(Kiel) Der u. a. für das Wett­be­werbs­recht zustän­di­ge I. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) hat­te am 09.07.2009 über die Zuläs­sig­keit einer Zusam­men­ar­beit zwi­schen einem Augen­arzt aus der Regi­on Han­no­ver und einem Opti­ker aus dem Groß­raum Düs­sel­dorf zu ent­schei­den.

Dar­auf ver­weist die Ham­bur­ger Fach­an­wäl­tin für Urhe­ber- und Medi­en­recht Karin Scheel-Pötzl von der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf die soeben ver­öf­fent­lich­te Mit­tei­lung des BGH vom 09.07.2009, (Az.: I ZR 13/07 – Bril­len­ver­sor­gung).
Der beklag­te Augen­arzt bie­tet Pati­en­ten an, sich in sei­ner Pra­xis unter ca. 60 Mus­ter­bril­len­fas­sun­gen des Opti­kers eine Fas­sung aus­zu­su­chen. Der Beklag­te über­mit­telt dann sei­ne Mess­ergeb­nis­se und die Bril­len­ver­ord­nung dem Opti­ker, der die fer­ti­ge Bril­le ent­we­der direkt an den Pati­en­ten oder auf des­sen Wunsch in die Pra­xis des Beklag­ten lie­fert. Dort wird der Sitz der Bril­le kon­trol­liert und ggf. kor­ri­giert. Der Beklag­te hat vor­ge­tra­gen, er bie­te die Bril­len­ver­mitt­lung nur in Aus­nah­me­fäl­len alten, geh­be­hin­der­ten oder sol­chen Pati­en­ten an, die an bestimm­ten Erkran­kun­gen lit­ten oder schlech­te Erfah­run­gen mit orts­an­säs­si­gen Opti­kern gemacht hät­ten.


Nach Ansicht der Klä­ge­rin, der Zen­tra­le zur Bekämp­fung unlau­te­ren Wett­be­werbs, ver­stößt der Beklag­te mit die­sem Ver­hal­ten gegen § 3 Abs. 2 und § 34 Abs. 5 der ärzt­li­chen Berufs­ord­nung (BOÄ). Das Land­ge­richt Han­no­ver hat­te der Unter­las­sungs­kla­ge statt­ge­ge­ben. Das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le hat­te sie abge­wie­sen. Die Revi­si­on der Klä­ge­rin war teil­wei­se erfolg­reich und führ­te zur Zurück­ver­wei­sung der Sache an das Beru­fungs­ge­richt, betont Scheel-Pötzl.


§ 3 Abs. 2 und § 34 Abs. 5 BOÄ sind Markt­ver­hal­tens­re­ge­lun­gen, deren Ver­let­zung auch wett­be­werbs­recht­li­che Unter­las­sungs­an­sprü­che begrün­den kann. Die Klä­ge­rin kann dem Beklag­ten aller­dings nicht all­ge­mein ver­bie­ten, Pati­en­ten an einen bestimm­ten Opti­ker zu ver­wei­sen oder von die­sem ange­fer­tig­te Bril­len in sei­ner Pra­xis anzu­pas­sen und abzu­ge­ben. Denn § 34 Abs. 5 BOÄ gestat­tet die Ver­wei­sung, wenn dafür ein hin­rei­chen­der (nicht not­wen­dig medi­zi­ni­scher) Grund besteht. Nach § 3 Abs. 2 BOÄ ist die Anpas­sung und Abga­be einer Bril­le durch einen Augen­arzt zuläs­sig, wenn sie not­wen­di­ger Bestand­teil der ärzt­li­chen The­ra­pie ist.


Das Beru­fungs­ge­richt hat­te ange­nom­men, es lie­ge dar­in ein hin­rei­chen­der Grund für die Ver­wei­sung eines Pati­en­ten an einen weit ent­fern­ten Opti­ker, dass Opti­ker die Seh­schär­fe selbst bestim­men und die dann ange­fer­tig­te Bril­le von der Bril­len­ver­ord­nung abwei­chen kann. Nach die­ser Ansicht könn­ten Augen­ärz­te Pati­en­ten unbe­schränkt an bestimm­te Opti­ker ver­wei­sen. Der BGH ist dem nicht gefolgt. Der Augen­arzt kann auf ande­re Wei­se ver­hin­dern, dass der Opti­ker Bril­len­glä­ser her­stellt, die in der Stär­ke von der ärzt­li­chen Ver­sor­gung abwei­chen. Fol­ge man dem Ober­lan­des­ge­richt, kom­me dem Ver­wei­sungs­ver­bot über­haupt kei­ne Bedeu­tung mehr zu, weil die Mög­lich­keit nie­mals aus­ge­schlos­sen wer­den kön­ne, dass der Opti­ker von der Ver­ord­nung abwei­chen­de Glä­ser her­stellt.


Die Klä­ge­rin hat gel­tend gemacht, dass bereits die von dem Beklag­ten vor­ge­leg­ten Erklä­run­gen sei­ner Pati­en­ten kei­ne hin­rei­chen­den Grün­de für eine Ver­wei­sung an einen bestimm­ten Opti­ker erken­nen lie­ßen. Danach fin­den es die meis­ten Pati­en­ten ledig­lich beque­mer, alle Leis­tun­gen “aus einer Hand” zu erhal­ten. Soweit sich ein­zel­ne Pati­en­ten auf schlech­te Erfah­run­gen mit einem ört­li­chen Opti­ker beru­fen, wird nicht deut­lich, wes­halb nicht die Diens­te ande­rer ört­li­cher Opti­ker in Anspruch genom­men wer­den konn­ten.


Der BGH konn­te auf der Grund­la­ge der Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts auch nicht anneh­men, dass der Beklag­te nur dann Bril­len abge­ge­ben und ange­passt hat, wenn dies not­wen­di­ger Bestand­teil sei­ner ärzt­li­chen The­ra­pie i. S. von § 3 Abs. 2 BOÄ war. Auch inso­fern konn­te die Klä­ge­rin auf die vom Beklag­ten vor­ge­leg­ten Pati­en­ten­be­schei­ni­gun­gen ver­wei­sen, denen zu ent­neh­men ist, dass ein­zel­ne Pati­en­ten aus Bequem­lich­keit alle Leis­tun­gen aus einer Hand erhal­ten möch­ten. Dies macht die Anpas­sung und Abga­be der Bril­le noch nicht zum Bestand­teil ärzt­li­cher The­ra­pie.


Da das Beru­fungs­ge­richt zu die­sem Par­tei­vor­brin­gen noch kei­ne Fest­stel­lun­gen getrof­fen hat, wur­de die Sache an das Beru­fungs­ge­richt zurück­ver­wie­sen.


Die ent­spre­chen­den Bestim­mun­gen lau­ten:


§ 3 Abs. 2 BOÄ der Ärz­te­kam­mer Nie­der­sa­chen


Dem Arzt ist unter­sagt, im Zusam­men­hang mit der Aus­übung sei­ner ärzt­li­chen Tätig­keit Waren und ande­re Gegen­stän­de abzu­ge­ben oder unter sei­ner Mit­wir­kung abge­ben zu las­sen sowie gewerb­li­che Dienst­leis­tun­gen zu erbrin­gen oder erbrin­gen zu las­sen, soweit nicht die Abga­be des Pro­dukts oder die Dienst­leis­tung wegen ihrer Beson­der­hei­ten not­wen­di­ger Bestand­teil der ärzt­li­chen The­ra­pie sind.


§ 34 Abs. 5 BOÄ der Ärz­te­kam­mer Nie­der­sach­sen


Dem Arzt ist nicht gestat­tet, Pati­en­ten ohne hin­rei­chen­den Grund an bestimm­te Apo­the­ken, Geschäf­te oder Anbie­ter von gesund­heit­li­chen Leis­tun­gen zu ver­wei­sen.


Scheel-Pötzl emp­fahl, das Urteil zu beach­ten und bei ähn­li­chen Fäl­len auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len und ver­wies in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  -


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