(Kiel) Der Bun­des­ge­richts­hof (BGH)  hat am 30.04.2009 ent­schie­den, dass ein Daten­bank­her­stel­ler ver­bie­ten kann, Ände­run­gen sei­ner Daten­bank in einem Daten­ab­gleich zu erfas­sen und für ein Wett­be­werbs­pro­dukt zu nut­zen. (Az.: I ZR 191/05 – Elek­tro­ni­scher Zoll­ta­rif)

Dar­auf ver­weist die Ham­bur­ger Fach­an­wäl­tin für Urhe­ber- und Medi­en­recht Karin Scheel-Pötzl von der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf die soeben ver­öf­fent­lich­te Pres­se­mit­tei­lung des BGH.


In dem vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall ver­treibt die Klä­ge­rin den elek­tro­ni­schen Zoll­ta­rif (EZT), der auf der Grund­la­ge der Daten­bank TARIC der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on die für die elek­tro­ni­sche Zollan­mel­dung in der EU erfor­der­li­chen Tari­fe und Daten ent­hält. Die Klä­ge­rin bie­tet den EZT online und – in abge­wan­del­ter Dar­stel­lung – auf der CD-ROM “Tari­fe” an. Die Beklag­ten ver­trei­ben eben­falls eine Zusam­men­stel­lung der für die elek­tro­ni­sche Zollan­mel­dung erfor­der­li­chen Tari­fe und Daten. In den Jah­ren 2001 und 2002 nahm die Klä­ge­rin bewusst unrich­ti­ge Daten in ihre CD-ROM “Tari­fe” auf, die sich – eben­so wie eini­ge Pfle­ge­feh­ler – danach auch im Pro­dukt der Beklag­ten fan­den. Die Klä­ge­rin sieht in der Über­nah­me der Daten eine Ver­let­zung ihrer Daten­bank­her­stel­ler­rech­te an den Daten­ban­ken EZT und “Tari­fe”. Sie will den Beklag­ten ver­bie­ten las­sen, ohne ihre Zustim­mung die jeweils aktu­el­le Fas­sung ihrer Daten­ban­ken aus­zu­le­sen, um mit­tels eines Daten­ab­gleichs ein Kon­kur­renz­pro­dukt zu aktua­li­sie­ren. Wäh­rend das Land­ge­richt die Kla­ge abge­wie­sen hat, hat ihr das Ober­lan­des­ge­richt hin­sicht­lich der Daten­bank “Tari­fe” statt­ge­ge­ben.
Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts bestä­tigt, betont Scheel-Pötzl.


Der Klä­ge­rin stün­den Daten­bank­her­stel­ler­rech­te an der Daten­bank “Tari­fe” zu, da sie nicht als amt­li­ches Werk gemein­frei sei und mit erheb­li­chen Inves­ti­tio­nen stän­dig von der Klä­ge­rin aktua­li­siert wer­de. Das Daten­bank­her­stel­ler­recht hät­ten die Beklag­ten zwar nicht schon ver­letzt, indem sie die CD-ROM “Tari­fe” auf der Fest­plat­te eines Com­pu­ters spei­cher­ten. Denn dies sei von einer Ein­wil­li­gung der Klä­ge­rin gedeckt, weil es zur bestim­mungs­ge­mä­ßen Nut­zung der CD-ROM erfor­der­lich sei. Eine Schutz­rechts­ver­let­zung der Klä­ge­rin lie­ge aber vor, weil die Beklag­ten per Daten­ab­gleich der CD-ROM “Tari­fe” Ände­rungs­da­ten ent­nom­men und zur Aktua­li­sie­rung ihres Wett­be­werbs­pro­dukts ver­wen­det hät­ten. Die vom Beru­fungs­ge­richt fest­ge­stell­te Über­nah­me ein­zel­ner Daten aus der CD-ROM der Klä­ge­rin in das Pro­dukt der Beklag­ten set­ze not­wen­dig einen umfas­sen­den Daten­ab­gleich vor­aus. Schon die ein­ma­li­ge Ent­nah­me aller geän­der­ten Daten aus einer bestimm­ten Ver­si­on der CD-ROM – durch Erstel­lung einer (ggfls. nur zwi­schen­ge­spei­cher­ten) Ände­rungs­lis­te oder unmit­tel­ba­re Über­nah­me – bezie­he sich auf einen qua­li­ta­tiv wesent­li­chen Teil der Daten­bank. Des­halb ste­he dem Anspruch der Klä­ge­rin nicht ent­ge­gen, dass der recht­mä­ßi­ge Benut­zer qua­li­ta­tiv oder quan­ti­ta­tiv unwe­sent­li­che Tei­le einer öffent­lich zugäng­li­chen Daten­bank zu belie­bi­gen Zwe­cken ent­neh­men kön­ne.


Hin­sicht­lich der Daten­bank EZT hat der Bun­des­ge­richts­hof die Abwei­sung der Kla­ge bestä­tigt, weil nicht fest­ge­stellt war, dass die Beklag­ten die­se Daten­bank für einen Daten­ab­gleich ver­wen­det hat­ten.


Scheel-Pötzl emp­fahl, das Urteil zu beach­ten und bei ähn­li­chen Fäl­len auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len und ver­wies in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  -


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