(Kiel) Der für das Gesell­schafts­recht zustän­di­ge II. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat­te in zwei Fäl­len über die Fra­ge zu ent­schei­den, ob und gege­be­nen­falls wie Genuss­schein­be­din­gun­gen anzu­pas­sen sind, wenn das emit­tie­ren­de Unter­neh­men als abhän­gi­ge Gesell­schaft einen Beherr­schungs- und Gewinn­ab­füh­rungs­ver­trag abschließt.

Dar­auf ver­weist der Nürn­ber­ger Fach­an­walt für Erb‑, Steu­er sowie Han­dels- und Gesell­schafts­recht Dr. Nor­bert Gie­se­ler, Vize­prä­si­dent der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 28.05.2013 zu sei­nen Urtei­len vom 18. Mai 2013 — II ZR 2/12 und II ZR 67/12.

In dem einen Fall hat die R. Hypo­the­ken­bank AG im Jahr 2000 Genuss­schei­ne zu einem Gesamt­nenn­be­trag in Höhe von 200 Mio. € in einer Stü­cke­lung zu je 1.000 € bege­ben. Die Klä­ge­rin ist Eigen­tü­me­rin von 22 die­ser Genuss­schei­ne. Die Genuss­schei­ne hat­ten eine Lauf­zeit bis Ende 2012. In den Genuss­schein­be­din­gun­gen heißt es u. a.:

• Die Genuss­schein­in­ha­ber erhal­ten eine dem Gewinn­an­teil der Aktio­nä­re der R. vor­ge­hen­de jähr­li­che Aus­schüt­tung aus dem Bilanz­ge­winn.

Reicht der Bilanz­ge­winn zur Aus­schüt­tung nicht aus, so ver­min­dert sich die­se.

Die Genuss­schein­in­ha­ber neh­men am lau­fen­den Ver­lust (Jah­res­fehl­be­trag) in vol­ler Höhe teil.

Im Jahr 2002 ver­schmolz die R. Hypo­the­ken­bank AG mit einer ande­ren Gesell­schaft zur Beklag­ten. Die­se schloss mit der C. I. Hol­ding GmbH einen Beherr­schungs- und Gewinn­ab­füh­rungs­ver­trag, der am 4. Sep­tem­ber 2007 im Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen wur­de. Im Geschäfts­jahr 2009 erziel­te die Beklag­te einen fik­ti­ven, ohne Berück­sich­ti­gung des Ver­lust­aus­gleichs­an­spruchs aus dem Beherr­schungs- und Gewinn­ab­füh­rungs­ver­trag errech­ne­ten Jah­res­fehl­be­trag in Höhe von 169,7 Mio. €. Des­halb wei­ger­te sie sich, auf die Genuss­schei­ne Zah­lun­gen zu leis­ten. Außer­dem hat sie die Rück­zah­lungs­an­sprü­che der Genuss­schein­in­ha­ber ent­spre­chend gekürzt.

In dem zwei­ten Fall ging es um Genuss­schei­ne, die von der Hypo­the­ken­bank in E. AG bege­ben wor­den sind. Die­se Bank ver­schmolz zum 1. August 2008 mit der Beklag­ten. Auch dort stell­te sich die Fra­ge, ob die Genuss­schein­be­din­gun­gen nach der Ver­schmel­zung ange­sichts des von der Beklag­ten abge­schlos­se­nen Beherr­schungs- und Gewinn­ab­füh­rungs­ver­tra­ges ange­passt wer­den müs­sen.

Mit ihren jewei­li­gen Kla­gen haben die Klä­ge­rin­nen bean­tragt, die Beklag­te für das Geschäfts­jahr 2009 zur Zah­lung eines nach der von ihnen ver­tre­te­nen Berech­nungs­wei­se ermit­tel­ten Betra­ges zu ver­ur­tei­len und fest­zu­stel­len, dass die Beklag­te ver­pflich­tet ist, künf­tig die Genuss­schei­ne unab­hän­gig von der Ertrags­la­ge der Beklag­ten zu bedie­nen und sie bei Fäl­lig­keit zum Nenn­wert zurück­zu­zah­len. Das Land­ge­richt hat die Kla­gen im Wesent­li­chen abge­wie­sen. Das Beru­fungs­ge­richt hat ihnen statt­ge­ge­ben. Dage­gen rich­ten sich die Revi­sio­nen der Beklag­ten.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Revi­sio­nen der Beklag­ten zurück­ge­wie­sen, so Dr. Gie­se­ler.

Er hat ent­schie­den, dass die Genuss­schein­be­din­gun­gen, wenn sie kei­ne Rege­lung für den Fall des Abschlus­ses eines Beherr­schungs- und Gewinn­ab­füh­rungs­ver­tra­ges ent­hal­ten, ent­spre­chend anzu­pas­sen sind. Der Bun­des­ge­richts­hof hat ange­nom­men, dass die Ver­trags­an­pas­sung so aus­zu­se­hen hat, dass auf die Genuss­schei­ne — unab­hän­gig von der künf­ti­gen Ertrags­la­ge der emit­tie­ren­den Gesell­schaft — die vol­len ursprüng­lich vor­ge­se­he­nen Aus­schüt­tun­gen erbracht wer­den müs­sen und die Rück­zah­lungs­an­sprü­che nicht her­ab­ge­setzt wer­den dür­fen, sofern die Pro­gno­se hin­sicht­lich der Ertrags­ent­wick­lung der Gesell­schaft bei Abschluss des Beherr­schungs- und Gewinn­ab­füh­rungs­ver­tra­ges ent­spre­chend posi­tiv gewe­sen ist. Davon war nach den rechts­feh­ler­frei­en Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts aus­zu­ge­hen.

Dr. Gie­se­ler riet, dies zu beach­ten und ver­wies dabei für Rechts­fra­gen u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de

Für Rück­fra­gen steht Ihnen zur Ver­fü­gung:

Dr. Nor­bert Gie­se­ler
Rechts­an­walt
Fach­an­walt für Erbrecht
Fach­an­walt für Steu­er­recht
Fach­an­walt für Han­dels- und Gesell­schafts­recht
DUV-Prä­si­dent
c/o Mein­hardt, Gie­se­ler & Part­ner
Rathen­au­platz 4–8
90489 Nürn­berg
Tel.: 0911 580 560–0
Fax: 0911 580 560–99
Email: kanzlei@mgup.de
http://www.mgup-kanzlei.de/