(Kiel) Der Bun­des­ge­richts­hof (BGH)  hat am 22.04.2009 ent­schie­den, dass die Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft GEMA (Gesell­schaft für musi­ka­li­sche Auf­füh­rungs- und mecha­ni­sche Ver­viel­fäl­ti­gungs­rech­te) von ihrer Pflicht nach § 11 Abs. 1 des Urhe­ber­rechts­wahr­neh­mungs­ge­set­zes (UrhWG), auf­grund der von ihr wahr­ge­nom­me­nen Rech­te jeder­mann auf Ver­lan­gen zu ange­mes­se­nen Bedin­gun­gen Nut­zungs­rech­te ein­zu­räu­men, in Aus­nah­me­fäl­len befreit ist.

Dar­auf ver­weist die Ham­bur­ger Fach­an­wäl­tin für Urhe­ber- und Medi­en­recht Karin Scheel-Pötzl von der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf die soeben ver­öf­fent­lich­te Pres­se­mit­tei­lung des BGH vom 23.04.2009, (AZ.: . I ZR 5/07 – See­ing is Belie­ving).


In dem vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall hat­te die Klä­ge­rin bei der GEMA, die Rech­te der Kom­po­nis­ten, Text­dich­ter und Musik­ver­la­ge an Musik­wer­ken wahr­nimmt, bean­tragt, ihr die Nut­zungs­rech­te an zwölf Musik­stü­cken ein­zu­räu­men, die 1993 in den USA von der Klä­ge­rin mit dem Sän­ger Xavier Nai­doo auf­ge­nom­men wor­den waren. Xavier Nai­doo war an dem Rechts­streit als Streit­hel­fer auf Sei­ten der GEMA betei­ligt. Die Klä­ge­rin beab­sich­tig­te, eine CD mit die­sen Musik­stü­cken her­zu­stel­len und zu ver­trei­ben. Dazu benö­tig­te sie neben den Rech­ten, die in der Per­son von Xavier Nai­doo in sei­ner Eigen­schaft als Kom­po­nist und Text­dich­ter die­ser Musik­ti­tel ent­stan­den sind und die von der GEMA wahr­ge­nom­men wer­den, auch die urhe­ber­recht­li­chen Leis­tungs­schutz­rech­te, die Xavier Nai­doo als Sän­ger die­ser Musik­auf­nah­men zuste­hen. Die­se Leis­tungs­schutz­rech­te wer­den von der GEMA nicht wahr­ge­nom­men.


Die Klä­ge­rin war der Ansicht, sie habe die ent­spre­chen­den Leis­tungs­schutz­rech­te bereits durch einen mit Xavier Nai­doo im Jah­re 1993 geschlos­se­nen Künst­ler­ex­klu­siv­ver­trag erwor­ben. Xavier Nai­doo und die GEMA haben dage­gen gel­tend gemacht, die­ser Ver­trag sei wegen einer sit­ten­wid­ri­gen Über­vor­tei­lung Xavier Nai­doos nich­tig. Die GEMA hat sich daher gewei­gert, der Klä­ge­rin die ver­lang­ten Nut­zungs­rech­te ein­zu­räu­men.


Das Land­ge­richt hat die GEMA ver­ur­teilt, der Klä­ge­rin eine Lizenz für die Her­stel­lung des beab­sich­tig­ten Ton­trä­gers gegen Zah­lung einer Lizenz­ge­bühr in Höhe von 6.420 € zu ertei­len. Das Beru­fungs­ge­richt hat die Kla­ge mit der Begrün­dung abge­wie­sen, der Abschluss­zwang nach § 11 Abs. 1 UrhWG kön­ne im Ein­zel­fall wegen ent­ge­gen­ste­hen­der Inter­es­sen der Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft oder des Urhe­bers auf­ge­ho­ben sein. Ein sol­cher Aus­nah­me­fall lie­ge hier vor, weil Xavier Nai­doo es ableh­ne, der Klä­ge­rin die für die Her­stel­lung des Ton­trä­gers benö­tig­ten Leis­tungs­schutz­rech­te zu über­tra­gen, und die Klä­ge­rin die­se Rech­te auch nicht bereits durch den Ver­trag von 1993 erwor­ben habe, der wegen Sit­ten­wid­rig­keit nich­tig sei.


Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Revi­si­on der Klä­ge­rin nun zurück­ge­wie­sen, so Scheel-Pötzl.


Der Abschluss­zwang nach § 11 UrhWG sei eine not­wen­di­ge Fol­ge davon, dass die jewei­li­ge Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft – in Deutsch­land besteht für eine oder meh­re­re Arten von Schutz­rech­ten in der Regel nur jeweils eine Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft – das tat­säch­li­che Mono­pol für alle Rech­te erlan­ge, die zu ihrem Tätig­keits­be­reich gehör­ten.
Aus dem Zweck des § 11 UrhWG, einen Miss­brauch der tat­säch­li­chen Mono­pol­stel­lung der Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft zu ver­hin­dern, erge­be sich, dass aus­nahms­wei­se eine Abschluss­pflicht nicht bestehe, wenn eine miss­bräuch­li­che Aus­nut­zung der Mono­pol­stel­lung von vorn­her­ein aus­schei­de und die Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft dem Ver­lan­gen auf Ein­räu­mung von Nut­zungs­rech­ten vor­ran­gi­ge berech­tig­te Inter­es­sen ent­ge­gen­hal­ten kön­ne. Die­se Vor­aus­set­zung sei in die­sem Fall gege­ben, weil die Klä­ge­rin an der beab­sich­tig­ten Her­stel­lung des Ton­trä­gers wegen der Wei­ge­rung Xaviers Nai­doos, ihr die inso­weit benö­tig­ten Leis­tungs­schutz­rech­te zu über­tra­gen, und der vom Beru­fungs­ge­richt rechts­feh­ler­frei ange­nom­me­nen Nich­tig­keit des Ver­trags von 1993 aus Rechts­grün­den gehin­dert sei.


Unter die­sen Umstän­den sei es der GEMA unter Berück­sich­ti­gung ihrer aus dem Wahr­neh­mungs­ver­trag mit Xavier Nai­doo fol­gen­den Treu­hand­stel­lung nicht zumut­bar, der Klä­ge­rin Nut­zungs­rech­te zu über­tra­gen, die die­se nicht recht­mä­ßig nut­zen kön­ne.


Scheel-Pötzl emp­fahl, das Urteil zu beach­ten und bei ähn­li­chen Fäl­len auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len und ver­wies in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  -


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