(Kiel) Der u. a. für das Nach­bar­recht zustän­di­ge V. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat am 23. Juli 2010 über den Schmer­zens­geld­an­spruch des Bewoh­ners eines Grund­stücks ent­schie­den, der auf berg­bau­be­ding­te Erd­er­schüt­te­run­gen zurück­zu­füh­ren­de Gesund­heits­schä­den erlit­ten hat.

Dar­auf ver­weist der Stutt­gar­ter Rechts­an­walt und Fach­an­walt für Arbeits- und Erbrecht Micha­el Henn, Vize­prä­si­dent der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf das Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 23. Juli 2010 – V ZR 142/09.

Die Klä­ge­rin bewohnt zusam­men mit ihrem Ehe­mann und schul­pflich­ti­gen Kin­dern ein Eigen­heim in Schmelz-Hüt­ters­dorf (Saar­land). Infol­ge des für Rech­nung und im Auf­trag der Beklag­ten in der Gegend betrie­be­nen Berg­baus kam es in den Jah­ren 2005 und 2006 zu Erd­er­schüt­te­run­gen mit Schwin­gungs­ge­schwin­dig­kei­ten von bis zu 71 mm/sek. Mit der Behaup­tung, auf­grund der Erd­er­schüt­te­run­gen lei­de sie seit März 2005 an erheb­li­chen psy­chi­schen Pro­ble­men in Form einer Pho­bie sowie an psy­cho­so­ma­ti­schen Beschwer­den wie Schlaf­lo­sig­keit und stän­di­gen Angst­zu­stän­den in Erwar­tung wei­te­rer Beben, ver­langt die Klä­ge­rin jetzt noch ein Schmer­zens­geld von min­des­tens 4.000 €. Die Kla­ge ist in den Tat­sa­chen­in­stan­zen erfolg­los geblie­ben.

Die Revi­si­on der Klä­ge­rin gegen das Beru­fungs­ur­teil wur­de zurück­ge­wie­sen, so Henn.

Ein berg­recht­li­cher Anspruch besteht nicht, weil die gesund­heit­li­chen Beein­träch­ti­gun­gen kein Berg­scha­den im Sin­ne von § 114 BBergG sind. Der ver­schul­dens­un­ab­hän­gi­ge nach­bar­recht­li­che Aus­gleichs­an­spruch nach § 906 Abs. 2 Satz 2 BGB, der nach der Senats­recht­spre­chung (Urteil vom 19. Sep­tem­ber 2008, V ZR 28/08, BGHZ 178, 90 – sie­he Pres­se­mit­tei­lung Nr. 177/2008) bei berg­bau­be­ding­ten Erd­er­schüt­te­run­gen im Ver­hält­nis zwi­schen dem beein­träch­tig­ten Grund­stücks­ei­gen­tü­mer und dem Berg­bau­be­rech­tig­ten zur Anwen­dung kom­men kann, gewährt kein Schmer­zens­geld. Die­ses kann nach § 253 Abs. 2 BGB nur auf­grund eines Scha­dens­er­satz­an­spruchs ver­langt wer­den. Der Aus­gleichs­an­spruch ist jedoch kein Scha­dens­er­satz­an­spruch, son­dern ein aus dem Grund­stücks­ei­gen­tum abge­lei­te­ter Ent­schä­di­gungs­an­spruch, mit dem Wert­min­de­run­gen und Nut­zungs­ein­schrän­kun­gen eines Grund­stücks aus­ge­gli­chen wer­den sol­len. Ein ver­schul­dens­ab­hän­gi­ger delikts­recht­li­cher Scha­dens­er­satz­an­spruch (§ 823 Abs. 1 BGB) besteht eben­falls nicht, weil die Klä­ge­rin in der Beru­fungs­in­stanz kein rechts­wid­ri­ges und schuld­haf­tes Han­deln der Beklag­ten unter Beweis gestellt hat.

Henn riet, das Urteil zu beach­ten und ver­wies  bei Fra­gen u. a. auch auf die  DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de 

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