(Kiel) Der 13. Senat des Nie­der­säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richts hat sich in meh­re­ren Eil­be­schlüs­sen mit der Fra­ge befasst, ob und inwie­weit die Apo­the­ker­kam­mer in ihrer Eigen­schaft als Auf­sichts­be­hör­de die Gewäh­rung von Ein­kaufs­gut­schei­nen und sons­ti­gen Wer­be­ga­ben (“Apo­the­ken-Taler”, “Bonus-Taler”) durch Apo­the­ken bei der Abga­be ver­schrei­bungs­pflich­ti­ger und damit preis­ge­bun­de­ner Arz­nei­mit­tel unter­sa­gen darf. Er hat ent­schie­den, dass sol­che Bonus­mo­del­le nur in sehr engen Gren­zen mög­lich sind.

Dar­auf ver­weist der Frank­fur­ter Rechts­an­walt und Fach­an­walt für gewerb­li­chen Rechts­schutz Dr. Jan Felix Ise­le von der Kanz­lei DANCKELMANN UND KERST, Mit­glied in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die ent­spre­chen­de Mit­tei­lung des Nie­der­säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richts (OVG) vom 14. Juli 2011 zu den Beschlüs­sen vom 8. Juli 2011 — 13 ME 94/11, 13 ME 95/11 und 13 ME 111/11.

Die Antrag­stel­ler prak­ti­zier­ten unter­schied­li­che Bonus­mo­del­le: Wäh­rend zwei Ver­sand­apo­the­ken Gut­schei­ne über 1,50 EUR pro Arz­nei­mit­tel bzw. 3,00 EUR pro Rezept für die nächs­te Bestel­lung aus dem nicht preis­ge­bun­de­nen Sor­ti­ment anbo­ten, gab eine Prä­sen­zapo­the­ke “Taler” ohne einen auf­ge­druck­ten Wert aus, die ins­be­son­de­re für spä­te­re Prä­mi­en ange­sam­melt wer­den konn­ten. Die Apo­the­ker­kam­mer unter­sag­te die­se Bonus­mo­del­le wegen eines damit ein­her­ge­hen­den Ver­sto­ßes gegen die Arz­nei­mit­tel­preis­bin­dung.

Einen sol­chen Ver­stoß hat auch der Senat bejaht. Er hat indes­sen in Anknüp­fung an die auf ent­spre­chen­de Unter­las­sungs­kla­gen von Kon­kur­ren­ten und der Wett­be­werbs­zen­tra­le ergan­ge­ne Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs (Urtei­le vom 9. Sep­tem­ber 2010 — I ZR 193/07, I ZR 37/08, I ZR 98/08, I ZR 125/08, I ZR 26/09) in Rech­nung gestellt, so Dr. Ise­le, dass nach dem Heil­mit­tel­wer­be­recht zwar einer­seits Bar­ra­bat­te bei preis­ge­bun­de­nen Arz­nei­mit­teln aus­nahms­los unter­sagt sind, die Gewäh­rung von “gering­wer­ti­gen Klei­nig­kei­ten” aber zuläs­sig ist.

Dies muss­te die Apo­the­ker­kam­mer bei der von ihr zu tref­fen­den Ermes­sens­ent­schei­dung berück­sich­ti­gen. Die Gut­schei­ne über 1,50 EUR bzw. 3,00 EUR stel­len zwar kei­ne (von vorn­her­ein unzu­läs­si­gen) Bar­ra­bat­te dar, sie kom­men aber sol­chen sehr nahe und durf­ten des­halb und auf­grund ihres ver­hält­nis­mä­ßig hohen Wer­tes unter­sagt wer­den. Bei den “Talern” ohne auf­ge­druck­ten Euro-Betrag, deren Wert bei etwa 50 Cent liegt, hat der Senat hin­ge­gen im Eil­ver­fah­ren die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass die Ein­griffs­schwel­le für die Auf­sichts­be­hör­de noch nicht über­schrit­ten ist, weil es sich um eine nach den Wer­tun­gen des Heil­mit­tel­wer­be­rechts zuläs­si­ge Gewäh­rung von “gering­wer­ti­gen Klei­nig­kei­ten” han­delt.

Die in Ver­fah­ren des vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes ergan­ge­nen Beschlüs­se sind unan­fecht­bar.

Rechts­an­walt Dr. Ise­le emp­fahl, dies zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de — ver­wies.

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