(Kiel)  Der u. a. für das Bank­recht zustän­di­ge XI. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat ent­schie­den, dass die Klau­sel über die Zah­lung einer monat­li­chen Gebühr für die Füh­rung des Dar­le­hens­kon­tos in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen einer Bank unwirk­sam ist.

Dar­auf ver­weist der Ham­bur­ger Rechts­an­walt Mat­thi­as W. Kroll, LL.M., Lei­ter des Fach­aus­schus­ses „Finanz­dienst­leis­tungs- und Ver­si­che­rungs­recht“ der DASV Deut­schen Anwalt- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e.V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 7. Juni 2011 — XI ZR 388/10.

Der Klä­ger des zugrun­de lie­gen­den Ver­fah­rens ist ein Ver­brau­cher­schutz­ver­band, der als qua­li­fi­zier­te Ein­rich­tung gemäß § 4 UKlaG ein­ge­tra­gen ist. Die Beklag­te ist eine Bank. Die Beklag­te ver­wen­det gegen­über ihren Kun­den in ihren All­ge­mei­nen Bedin­gun­gen für Dar­le­hens­ver­trä­ge eine Klau­sel, durch wel­che sie sich beim Abschluss von Dar­le­hens­ver­trä­gen die Bezah­lung einer monat­li­chen Gebühr für die Füh­rung des Dar­le­hens­kon­tos ver­spre­chen lässt.

Der Klä­ger ist der Ansicht, die­se Klau­sel sei wegen Ver­sto­ßes gegen § 307 Abs. 1 BGB unwirk­sam. Er nimmt die Beklag­te dar­auf in Anspruch, die Ver­wen­dung der Klau­sel gegen­über Pri­vat­kun­den zu unter­las­sen bzw. sich bei der Abwick­lung bestehen­der Ver­trä­ge mit Pri­vat­kun­den nicht hier­auf zu beru­fen. Zur Begrün­dung führt er unter ande­rem an, die Beklag­te erbrin­ge für die ver­ein­nahm­te Kon­to­füh­rungs­ge­bühr kei­ne Son­der­leis­tung, son­dern genü­ge mit der Füh­rung des Dar­le­hens­kon­tos ledig­lich ihrer Rech­nungs­le­gungs­pflicht, die ein­ge­hen­den Dar­le­hens­ra­ten ord­nungs­ge­mäß zu ver­bu­chen und den Kun­den dar­über zu infor­mie­ren. Die­se Leis­tung schul­de sie bereits auf­grund gesetz­li­cher oder ver­trag­li­cher Pflich­ten, wes­halb sie hier­für kein Ent­gelt ver­lan­gen kön­ne.

Der XI. Zivil­se­nat hat der Unter­las­sungs­kla­ge, die in bei­den Vor­in­stan­zen erfolg­los geblie­ben war, auf die Revi­si­on des Klä­gers statt­ge­ge­ben, so Kroll.

Zur Begrün­dung hat er aus­ge­führt, die ange­grif­fe­ne Klau­sel hal­te der gericht­li­chen Inhalts­kon­trol­le nicht stand:

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Beru­fungs­ge­richts han­de­le es sich bei der strei­ti­gen Gebüh­ren­klau­sel nicht um eine nach § 307 Abs. 3 Satz 1 BGB der Inhalts­kon­trol­le von vorn­her­ein ent­zo­ge­ne Preis­klau­sel. Eine sol­che lie­ge nach stän­di­ger höchst­rich­ter­li­cher Recht­spre­chung nur vor, wenn die betref­fen­de Gebühr den Preis für eine vom Klau­sel­ver­wen­der ange­bo­te­ne ver­trag­li­che Leis­tung fest­le­ge. Davon kön­ne hier jedoch kei­ne Rede sein. Die Kon­to­füh­rungs­ge­bühr die­ne nicht der Abgel­tung einer ver­trag­li­chen Gegen­leis­tung oder einer zusätz­li­chen Son­der­leis­tung der Bank. Die­se füh­re das Dar­le­hens­kon­to viel­mehr aus­schließ­lich zu eige­nen buch­hal­te­ri­schen bzw. Abrech­nungs­zwe­cken. Der Bank­kun­de hin­ge­gen, der sei­ne regel­mä­ßi­gen Zah­lungs­pflich­ten übli­cher­wei­se dem Kre­dit­ver­trag oder einem eigen­stän­di­gen Zins- und Til­gungs­plan ent­neh­men kön­ne, sei auf die Füh­rung eines geson­der­ten Dar­le­hens­kon­tos durch das Kre­dit­in­sti­tut im Regel­fall nicht ange­wie­sen. Etwas ande­res fol­ge vor­lie­gend auch nicht dar­aus, dass die Beklag­te ihren Kun­den am Ende eines Kalen­der­jah­res eine Zins- und Sal­den­be­stä­ti­gung zur Vor­la­ge bei der Finanz­ver­wal­tung ertei­le. Hier­mit las­se sich die ange­grif­fe­ne Gebühr allein schon des­halb nicht recht­fer­ti­gen, weil die Beklag­te nach dem ein­deu­ti­gen Wort­laut der strei­ti­gen Klau­sel das Ent­gelt nicht für die Ertei­lung der Jah­res­be­schei­ni­gung, son­dern aus­drück­lich zur Abgel­tung der Kon­to­füh­rung erhe­be.

Der hier­nach eröff­ne­ten Inhalts­kon­trol­le hal­te die Klau­sel nicht stand. Klau­seln, die es einem Kre­dit­in­sti­tut ermög­li­chen, Ent­gel­te für Tätig­kei­ten zu erhe­ben, die es — wie hier — im eige­nen Inter­es­se erbringt, hal­ten nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs der Inhalts­kon­trol­le nach § 307 Abs. 1 BGB nicht stand, weil sie mit wesent­li­chen Grund­ge­dan­ken der gesetz­li­chen Rege­lung, von der sie abwei­chen, nicht ver­ein­bar sind und die Kun­den ent­ge­gen den Gebo­ten von Treu und Glau­ben unan­ge­mes­sen benach­tei­li­gen. Soweit in ein­zel­nen Vor­schrif­ten des Preis­ord­nungs­rechts auch die Behand­lung von Kon­to­füh­rungs­ge­büh­ren gere­gelt wird, folgt hier­aus nichts ande­res. Denn die­se Vor­schrif­ten betref­fen allein die for­mel­le Art und Wei­se der Preis­an­ga­be im Ver­kehr, nicht aber die mate­ri­el­le Zuläs­sig­keit ein­zel­ner Preis­be­stand­tei­le.

Kroll riet, dies zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er  dazu u. a. auch auf die ent­spre­chend spe­zia­li­sier­ten Anwäl­te und Anwäl­tin­nen in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.

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Mat­thi­as W. Kroll, LL.M.
Rechtsanwalt/Master of Insuran­ce Law
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der DASV Deut­schen Anwalt- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e.V.


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