(Kiel) Der Bun­des­ge­richts­hof (BGH) hat am 30.04.2009 ent­schie­den, dass einem Flug­gast kei­ne pau­scha­lier­te Aus­gleichs­zah­lung nach der Ver­ord­nung (EG) Nr. 261/2004 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates über eine gemein­sa­me Rege­lung für Aus­gleichs- und Unter­stüt­zungs­leis­tun­gen für Flug­gäs­te im Fall der Nicht­be­för­de­rung und bei Annul­lie­rung oder gro­ßer Ver­spä­tung von Flü­gen zusteht, wenn er einen Anschluss­flug nicht erreicht.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Rechts­an­walt Jens Klar­mann, Lan­des­re­gio­nal­lei­ter „Schles­wig-Hol­stein“ der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die ent­spre­chen­de Mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs vom 30.04.2009, (Az.: Xa ZR 78/08).
In einem der bei­den gleich gela­ger­ten ent­schie­de­nen Fäl­le hat­ten der Klä­ger und sei­ne Lebens­ge­fähr­tin bei der Beklag­ten für den 27. Sep­tem­ber 2006 eine Flug­rei­se von Frank­furt am Main über Paris nach Bogo­tá gebucht. Das Flug­zeug nach Paris soll­te um 7.25 Uhr star­ten und um 8.45 Uhr in Paris lan­den, der Wei­ter­flug war für 10.35 Uhr vor­ge­se­hen. Die Rei­sen­den gaben ihr Gepäck zwar bis Bogo­tá auf, erhiel­ten jedoch in Frank­furt noch kei­ne Bord­kar­ten für den Wei­ter­flug. Der Abflug in Frank­furt ver­zö­ger­te sich wegen Nebels und des über­füll­ten Flug­raums über Paris, so dass die Lan­dung in Paris erst um 9.43 Uhr erfolg­te. Als die Rei­sen­den am Ter­mi­nal ein­tra­fen, wur­den sie unter Hin­weis auf den bereits abge­schlos­se­nen Ein­stei­ge­vor­gang für den Flug nach Bogo­tá nicht mehr abge­fer­tigt. Sie konn­ten erst am nächs­ten Tag nach Bogo­tá wei­ter­flie­gen.


Die Par­tei­en strei­ten dar­über, ob es eine “Nicht­be­för­de­rung” im Sin­ne der Ver­ord­nung dar­stellt, wenn ein Flug­gast einen Anschluss­flug nicht erreicht, weil der – gemein­sam mit dem Anschluss­flug gebuch­te und von der­sel­ben Flug­ge­sell­schaft durch­ge­führ­te – Zubrin­ger­flug erheb­lich ver­spä­tet erfolgt. Die Rei­sen­den haben jeweils eine Aus­gleichs­zah­lung in der – für die ver­wei­ger­te Beför­de­rung auf einem Flug über eine Ent­fer­nung von mehr als 3.500 km vor­ge­se­he­nen – Höhe von 600 Euro bean­sprucht.
Amts- und Ober­lan­des­ge­richt haben die Kla­ge abge­wie­sen. Der Bun­des­ge­richts­hof hat die­se Ent­schei­dun­gen nun bestä­tigt, betont Klar­mann.
Der Aus­gleichs­an­spruch habe nach der Ver­ord­nung drei Vor­aus­set­zun­gen:


-  Der Flug­gast muss ent­we­der über eine bestä­tig­te Buchung für den betref­fen­den Flug ver­fü­gen oder von einem ande­ren Flug, für den er eine sol­che Buchung besaß, auf den betref­fen­den Flug umge­bucht wor­den sein.


-  Der Flug­gast muss sich – wenn ihm nicht schon vor­her die Mit­nah­me ver­wei­gert wor­den ist – zur ange­ge­be­nen Zeit zur Abfer­ti­gung (“Check-in”) ein­ge­fun­den haben.


-  Dem am Flug­steig anwe­sen­den Flug­gast ist der Ein­stieg (“Boar­ding”) gegen sei­nen Wil­len ver­wei­gert wor­den


Die­se Vor­aus­set­zun­gen sei­en nicht erfüllt, wenn der Flug­gast wegen der Ver­spä­tung des Zubrin­ger­flugs nicht recht­zei­tig zur Abfer­ti­gung (und infol­ge­des­sen auch nicht am Flug­steig) erschei­nen kann und den Anschluss­flug ver­passt. Ange­sichts die­ses ein­deu­ti­gen Ergeb­nis­ses bedür­fe  es einer Vor­la­ge an den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten nicht.


Das Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs betrifft nur den von einem Ver­schul­den der Flug­ge­sell­schaft unab­hän­gi­gen Aus­gleichs­an­spruch nach der Ver­ord­nung. Die Fra­ge, ob und unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen dem Flug­gast ein ver­trag­li­cher Scha­dens­er­satz­an­spruch zusteht, war nicht Gegen­stand des Rechts­streits.
Klar­mann emp­fahl, die­ses Urteil zu beach­ten und ggfs. recht­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.


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