(Kiel) Der Bun­des­ge­richts­hof hat am 14. Juli 2010 zwei Urtei­le auf­ge­ho­ben, mit denen die Kla­gen von Gas­kun­den gegen Gas­preis­er­hö­hun­gen abge­wie­sen wor­den waren.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Rechts­an­walt Jens Klar­mann, Lan­des­re­gio­nal­lei­ter „Schles­wig-Hol­stein“ der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Urtei­le des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 14. Juli 2010 – VIII ZR 327/07 und VIII ZR 6/08.

Die Klä­ger der bei­den Ver­fah­ren mit weit­ge­hend gleich gela­ger­tem Sach­ver­halt wur­den als End­ver­brau­cher von einem nord­west­deut­schen Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men zum “Son­der­ta­rif S I” lei­tungs­ge­bun­den mit Erd­gas belie­fert. In die­sem Tarif erhöh­te das Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men den Arbeits­preis zum 1. Sep­tem­ber 2004 von 3,00 Cent/kWh auf 3,40 Cent/kWh, zum 1. August 2005 auf 3,88 Cent/kWh und zum 1. Febru­ar 2006 auf 4,26 Cent/kWh (jeweils zuzüg­lich Mehr­wert­steu­er).

Die Kun­den haben bean­tragt fest­zu­stel­len, dass die genann­ten Tarif­er­hö­hun­gen ihnen gegen­über unwirk­sam sind. Das Amts­ge­richt hat die Kla­gen abge­wie­sen. Das Land­ge­richt hat die Beru­fun­gen der Kun­den zurück­ge­wie­sen.

Die dage­gen gerich­te­ten Revi­sio­nen der Kun­den hat­ten jedoch Erfolg, so Klar­mann.

Der VIII. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat ent­schie­den, dass das Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men — ent­ge­gen der vom Land­ge­richt ver­tre­te­nen Auf­fas­sung — nicht unmit­tel­bar auf­grund des gesetz­li­chen Preis­än­de­rungs­rechts gemäß § 4 Abs. 1 und 2 AVB­GasV zur Preis­än­de­rung befugt war, weil es sich bei den Kun­den nicht um Tarif­kun­den (§ 1 Abs. 2 AVB­GasV), son­dern um Son­der­kun­den han­delt. Dies hat auch das Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men inzwi­schen klar gestellt, nach­dem es zunächst ange­nom­men hat­te, es han­de­le sich um Tarif­kun­den. Für die Wirk­sam­keit der Preis­er­hö­hun­gen kommt es des­halb dar­auf an, ob das Unter­neh­men sich wirk­sam ver­trag­lich ein Preis­än­de­rungs­recht vor­be­hal­ten hat. Dazu hat das Land­ge­richt kei­ne rechts­feh­ler­frei­en Fest­stel­lun­gen getrof­fen.

Die Ver­fah­ren sind an das Land­ge­richt zurück­ver­wie­sen wor­den, damit die erfor­der­li­chen Fest­stel­lun­gen zum wirk­sa­men Vor­be­halt eines ver­trag­li­chen Preis­än­de­rungs­rechts nach­ge­holt wer­den kön­nen. Soll­te ein ver­trag­lich vor­be­hal­te­nes ein­sei­ti­ges Preis­be­stim­mungs­recht des Ver­sor­gungs­un­ter­neh­mens bestehen, muss eine Bil­lig­keits­kon­trol­le (§ 315 Abs. 3 BGB) der bean­stan­de­ten Preis­er­hö­hun­gen erfol­gen.

Klar­mann emp­fahl, das Urteil zu beach­ten und bei Fra­gen auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  — ver­wies.

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