(Kiel) Der u. a. für das Mar­ken­recht zustän­di­ge I. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat­te am 15. Juli 2010 erneut dar­über zu befin­den, ob aus der für Scho­ko­la­den­wa­ren ein­ge­tra­ge­nen drei­di­men­sio­na­len Mar­ke “Lindt-Gold­ha­se” der Ver­trieb ähn­li­cher Scho­ko­la­den­ha­sen unter­sagt wer­den kann.

Dar­auf ver­weist der Frank­fur­ter Rechts­an­walt und Fach­an­walt für gewerb­li­chen Rechts-schutz Dr. Jan Felix Ise­le von der Kanz­lei DANCKELMANN UND KERST, Mit­glied in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf das Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 15. Juli 2010 – I ZR 57/08.

Die am 6. Juli 2001 ein­ge­tra­ge­ne Mar­ke besteht aus einem in Gold­fo­lie ein­ge­wi­ckel­ten sit-zen­den Scho­ko­la­den­ha­sen mit rotem Hals­band mit Schlei­fe und Glöck­chen sowie dem Auf-druck “Lindt GOLDHASE”. Der Scho­ko­la­den­her­stel­ler Lindt & Sprüng­li wen­det sich mit der auf Unter­las­sung, Aus­kunfts­er­tei­lung und Scha­dens­er­satz gerich­te­ten Kla­ge gegen die Hers-tel­lung und den Ver­trieb eines sei­ner Ansicht nach mit sei­ner Mar­ke ver­wech­sel­ba­ren Scho-kola­den­ha­sen der Fir­ma Rie­ge­lein.

In einem ers­ten Revi­si­ons­ver­fah­ren hat­te der Bun­des­ge­richts­hof im Okto­ber 2006 das die Kla­ge abwei­sen­de Urteil des Ober­lan­des­ge­richts Frank­furt a. M. auf­ge­ho­ben und die Sache zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Beru­fungs­ge­richt zurück­ver­wie­sen (Urt. v. 26.10.2006 – I ZR 37/04. Im zwei­ten Beru­fungs­ver­fah­ren hat das Ober­lan­des­ge­richt wie­de-rum eine Ver­wechs­lungs­ge­fahr zwi­schen den bei­den Scho­ko­la­den­ha­sen ver­neint, weil die sich gegen­über­ste­hen­den Gestal­tun­gen sei­ner Ansicht nach nicht hin­rei­chend ähn­lich sei­en.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat auch die­se Ent­schei­dung auf­ge­ho­ben und die Sache an das Ober­lan­des­ge­richt zurück­ver­wie­sen, betont Dr. Ise­le.

In der Ver­hand­lung vor dem Ober­lan­des­ge­richt war ein Exem­plar des Rie­ge­lein-Hasen vor-gelegt wor­den. Da es dem Ober­lan­des­ge­richt auf die genaue Farb­ge­bung ankam, die sich aus den bei den Akten befind­li­chen Foto­gra­fi­en nicht zuver­läs­sig ergab, hat­te die Klä­ge­rin ihren Antrag umge­stellt und auf einen “Scho­ko­la­den­ha­sen gemäß dem in der Sit­zung … über­reich­ten Exem­plar” bezo­gen. In sei­ner die Ver­wechs­lungs­ge­fahr ver­nei­nen­den Ent-schei­dung hat­te sich das Ober­lan­des­ge­richt gera­de auch auf die Far­be der Folie gestützt; der zu den Akten gereich­te Rie­ge­lein-Hase zeich­ne sich durch eine eher bron­ze­far­be­ne Folie aus, die sich deut­lich von der leuch­ten­den Gold­fo­lie des Lindt-Hasen unter­schei­de. Der Bun­des­ge­richts­hof sah sich nicht in der Lage, die­se Beur­tei­lung zu über­prü­fen. Denn der in der Ver­hand­lung vor dem Ober­lan­des­ge­richt über­reich­te Rie­ge­lein-Hase befand sich nicht mehr bei den zum BGH gelang­ten Akten; auch eine Nach­for­schung beim Ober­lan­des­ge­richt war erfolg­los geblie­ben. Zwi­schen den Par­tei­en bestand auch kei­ne Einig­keit, ob ein im Re-visi­ons­ver­fah­ren vor­ge­leg­ter Rie­ge­lein-Hase mit dem ver­lo­ren­ge­gan­ge­nen Hasen in der Farb­ge­bung über­ein­stimm­te.

Die­ser Umstand war aller­dings nicht allein für die Auf­he­bung des Beru­fungs­ur­teils entsch­ei-dend: Nach Ansicht des BGH kann die Ver­wechs­lungs­ge­fahr zwi­schen den bei­den Scho­ko-laden­ha­sen nicht mit der Begrün­dung des Beru­fungs­ge­richts ver­neint wer­den. Den sich aus den ein­zel­nen Bestand­tei­len (Form und Far­be der Hasen sowie den wei­te­ren Gestal­tungs-merk­ma­len wie rotes Bänd­chen mit Glöck­chen, auf­ge­mal­tes Gesicht) zusam­men­set­zen­den Gesamt­ein­druck der bei­den Gestal­tun­gen hat das Beru­fungs­ge­richt nicht zutref­fend ermit­telt. Ins­be­son­de­re hat es die Ergeb­nis­se einer Ver­kehrs­be­fra­gung nicht rechts­feh­ler­frei berück-sich­tigt. Die Ver­kehrs­be­fra­gung betraf einen nur in Gold­fo­lie ein­ge­wi­ckel­ten, mit kei­ner Schrift und kei­nen auf­ge­mal­ten Gestal­tungs­merk­ma­len ver­se­he­nen sit­zen­den Lindt-Hasen. Auf die Fra­ge nach der betrieb­li­chen Her­kunft hat­te ein Groß­teil der Befrag­ten Lindt & Sprüng­li genannt. Das Beru­fungs­ge­richt hat­te dar­aus geschlos­sen, dass sich die gestei­ger­te Kenn­zeich­nungs­kraft des Lindt-Hasen auch aus Form und Far­be her­lei­tet. Vor die­sem Hin-ter­grund hat der BGH bean­stan­det, dass das Ober­lan­des­ge­richt sei­ne Auf­fas­sung nicht hin-rei­chend begrün­det hat, dass den sons­ti­gen, sich bei den bei­den Hasen unter­schei­den­den Gestal­tungs­merk­ma­len eine maß­geb­li­che Bedeu­tung zukommt.

Rechts­an­walt Dr. Ise­le emp­fahl, das Urteil zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen beim Mar­ken­recht auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  — ver­wies.

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