(Kiel) Der u.a. für das Urhe­ber­recht zustän­di­ge I. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat erneut ent­schie­den, dass Goog­le nicht wegen Urhe­ber­rechts­ver­let­zung in Anspruch genom­men wer­den kann, wenn urhe­ber­recht­lich geschütz­te Wer­ke in Vor­schau­bil­dern ihrer Such­ma­schi­ne wie­der­ge­ge­ben wer­den.

Dar­auf ver­weist der Düs­sel­dor­fer Fach­an­walt für Gewerb­li­chen Rechts­schutz und Infor­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie­recht Horst Leis, LL.M. von der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 19.10.2011 zu sei­nem Urteil vom glei­chen Tage – Az.: I ZR 140/10 — Vor­schau­bil­der II.

Die von Goog­le betrie­be­ne Inter­net­such­ma­schi­ne ver­fügt über eine text­ge­steu­er­te Bild­such­funk­ti­on, mit der man durch Ein­ga­be von Such­be­grif­fen nach Abbil­dun­gen suchen kann, die Drit­te im Zusam­men­hang mit dem Such­wort ins Inter­net ein­ge­stellt haben. Die von der Such­ma­schi­ne auf­ge­fun­de­nen Bil­der wer­den in einer Ergeb­nis­lis­te in ver­klei­ner­ter Form als Vor­schau­bil­der (“thumb­nails”) gezeigt. Die Vor­schau­bil­der ent­hal­ten einen elek­tro­ni­schen Ver­weis (Link), über den man zu der Inter­net­sei­te mit der wie­der­ge­ge­be­nen Abbil­dung gelan­gen kann.

Der Klä­ger ist Foto­graf. Im Dezem­ber 2006 und März 2007 wur­den auf Such­an­fra­gen die Abbil­dun­gen eines vom Klä­ger ange­fer­tig­ten Licht­bil­des der Fern­seh­mo­de­ra­to­rin Col­li­en Fer­nan­des als Vor­schau­bil­der ange­zeigt. Als Fund­ort der Abbil­dun­gen wur­den zwei näher bezeich­ne­te Inter­net­sei­ten ange­ge­ben.

Der Klä­ger hat vor­ge­tra­gen, er habe den Betrei­bern die­ser Inter­net­sei­ten kei­ne Nut­zungs­rech­te an der Foto­gra­fie ein­ge­räumt. Er hat die Beklag­te wegen Urhe­ber­rechts­ver­let­zung unter ande­rem auf Unter­las­sung in Anspruch genom­men.

Das Land­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Das Beru­fungs­ge­richt hat die Kla­ge abge­wie­sen. Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Revi­si­on des Klä­gers zurück­ge­wie­sen, so Leis.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat im ver­gan­ge­nen Jahr ent­schie­den, dass ein Urhe­ber, der eine Abbil­dung eines urhe­be­recht­lich geschütz­ten Wer­kes ins Inter­net ein­stellt, ohne tech­nisch mög­li­che Vor­keh­run­gen gegen ein Auf­fin­den und Anzei­gen die­ser Abbil­dung durch Such­ma­schi­nen zu tref­fen, durch schlüs­si­ges Ver­hal­ten sei­ne Ein­wil­li­gung in eine Wie­der­ga­be von Vor­schau­bil­dern der Abbil­dung erklärt und der dar­in lie­gen­de Ein­griff in das Recht auf öffent­li­che Zugäng­lich­ma­chung des Wer­kes (§ 19a UrhG) daher nicht rechts­wid­rig ist (BGH, Urteil vom 29. April 2010 — I ZR 69/08, BGHZ 185, 291 — Vor­schau­bil­der I).

In der am 19.10.2011 ver­kün­de­ten Ent­schei­dung stellt der Bun­des­ge­richts­hof klar, dass eine sol­che, die Rechts­wid­rig­keit des Ein­griffs ins Urhe­ber­recht aus­schlie­ßen­de Ein­wil­li­gung auch dann vor­liegt, wenn eine Abbil­dung eines Wer­kes von einem Drit­ten mit Zustim­mung des Urhe­bers ohne Schutz­vor­keh­run­gen ins Inter­net ein­ge­stellt wor­den ist. Der Klä­ger hat­te im Streit­fall zwar gel­tend gemacht, er habe den Betrei­bern der Inter­net­sei­ten, auf denen die Vor­schau­bil­der der Foto­gra­fie ein­ge­stellt waren, kei­ne Nut­zungs­rech­te ein­ge­räumt. Dar­auf kommt es nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs jedoch nicht an. Der Klä­ger hat­te näm­lich Drit­ten das Recht ein­ge­räumt, das Licht­bild im Inter­net öffent­lich zugäng­lich zu machen. Die von einem Drit­ten mit Zustim­mung des Urhe­bers durch Ein­stel­len von Abbil­dun­gen des Wer­kes ins Inter­net wirk­sam erklär­te Ein­wil­li­gung in die Anzei­ge in Vor­schau­bil­dern ist — so der Bun­des­ge­richts­hof — nicht auf die Anzei­ge von Abbil­dun­gen des Wer­kes beschränkt, die mit Zustim­mung des Urhe­bers ins Inter­net ein­ge­stellt wor­den sind. Es ist all­ge­mein bekannt, dass Such­ma­schi­nen, die das Inter­net in einem auto­ma­ti­sier­ten Ver­fah­ren nach Bil­dern durch­su­chen, nicht danach unter­schei­den kön­nen, ob ein auf­ge­fun­de­nes Bild von einem Berech­tig­ten oder einem Nicht­be­rech­tig­ten ins Inter­net ein­ge­stellt wor­den ist. Des­halb kann und darf der Betrei­ber einer Such­ma­schi­ne eine sol­che Ein­wil­li­gung dahin ver­ste­hen, dass sie sich auch auf die Anzei­ge von sol­chen Abbil­dun­gen in Vor­schau­bil­dern erstreckt, die ohne Zustim­mung des Urhe­bers ins Inter­net ein­ge­stellt wor­den sind. Dem Urhe­ber ist es aller­dings unbe­nom­men, die­je­ni­gen wegen Urhe­ber­rechts­ver­let­zung in Anspruch zu neh­men, die die­se Abbil­dun­gen unbe­rech­tigt ins Inter­net gestellt haben.

Leis emp­fahl, dies zu beach­ten und bei Fra­gen auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de — ver­wies.

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