(Kiel) Der u. a. für das Bank­recht zustän­di­ge XI. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) hat am 14.07.2009 über Scha­dens­er­satz­an­sprü­che ent­schie­den, die von zwei Anle­gern gegen­über einer Bank wegen angeb­li­cher Schlech­ter­fül­lung der Infor­ma­ti­ons- und Bera­tungs­pflich­ten über Umfang und Höhe der Siche­rung ihrer Spar­ein­la­gen im Fal­le der Insol­venz der Bank gel­tend gemacht wur­den.

Dar­auf ver­weist der Ham­bur­ger Rechts­an­walt Mat­thi­as W. Kroll, LL.M., Lei­ter des Fach­aus­schus­ses „Finanz­dienst­leis­tungs- und Ver­si­che­rungs­recht“ der DASV Deut­schen Anwalt- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e.V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Urtei­le des Bun­des­ge­richts­hofs vom 14.07.2009, Az.: XI ZR 152/08 und XI ZR 153/08.


Die bei­den Klä­ge­rin­nen unter­hiel­ten bei der BFI Bank AG Spar­ein­la­gen in Form von Spar­brie­fen sowie Fest­geld von jeweils weit mehr als 20.000 €. Im Juli 2003 wur­de über das Ver­mö­gen der BFI Bank AG, die nicht dem Ein­la­gen­si­che­rungs­fonds des Bun­des­ver­ban­des Deut­scher Ban­ken e.V. ange­schlos­sen war, son­dern nur dem Ein­la­gen­si­che­rungs- und Anla­gen­ent­schä­di­gungs­ge­setz unter­lag, das Insol­venz­ver­fah­ren eröff­net und der Beklag­te zum Insol­venz­ver­wal­ter bestellt. Auf­grund des Ein­la­gen­si­che­rungs­ge­set­zes erhiel­ten die Klä­ge­rin­nen jeweils einen Ent­schä­di­gungs­be­trag von 20.000 €. Den über­schie­ßen­den Betrag ihrer Ein­la­gen mel­de­ten die Klä­ge­rin­nen zur Insol­venz­ta­bel­le an und erhiel­ten vom Beklag­ten dar­auf Abschlags­zah­lun­gen von ca. 30 %.


Wegen ihres rest­li­chen Scha­dens ver­lan­gen sie eben­so wie etwa 80 wei­te­re geschä­dig­te Anle­ger der BFI Bank AG vom Beklag­ten die abge­son­der­te Befrie­di­gung aus einer Ver­si­che­rungs­for­de­rung. Die Insol­venz­schuld­ne­rin hat­te bei der streit­ver­kün­de­ten Ver­si­che­rung eine Haft­pflicht­ver­si­che­rung für Ver­mö­gens­schä­den abge­schlos­sen. Die Klä­ge­rin­nen wer­fen der Insol­venz­schuld­ne­rin vor allem vor, ihrer Pflicht nach § 23a Abs. 1 des Kre­dit­we­sen­ge­set­zes*, Kun­den in leicht ver­ständ­li­cher Form über die für die Ein­la­gen­si­che­rung gel­ten­den Bestim­mun­gen ein­schließ­lich Umfang und Höhe der Siche­rung zu infor­mie­ren, nicht nach­ge­kom­men zu sein.


Das Land­ge­richt hat den Kla­gen im Wesent­li­chen statt­ge­ge­ben, das Ober­lan­des­ge­richt hat sie abge­wie­sen. Die Revi­si­on der Klä­ge­rin­nen hat­te Erfolg, betont Kroll. Der Bun­des­ge­richts­hof hat das Beru­fungs­ur­teil auf­ge­ho­ben und die Sache zur neu­en Ent­schei­dung und Ver­hand­lung an das Beru­fungs­ge­richt zurück­ver­wie­sen.


Der XI. Zivil­se­nat hat die Auf­fas­sung des Beru­fungs­ge­richts bestä­tigt, dass die beklag­te Bank nicht gegen ihre Infor­ma­ti­ons­pflicht nach § 23a Abs. 1 Satz 2 KWG, den Kun­den vor Auf­nah­me der Geschäfts­be­zie­hung in leicht ver­ständ­li­cher Form über die für die Siche­rung gel­ten­den Bestim­mun­gen ein­schließ­lich Umfang und Höhe der Siche­rung zu infor­mie­ren, ver­sto­ßen hat. Das Erfor­der­nis der leich­ten Ver­ständ­lich­keit der Infor­ma­ti­on ist auch dann erfüllt, wenn die Infor­ma­ti­on — wie hier — in den All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen des Kre­dit­in­sti­tuts erteilt und der Kun­de hier­auf geson­dert hin­ge­wie­sen wur­de. Einer geson­der­ten Unter­zeich­nung der Infor­ma­ti­ons­schrift durch den Kun­den bedarf es nicht. Dass die Bank ihrer Infor­ma­ti­ons­pflicht nicht nach­ge­kom­men ist, hat nach all­ge­mei­nen Grund­sät­zen der Kun­de zu bewei­sen. Die­ser Beweis ist den Klä­ge­rin­nen — wie das Beru­fungs­ge­richt rechts­feh­ler­frei fest­ge­stellt hat — nicht gelun­gen.


Dage­gen hat das Beru­fungs­ge­richt einen Scha­dens­er­satz­an­spruch der Klä­ge­rin­nen wegen eines Bera­tungs­ver­schul­dens der Bank auf der Grund­la­ge des tat­säch­li­chen Vor­brin­gens der Klä­ge­rin­nen zu Unrecht ver­neint. Hier­zu hat der Bun­des­ge­richts­hof nun­mehr ent­schie­den, dass eine Bank bei Zustan­de­kom­men eines Bera­tungs­ver­tra­ges einem Kun­den, der ein beson­de­res Inter­es­se an der Nomi­nal­si­cher­heit einer Geld­an­la­ge offen­bart hat, kei­ne Ein­la­ge bei ihr selbst emp­feh­len darf, wenn bei ihr nur die gesetz­li­che Min­dest­de­ckung nach dem Ein­la­gen­si­che­rungs- und Anle­ger­ent­schä­di­gungs­ge­setz besteht. Da das Beru­fungs­ge­richt das Vor­lie­gen der tat­säch­li­chen Vor­aus­set­zun­gen offen­ge­las­sen bzw. nicht geprüft hat, müs­sen die gege­be­nen­falls erfor­der­li­chen Fest­stel­lun­gen nun­mehr nach­ge­holt wer­den.


* § 23 Abs. 1 Satz 2 KWG i. d. F. vom 1. August 1998:


Das Insti­tut hat fer­ner Kun­den, die nicht Insti­tu­te sind, vor Auf­nah­me der Geschäfts­be­zie­hung schrift­lich in leicht ver­ständ­li­cher Form über die für die Siche­rung gel­ten­den Bestim­mun­gen ein­schließ­lich Umfang und Höhe der Siche­rung zu infor­mie­ren.


Kroll mahn­te, das Urteil zu beach­ten und in Zwei­fels­fra­gen Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er  dazu u. a. auch auf Bank- und Kapi­tal­markt­recht spe­zia­li­sier­ten Anwäl­te und Anwäl­tin­nen in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.


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Mat­thi­as W. Kroll, LL.M.
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