(Kiel) Ein makabr­er Fall von Zah­n­gold­dieb­stahl von eingeäscherten Toten hat das Ober­lan­des­gericht in Nürn­berg beschäftigt. Dabei hat das Gericht  die Verurteilung von sechs ehe­ma­li­gen Arbeit­ern der Fried­hofsver­wal­tung der Stadt Nürn­berg wegen Ver­wahrungs­bruchs und die gegen sie aus­ge­sproch­enen Bewährungsstrafen bestätigt.

Den vom Landgericht Nürn­berg-Fürth zusät­zlich gemacht­en Vor­wurf der Störung der Toten­ruhe, so der Wormser Fachan­walt für Strafrecht Jür­gen Möthrath von der DASV Deutsche Anwalts- und Steuer­ber­ater­vere­ini­gung für die mit­tel­ständis­che Wirtschaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf den am 25.11.2009 veröf­fentlicht­en Beschluss des Ober­lan­des­gerichts Nürn­berg (OLG) vom 20.11.2009, ließ das OLG aus Rechts­grün­den dabei fall­en. Das Ver­fahren ist damit recht­skräftig abgeschlossen.


Die zwis­chen 31 und 56 Jahre alten Män­ner waren als städtis­che Arbeit­er im Kre­ma­to­ri­um der Stadt Nürn­berg auf dem West­fried­hof in unter­schiedlichen Funk­tio­nen tätig. In den Jahren 2004 bis 2006 nah­men sie am Ende jed­er Schicht das bei den Einäscherun­gen frei gewor­dene Zah­n­gold der Ver­stor­be­nen an sich und verkauften es an einen Juwe­li­er auf eigene Rech­nung weit­er. Dabei nutzten sie den Umstand für sich aus, dass das Zah­n­gold von einem bei der Sortierung der Ver­bren­nungsrück­stände einge­set­zten Met­al­lab­schei­degerät aus­geson­dert wurde. Dadurch gelangte das Edel­met­all nicht — wie von der Fried­hofsver­wal­tung beab­sichtigt — in die jew­eilige Urne, son­dern fiel zusam­men mit anderen nicht urnenpflichti­gen Rück­stän­den in einen Sammelbehälter. 


Nach dem Bekan­ntwer­den der Vor­fälle im Okto­ber 2006 kam es zu ein­er groß angelegten Durch­suchungs- und Fes­t­nah­meak­tion. Das in erster Instanz mit dem Fall betraute Amts­gericht Nürn­berg verurteilte die früheren Fried­hof­ss­chaffn­er am 7.11.2007 wegen ver­sucht­en schw­eren Ban­dendieb­stahls und ver­sucht­en Dieb­stahls in mehreren Fällen zu Bewährungsstrafen. Auf ihre Beru­fung wur­den die in der über­wiegen­den Mehrzahl aus der Region stam­menden Män­ner am 17.2.2009 vom Landgericht Nürn­berg-Fürth wegen Ver­wahrungs­bruchs und Störung der Toten­ruhe schuldig gesprochen und zu Bewährungsstrafen zwis­chen sechs und zwölf Monat­en verurteilt. Mit ihrer hierge­gen ein­gelegten Revi­sion woll­ten die früheren Fried­hof­s­mi­tar­beit­er vor dem Ober­lan­des­gericht ihren Freis­pruch erreichen.


Das Ober­lan­des­gericht Nürn­berg ist dem in seinem Beschluss vom 20.11.2009 nicht gefol­gt und hat nun sowohl die ergan­genen Schuld­sprüche wegen Ver­wahrungs­bruchs, als auch die vom Landgericht ver­hängten Strafen bestätigt, so betont Möthrath.


Lediglich die Verurteilung wegen Störung der Toten­ruhe hat­te keinen Bestand. Dabei ging der Sen­at, gestützt auf die Fest­stel­lun­gen des Landgerichts davon aus, dass von der Fried­hofsver­wal­tung an den zur Einäscherung ent­ge­gengenomme­nen Ver­stor­be­nen mit allen Bestandteilen und Beiga­ben ein strafrechtlich beson­ders geschütztes Ver­wahrungsver­hält­nis begrün­det wor­den ist. Dieses spezielle Obhutsver­hält­nis habe sich nach der Kre­ma­tion auch an dem Zah­n­gold fort­ge­set­zt und sei von den Verurteil­ten durch die heim­liche Weg­nahme gebrochen wor­den. Dabei sei es jedoch nicht mehr zu ein­er Störung der Toten­ruhe gekom­men, weil durch die maschinelle Aus­son­derung des Zah­n­golds in einen Sam­mel­be­häl­ter zu diesem Zeit­punkt kein Zusam­men­hang zu einzel­nen Ver­stor­be­nen mehr gegeben war. Zudem werde durch § 168 StGB (Störung der Toten­ruhe) nur die Asche eines Ver­stor­be­nen gegen Zugriffe geschützt. Das unver­bran­nt zurück­ge­bliebene Zah­n­gold könne aber nicht als Asche ange­se­hen wer­den.
Die vom Landgericht ver­hängten Frei­heitsstrafen wur­den unverän­dert beibehal­ten, weil nach Überzeu­gung des Sen­ats die Schuld der Verurteil­ten durch den Weg­fall der Verurteilung wegen Störung der Toten­ruhe nicht gemindert wor­den sei und deshalb von dem Landgericht auch bei ein­er Verurteilung nur wegen Ver­wahrungs­bruchs keine anderen Strafen ver­hängt wor­den wären. Die Verurteil­ten hät­ten in dem sehr sen­si­blen Bere­ich der staatlichen Toten­für­sorge einen von ihnen beobachteten Fehler im Betrieb­sablauf über Jahre plan­mäßig aus­genutzt und dadurch das Ver­trauen der Öffentlichkeit in einen sorgsamen Umgang mit ihren, der öffentlichen Hand übergebe­nen Ver­stor­be­nen nach­haltig erschüt­tert. Eine Geld­strafe, so das Ober­lan­des­gericht, müsste deshalb als eine unangemessene Bagatel­lisierung und ein Zurück­we­ichen der Recht­sor­d­nung vor einem gewohn­heitsmäßi­gen Rechts­bruch emp­fun­den werden.


Möthrath riet, dies zu beacht­en und ggfs. rechtlichen Rat in Anspruch zu nehmen, wobei er dabei u. a. auch auf die auf Strafrecht spezial­isierten Anwälte und Anwältin­nen in der DASV Deutsche Anwalts- und Steuer­ber­ater­vere­ini­gung für die mit­tel­ständis­che Wirtschaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – verwies.


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