(Kiel) Der Bun­des­ge­richts­hof (BGH) hat am 06.10.2009 ent­schie­den, dass min­der­jäh­ri­ge Kin­der kei­nen umfas­sen­den Anspruch gegen die Pres­se haben, die Ver­öf­fent­li­chung jeg­li­cher Fotos von ihnen bis zur Voll­jäh­rig­keit zu unter­las­sen.

Dar­auf ver­weist die Ham­bur­ger Fach­an­wäl­tin für Urhe­ber- und Medi­en­recht Karin Scheel-Pötzl von der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf das Urteil des BGH vom 6. Okto­ber 2009, Az.: VI ZR 314/08 und VI ZR 315/08.


Die Klä­ger sind min­der­jäh­ri­ge Kin­der von Franz Becken­bau­er. 2007 erschie­nen in ver­schie­de­nen Zeit­schrif­ten aus dem Ver­lag der Beklag­ten Abbil­dun­gen, die die Klä­ger jeweils mit bei­den Eltern oder einem Eltern­teil zei­gen. Auf Ver­lan­gen der Klä­ger hat die Beklag­te bezüg­lich der Bil­der teil­wei­se Unter­las­sungs­ver­pflich­tungs­er­klä­run­gen abge­ge­ben. Mit der vor­lie­gen­den Kla­ge erstre­ben die Klä­ger eine Ver­ur­tei­lung der Beklag­ten dahin, jeg­li­che Ver­öf­fent­li­chung von Bil­dern, die die Klä­ger zei­gen, zu unter­las­sen.


Das Land­ge­richt Ham­burg hat ein bis zur Voll­jäh­rig­keit der Klä­ger gel­ten­des Unter­las­sungs­ge­bot aus­ge­spro­chen. Das Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg hat die dage­gen gerich­te­ten Beru­fun­gen der Beklag­ten zurück­ge­wie­sen. Die Revi­sio­nen der Beklag­ten hat­ten Erfolg. Der u. a. für das Per­sön­lich­keits­recht zustän­di­ge VI. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat die Kla­gen abge­wie­sen, betont Scheel-Pötzl.


Ein umfas­sen­der Unter­las­sungs­an­spruch, wie er hier gel­tend gemacht ist, steht einer Per­son auch dann nicht zu, wenn ihr Recht am eige­nen Bild durch Bericht­erstat­tung der Pres­se mehr­fach ver­letzt wur­de. Für die Fra­ge der Zuläs­sig­keit einer Bild­ver­öf­fent­li­chung bedarf es in jedem Ein­zel­fall einer Abwä­gung zwi­schen dem Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se der Öffent­lich­keit und dem Inter­es­se des Abge­bil­de­ten an dem Schutz sei­ner Pri­vat­sphä­re. Eine sol­che Inter­es­sen­ab­wä­gung kann nicht in Bezug auf Bil­der vor­ge­nom­men wer­den, die noch gar nicht bekannt sind und bei denen ins­be­son­de­re offen bleibt, in wel­chem Kon­text sie ver­öf­fent­licht wer­den. Etwas ande­res gilt nicht des­halb, weil die Klä­ger noch min­der­jäh­rig sind. Zwar müs­sen Kin­der und Jugend­li­che gegen die Pres­se­be­richt­erstat­tung in stär­ke­rem Umfang geschützt wer­den als Erwach­se­ne. Doch ist für die Zuläs­sig­keit einer Bild­ver­öf­fent­li­chung auch bei Min­der­jäh­ri­gen eine Abwä­gung zwi­schen deren Per­sön­lich­keits­recht und der Äuße­rungs- und Pres­se­frei­heit erfor­der­lich. Ein Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se der Öffent­lich­keit ist auch bei Kin­dern und Jugend­li­chen bei viel­fäl­ti­gen, im Ein­zel­nen nicht vor­her­seh­ba­ren Lebens­sach­ver­hal­ten denk­bar. Ein Gene­ral­ver­bot, wel­ches ins­be­son­de­re bei jün­ge­ren Kin­dern bis zu deren Voll­jäh­rig­keit vie­le Jah­re gel­ten wür­de, wird dem nicht gerecht und stellt eine nicht hin­nehm­ba­re Beein­träch­ti­gung der Äuße­rungs- und Pres­se­frei­heit (Art. 5 Abs. 1 GG) dar.


Scheel-Pötzl emp­fahl, das Urteil zu beach­ten und bei ähn­li­chen Fäl­len auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len und ver­wies in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  -


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