(Kiel) Der I. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat erneut ent­schie­den, dass die Wer­bung mit der Abbil­dung einer pro­mi­nen­ten Per­son auf dem Titel­blatt einer Zei­tung aus­nahms­wei­se auch ohne eine die­se Abbil­dung recht­fer­ti­gen­de Bericht­erstat­tung zuläs­sig sein kann, wenn sie dem Zweck dient, die Öffent­lich­keit über das Aus­se­hen und die Aus­rich­tung einer neu­en Zei­tung zu infor­mie­ren.

Dar­auf ver­weist die Ham­bur­ger Fach­an­wäl­tin für Urhe­ber- und Medi­en­recht Karin Scheel-Pötzl von der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf das Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 18. Novem­ber 2010 — I ZR 119/08 — Markt & Leu­te.

Der Klä­ger ist Gün­ther Jauch. Die Beklag­te beab­sich­tig­te, ab Sep­tem­ber 2006 ein Maga­zin mit dem Titel “Markt & Leu­te” als gedruck­te Zei­tung und online im Inter­net anzu­bie­ten. Sie erstell­te eine Null­num­mer der Zei­tung, die ledig­lich in der Ein­füh­rungs­wer­bung für das Maga­zin ver­wen­det, aber nicht zum Kauf ange­bo­ten wer­den soll­te. Auf der Titel­sei­te der Null­num­mer vom 6. Juli 2006 befand sich unter dem Über­schrift “Berlin/Hochzeit” und dem Titel “Jauchs Hoch­zeit nicht völ­lig tabu” ein Bericht dar­über, dass das Ber­li­ner Kam­mer­ge­richt das vom Klä­ger erwirk­te Ver­bot, über sei­ne bevor­ste­hen­de Hoch­zeit — sie fand am 7. Juli 2006 statt — zu berich­ten, vor­läu­fig auf­ge­ho­ben habe. Die­ser Bericht ist mit einem Por­traitfo­to des Klä­gers bebil­dert. Die Beklag­te warb im Inter­net und in Zei­tungs­an­zei­gen mit Abbil­dun­gen die­ser Titel­sei­te für das Maga­zin. Da die Titel­sei­te nur unvoll­stän­dig abge­bil­det war, waren zwar der Name und das Por­traitfo­to des Klä­gers, aber nur ein Teil des Tex­tes des dazu­ge­hö­ri­gen Arti­kels zu erken­nen. Die Beklag­te stell­te ihr Vor­ha­ben, das Maga­zin auf den Markt zu brin­gen, bereits vor dem Erschei­nen einer Erst­aus­ga­be ein.

Der Klä­ger ist der Ansicht, die Ver­wen­dung sei­nes Bild­nis­ses und Namens in der Wer­bung für das Maga­zin, die ohne sei­ne Ein­wil­li­gung erfolg­te, ver­let­ze sein Recht am eige­nen Bild und Namen. Er hat die Beklag­te zur Vor­be­rei­tung eines Scha­dens­er­satz­an­spruchs auf Aus­kunfts­er­tei­lung in Anspruch genom­men. Das Land­ge­richt hat die Kla­ge abge­wie­sen. Das Beru­fungs­ge­richt hat dem Aus­kunfts­an­spruch statt­ge­ge­ben.

Auf die Revi­si­on der Beklag­ten hat der Bun­des­ge­richts­hof die Ent­schei­dung des Beru­fungs­ge­richts auf­ge­ho­ben und das Urteil des Land­ge­richts wie­der­her­ge­stellt, so betont Scheel-Pötzl.

Die Prü­fung, ob die in der Wer­be­kam­pa­gne der Beklag­ten ver­wen­de­te Foto­gra­fie des Klä­gers als Bild­nis aus dem Bereich der Zeit­ge­schich­te i.S. von § 23 Abs. 1 Nr. 1 KUG ohne sei­ne Ein­wil­li­gung ver­brei­tet wer­den durf­te, erfor­dert — so der BGH — eine Abwä­gung zwi­schen dem Inter­es­se des Klä­gers am Schutz sei­ner Per­sön­lich­keit und dem von der Beklag­ten wahr­ge­nom­me­nen Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se der Öffent­lich­keit. Der Ein­griff in das Per­sön­lich­keits­recht durch die Abbil­dung eines Por­trät­fo­tos des Klä­gers war hier ver­gleichs­wei­se gering­fü­gig, weil die Beklag­te damit ledig­lich die Auf­merk­sam­keit der Wer­be­adres­sa­ten auf ihre Zei­tung gelenkt hat, ohne den Wer­be­wert oder das Image des Klä­gers dar­über hin­aus aus­zu­nut­zen oder sein Anse­hen zu beschä­di­gen. Die Beklag­te kann sich dem­ge­gen­über auf das vom Grund­recht der Pres­se­frei­heit geschütz­te Inter­es­se beru­fen, die Öffent­lich­keit mit der Abbil­dung einer Titel­sei­te über die Gestal­tung und den Inhalt ihres geplan­ten Maga­zins zu infor­mie­ren. Bei der Inter­es­sen­ab­wä­gung kommt dem Umstand, dass der in der Wer­bung abge­bil­de­te Arti­kel über den Klä­ger in dem Maga­zin tat­säch­lich nicht erschie­nen ist und auch gar nicht hat erschei­nen sol­len, kei­ne ent­schei­den­de Bedeu­tung zu.

Der BGH hat sei­ne Auf­fas­sung bekräf­tigt, so Scheel-Pötzl. dass die Pres­se­frei­heit über­mä­ßig ein­ge­schränkt wer­de , wenn ein Ver­lag, der für eine künf­tig erschei­nen­de Zei­tung in zuläs­si­ger Wei­se mit der Abbil­dung einer bei­spiel­haf­ten Titel­sei­te wirbt, ver­pflich­tet wäre, Bei­trä­ge zu The­men zu ver­öf­fent­li­chen, die zum Zeit­punkt des Beginns der Wer­be­kam­pa­gne aktu­ell waren, zum Zeit­punkt des Erschei­nens der Erst­aus­ga­be aber mög­li­cher­wei­se über­holt sind (BGH, Urteil vom 26. Okto­ber 2009 — I ZR 65/07, GRUR 2010, 546 — Der strau­cheln­de Lieb­ling). 

Scheel-Pötzl emp­fahl, dies und einen etwai­gen Fort­gang zu beach­ten und bei ähn­li­chen Fäl­len auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len und ver­wies in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  -

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