(Kiel) Ein Arzt ist verpflichtet, sich auf seinem Fachge­bi­et regelmäßig weit­erzu­bilden. Wis­senschaftlich gesicherte Erken­nt­nisse, die in ein­er führen­den Fachzeitschrift veröf­fentlicht wer­den, muss er zeit­nah im Beruf­sall­t­ag umset­zten. Ver­säumt er diese Pflicht, kann dies zu einem groben Behand­lungs­fehler führen und einen Schmerzens­gel­danspruch des Patien­ten aus­lösen.

Darauf ver­weist der Stuttgarter Recht­san­walt Alexan­der Rilling von der DASV Deutsche Anwalts- und Steuer­ber­ater­vere­ini­gung für die mit­tel­ständis­che Wirtschaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf die Mit­teilung des Ober­lan­des­gerichts (OLG) Koblenz vom 4.07.2012 zu seinem Urteil vom 20. Juni 2012; Az: 5 U 1450/11.

Der Sen­at sprach ein­er Pati­entin, die nach ein­er Oper­a­tion drei Tage an ein­er hefti­gen, ver­mei­d­baren Übelkeit litt, ein Schmerzens­geld in Höhe von 1.000,- € zu.

Die damals 46-jährige Klägerin hat­te sich im März 2005 in einem Mainz­er Kranken­haus einem gynäkol­o­gis­chen Ein­griff unterziehen müssen. Vor der Oper­a­tion hat­te sie darauf hingewiesen, dass sie die üblichen Narkosemit­tel nicht ver­trage. Infolge der Intu­ba­tion­snarkose litt sie im Anschluss an die Oper­a­tion drei Tage an heftiger Übelkeit mit Erbrechen. Wegen dieser und ander­er Oper­a­tions­fol­gen klagte sie gegen das Kranken­haus und den operieren­den Arzt auf Schmerzens­geld. Das Landgericht Mainz wies die Klage ab, die Beru­fung der Klägerin gegen dieses Urteil hat­te nun gegenüber dem Kranken­haus in einem Punkt Erfolg.

Der Sen­at kon­nte zwar wed­er einen Aufk­lärungs­fehler noch einen Behand­lungs­fehler bei der konkreten Oper­a­tion fest­stellen. Die Klage gegen den operieren­den Arzt wurde daher auch vom Ober­lan­des­gericht abgewiesen. Die Richter führen in ihrer Entschei­dung jedoch aus, die Anäs­the­sie sei nicht mit der erforder­lichen Sorgfalt durchge­führt wor­den, daher hafte das eben­falls beklagte Kranken­haus auf Schmerzens­geld. Wegen der bekan­nten Überempfind­lichkeit gegen die üblichen Narkosemit­tel hätte der Klägerin ein weit­eres, die Übelkeit min­dern­des oder gar völ­lig unter­drück­endes Medika­ment verabre­icht wer­den müssen.

Dass dieser Wirk­stoff die Beschw­er­den lin­dere, sei mit wis­senschaftlich gesicherten Erken­nt­nis­sen bere­its im Jahre 2004 in ein­er anerkan­nten Fachzeitschrift veröf­fentlicht wor­den. Dem Anäs­the­sisten hätte daher im März 2005 bekan­nt sein müssen, dass die Gabe eines drit­ten Medika­ments erforder­lich gewe­sen sei. Die Zeitspanne zwis­chen Pub­lika­tion und Oper­a­tion sei so lang, dass das Ver­säum­nis als grober Behand­lungs­fehler zu werten sei. Dem­nach hätte das Kranken­haus nach­weisen müssen, dass die Übelkeit auch mit dem Medika­ment einge­treten wäre. Da dieser Nach­weis nicht geführt wurde, verurteilte der Sen­at das Kranken­haus zur Zahlung des Schmerzens­geldes.

Rilling riet, das Urteil zu beacht­en und und bei ähn­lichen Fällen auf jeden Fall Recht­srat einzu­holen und ver­wies in diesem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deutsche Anwalts- und Steuer­ber­ater­vere­ini­gung für die mit­tel­ständis­che Wirtschaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de -

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