bei Aus­land­sreisen in gewis­sem Maße lan­destyp­is­chen Gebräuchen zu beu­gen, müsse er zuhause bleiben. Ergänzend werde ange­merkt, dass der Kläger nicht gezwun­gen gewe­sen sei, eine „geschäftsmäßige Klei­dung“ zu tra­gen. Ver­langt wor­den sei lediglich eine lange Hose, die der Kläger auch mit sich führte. Das Urteil ist rechtskräftig. 

Klar­mann emp­fahl, das Urteil zu beacht­en und bei Fra­gen auf jeden Fall Recht­srat einzu­holen, wobei er in diesem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deutsche Anwalts- und Steuer­ber­ater­vere­ini­gung für die mit­tel­ständis­che Wirtschaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  — verwies.


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