(Kiel) Der Bun­des­ge­richts­hof hat­te am 15.07.2009 dar­über zu ent­schei­den, ob ein Gas­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men eine bestimm­te Klau­sel in einem Son­der­kun­den­ver­trag ver­wen­den darf.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Rechts­an­walt Jens Klar­mann, Lan­des­re­gio­nal­lei­ter „Schles­wig-Hol­stein“ der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf das Urteil des Bun­de­ge­richts­hofs (BGH) vom 15.07.2009, Az.: VIII ZR 56/08.


Die Klau­sel lau­tet:


k. [= Bekl.] darf den Fest­preis und den Ver­brauchs­preis ent­spre­chend § 5 Abs. 2 Gas­GVV anpas­sen. Es han­delt sich um eine ein­sei­ti­ge Leis­tungs­be­stim­mung, die wir nach bil­li­gem Ermes­sen aus­üben wer­den. Soweit sich der Fest­preis oder der Ver­brauchs­preis ändert, kön­nen Sie den Ver­trag ent­spre­chend § 20 Gas­GVV kün­di­gen.”


Der kla­gen­de Ver­brau­cher­schutz­ver­band hat von der Beklag­ten mit der Begrün­dung, die Klau­sel benach­tei­li­ge die Kun­den der Beklag­ten unan­ge­mes­sen, die Unter­las­sung der Ver­wen­dung der vor­for­mu­lier­ten Preis­an­pas­sungs­klau­sel ver­langt. Das Land­ge­richt hat die Kla­ge abge­wie­sen. Das Beru­fungs­ge­richt hat die dage­gen gerich­te­te Beru­fung zurück­ge­wie­sen.


Die Revi­si­on des Klä­gers hat­te Erfolg, betont Klar­mann.


Der VIII. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat ent­schie­den, dass der Ver­brau­cher­schutz­ver­band gemäß § 1 UKlaG von der Beklag­ten ver­lan­gen kann, die Ver­wen­dung der bean­stan­de­ten Preis­an­pas­sungs­klau­sel zu unter­las­sen, weil sie die Son­der­kun­den der Beklag­ten ent­ge­gen den Gebo­ten von Treu und Glau­ben unan­ge­mes­sen benach­tei­ligt und daher gemäß § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB unwirk­sam ist.


Der Senat hat aus­ge­führt, dass aller­dings § 5 Abs. 2 der Gas­grund­ver­sor­gungs­ver­ord­nung (Gas­GVV) eben­so wie die Vor­gän­ger­re­ge­lung des § 4 Abs. 1 und 2 der Ver­ord­nung über All­ge­mei­ne Bedin­gun­gen für die Gas­ver­sor­gung von Tarif­kun­den (AVB­GasV) dem Gas­ver­sor­ger im Bereich der Grund­ver­sor­gung (Tarif­kun­den­ver­hält­nis) ein gesetz­li­ches Preis­än­de­rungs­recht zuer­kennt. Er hat wei­ter ent­schie­den, dass eine Preis­an­pas­sungs­klau­sel, die das im Bereich der Grund­ver­sor­gung bestehen­de gesetz­li­che Preis­än­de­rungs­recht nach § 5 Abs. 2 Gas­GVV unver­än­dert in einen Norm­son­der­kun­den­ver­trag über­nimmt, also davon nicht zum Nach­teil des Kun­den abweicht, einer Inhalts­kon­trol­le stand­hält. § 5 Abs. 2 Gas­GVV kommt eben­so wie § 4 Abs. 1 und 2 AVB­GasV für Son­der­kun­den­ver­trä­ge mit Haus­halts­kun­den “Leit­bild­funk­ti­on im wei­te­ren Sin­ne” zu. Der Gesetz­ge­ber des AGB-Geset­zes (§ 23 Abs. 2 Nr. 2 AGBG, jetzt § 310 Abs. 2 Satz 1 BGB) woll­te es den Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men frei­stel­len, ihre All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen mit Son­der­ab­neh­mern ent­spre­chend den All­ge­mei­nen Ver­sor­gungs­be­din­gun­gen aus­zu­ge­stal­ten, weil Son­der­ab­neh­mer, auch wenn sie Ver­brau­cher sind, kei­nes stär­ke­ren Schut­zes bedür­fen als Tarif­ab­neh­mer.


Der Senat ist jedoch anders als das Beru­fungs­ge­richt der Auf­fas­sung, dass die bean­stan­de­te Preis­an­pas­sungs­re­ge­lung der Beklag­ten – jeden­falls bei der gebo­te­nen kun­den­feind­lichs­ten Aus­le­gung — § 5 Abs. 2 Gas­GVV inhalt­lich nicht in vol­lem Umfang ent­spricht und des­halb gemäß § 307 Abs. 1 BGB unwirk­sam ist. Denn die Klau­sel ent­hält — anders als § 5 Abs. 2 Gas­GVV in sei­nem unmit­tel­ba­ren Anwen­dungs­be­reich – nur ein Preis­an­pas­sungs­recht der Beklag­ten und nicht zugleich auch die Ver­pflich­tung, gefal­le­nen Gas­be­zugs­kos­ten nach glei­chen Maß­stä­ben wie gestie­ge­nen Kos­ten Rech­nung zu tra­gen.


Die For­mu­lie­rung (“darf anpas­sen”) lässt eine Aus­le­gung zu, nach der die Beklag­te ledig­lich berech­tigt, nicht aber ver­pflich­tet ist, zu bestimm­ten Zeit­punk­ten eine Preis­an­pas­sung nach glei­chen Maß­stä­ben unab­hän­gig davon vor­zu­neh­men, in wel­che Rich­tung sich die Gas­be­zugs­kos­ten seit Ver­trags­schluss oder seit der letz­ten Preis­an­pas­sung ent­wi­ckelt haben. Etwas ande­res ergibt sich auch nicht mit der erfor­der­li­chen Ein­deu­tig­keit aus dem Ver­weis auf § 5 Abs. 2 Gas­GVV und die ein­sei­ti­ge Leis­tungs­be­stim­mung nach bil­li­gem Ermes­sen.


Die Ein­räu­mung eines Kün­di­gungs­rechts ent­spre­chend § 20 Gas­GVV ist nicht geeig­net, die unan­ge­mes­se­ne Benach­tei­li­gung durch die Preis­an­pas­sungs­klau­sel aus­zu­glei­chen, weil dem Grund­ver­sor­gungs­kun­den die­ses Kün­di­gungs­recht selbst dann zusteht, wenn eine Preis­an­pas­sung in unmit­tel­ba­rer Anwen­dung des § 5 Abs. 2 Gas­GVV erfolgt. Nach dem Leit­bild der Gas­grund­ver­sor­gungs­ver­ord­nung steht daher schon eine für sich genom­men ange­mes­se­ne Preis­an­pas­sungs­re­ge­lung in untrenn­ba­rem Zusam­men­hang mit dem Kün­di­gungs­recht.


Klar­mann emp­fahl, die­ses Urteil zu beach­ten und ggfs. recht­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.


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