(Kiel) Flug­ge­sell­schaf­ten kön­nen aus uner­laub­ter Hand­lung und Wett­be­werbs­recht gegen Flug­hä­fen vor­ge­hen, die Kon­kur­ren­ten Bei­hil­fen gewäh­ren.

Das, so der Frank­fur­ter Rechts­an­walt und Fach­an­walt für gewerb­li­chen Rechts­schutz Dr. Jan Felix Ise­le von der Kanz­lei DANCKELMANN UND KERST, Mit­glied in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, hat am 10.02.2011 der u. a. für das Wett­be­werbs­recht zustän­di­ge I. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs ent­schie­den. (Az.: I ZR 213/08 — Flug­ha­fen Lübeck und I ZR 136/09 – Flug­ha­fen Frank­furt-Hahn)

Im Fall I ZR 136/09 wen­det sich die Luft­han­sa gegen Kon­di­tio­nen, die der Flug­ha­fen Frank­furt-Hahn der Flug­ge­sell­schaft Ryan­air ein­ge­räumt hat, und die sie für unzu­läs­si­ge staat­li­che Bei­hil­fen hält. Auf­grund der Betei­li­gungs­ver­hält­nis­se ist der Flug­ha­fen ein öffent­li­ches Unter­neh­men, so dass in Betracht kommt, dem Staat das Han­deln des Flug­ha­fens zuzu­rech­nen. Die Luft­han­sa ver­langt Aus­kunft über die Ryan­air gewähr­ten Vor­tei­le und Unter­las­sung, Ryan­air “Mar­ke­ting Sup­port” oder sons­ti­ge Zuschüs­se zu gewäh­ren.

Land­ge­richt und Beru­fungs­ge­richt haben die Kla­ge abge­wie­sen. Das Beru­fungs­ge­richt hat ange­nom­men, es bestehe kei­ne Grund­la­ge für Ansprü­che der Klä­ge­rin gegen den Flug­ha­fen. Ins­be­son­de­re kom­me Art. 88 Abs. 3 S. 3 EGV (jetzt Art. 108 Abs. 3 S. 3 AEUV), nach dem die Mit­glied­staa­ten ohne Geneh­mi­gung der Kom­mis­si­on kei­ne Bei­hil­fe­maß­nah­men durch­füh­ren dür­fen, nicht als Anspruchs­grund­la­ge in Betracht. Ob der Flug­ha­fen tat­säch­lich Bei­hil­fen an Ryan­air gewährt habe, bedür­fe des­halb kei­ner Ent­schei­dung.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat das Urteil des Beru­fungs­ge­richts auf­ge­ho­ben, betont Dr. Ise­le.

Es kommt in Betracht, dass die Ansprü­che der Luft­han­sa auf delikts­recht­li­cher Grund­la­ge (§ 823 Abs. 2 BGB) begrün­det sind. Das bei­hil­fe­recht­li­che Durch­füh­rungs­ver­bot des Art. 108 Abs. 3 Satz 3 AEUV ist ein Schutz­ge­setz, das auch im Inter­es­se der Kon­kur­ren­ten des Bei­hil­fe­emp­fän­gers besteht. Dar­über hin­aus ist es auch eine Markt­ver­hal­tens­re­ge­lung i. S. des § 4 Nr. 11 UWG, so dass Ver­stö­ße gegen das Ver­bot wegen Rechts­bruchs unlau­ter sein kön­nen. Wer gegen das Durch­füh­rungs­ver­bot ver­stößt, kann daher delikts- und wett­be­werbs­recht­lich auf Unter­las­sung, Aus­kunft, Besei­ti­gung der Beein­träch­ti­gung und Scha­den­er­satz in Anspruch genom­men wer­den. Der wett­be­werbs­recht­li­che Anspruch ver­jährt aller­dings grund­sätz­lich in sechs Mona­ten (§ 11 UWG), wäh­rend für den Anspruch aus § 823 Abs. 2 BGB die Regel­ver­jäh­rungs­frist von drei Jah­ren gilt.

Nach der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on begrün­det das Durch­füh­rungs­ver­bot Rech­te der Ein­zel­nen, die von den natio­na­len Gerich­ten zu beach­ten sind. Das Ver­bot hat gera­de die Funk­ti­on, die Inter­es­sen der­je­ni­gen zu schüt­zen, die von der Wett­be­werbs­ver­zer­rung infol­ge der Bei­hil­fe betrof­fen sind.
Gewährt ein staat­li­cher Flug­ha­fen unter Ver­stoß gegen das Durch­füh­rungs­ver­bot einer Flug­ge­sell­schaft Bei­hil­fen, so kön­nen daher deren Kon­kur­ren­ten von dem Flug­ha­fen ver­lan­gen, die Bei­hil­fe zurück­zu­for­dern.

Das Beru­fungs­ge­richt hat nun­mehr zu prü­fen, ob die Ryan­air ein­ge­räum­ten Kon­di­tio­nen staat­li­che Bei­hil­fen sind, die der Kom­mis­si­on anzu­mel­den waren. Dabei wird es ins­be­son­de­re dar­auf ankom­men, ob die ent­spre­chen­den Hand­lun­gen des Flug­ha­fens dem Staat zure­chen­bar sind, ob ande­re Flug­ge­sell­schaf­ten die­sel­ben Kon­di­tio­nen wie Ryan­air erhal­ten konn­ten und ob sich der Flug­ha­fen wie ein pri­va­ter Eigen­tü­mer ver­hal­ten hat. Soll­te das Beru­fungs­ge­richt Bei­hil­fen fest­stel­len, darf es nicht dar­über ent­schei­den, ob sie geneh­migt wer­den kön­nen. Die­se Beur­tei­lung obliegt allein der Kom­mis­si­on. Die Kom­mis­si­on hat zwar bereits ein Bei­hil­fe­prüf­ver­fah­ren ein­ge­lei­tet. Das Ver­fah­ren vor dem Beru­fungs­ge­richt ist aber nicht aus­zu­set­zen, bis die Kom­mis­si­on eine Ent­schei­dung getrof­fen hat.

Im Par­al­lel­fall hat Air Ber­lin wegen Bei­hil­fen zuguns­ten von Ryan­air gegen den Flug­ha­fen Lübeck geklagt.

Rechts­an­walt Dr. Ise­le emp­fahl, die­se Ent­schei­dung und den Fort­gang zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  — ver­wies.

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