(Kiel) Anla­ge­be­ra­ter und ‑ver­mitt­ler sind ver­pflich­tet, sich aktu­el­le Infor­ma­tio­nen über das Anla­ge­ob­jekt zu ver­schaf­fen und den Anle­ger über zeit­na­he und nega­ti­ve Berich­te über das Objekt zu infor­mie­ren.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat­te bereits am 7.10.2008 (BGH XI ZR 89/07) ent­schei­den, dass zur Pflicht­lek­tü­re FAZ, Han­dels­blatt, Bör­sen-Zei­tung und Finan­ci­al Times Deutsch­land gehö­ren.

Nun­mehr, so der  Frank­fur­ter Fach­an­walt für Bank- und Kapi­tal­markt­recht Klaus Hün­lein von der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, hat der BGH in einem aktu­el­len Urteil vom 5.11.2009 (BGH III ZR 302/08), das sich auf einen Anla­ge in einen Fonds bezieht, fest­ge­legt, dass sich der Bera­ter die Infor­ma­tio­nen zeit­nah ver­schaf­fen muss.

Der Bun­des­ge­richts­hof wie­der­holt in dem Urteil zunächst die Grund­sät­ze zur Infor­ma­ti­ons­be­schaf­fung des Bera­ters:

Danach ist bei einem Bera­tungs­ver­trag der Anla­ge­be­ra­ter zu mehr als nur zu einer Plau­si­bi­li­täts­prü­fung ver­pflich­tet. Die Bera­tung hat sich auf die­je­ni­gen Eigen­schaf­ten und Risi­ken zu bezie­hen, die für die Anla­ge­ent­schei­dung wesent­li­che Bedeu­tung haben. Der Anla­ge­be­ra­ter muss daher das von ihm emp­foh­le­ne Anla­ge­pro­dukt mit übli­chem kri­ti­schem Sach­ver­stand prü­fen oder dar­auf hin­wei­sen, dass er die­se Prü­fung nicht vor­ge­nom­men hat. Zu einer sol­chen Prü­fung gehört es, dass der Anla­ge­be­ra­ter sich aktu­el­le Infor­ma­tio­nen  über das Anla­ge­ob­jekt ver­schafft, wozu die Lek­tü­re der genann­ten Publi­ka­tio­nen zählt.

Im ent­schie­de­nen Fall nun, so Hün­lein, hat­te der Bera­ter die Kun­din bei Zeich­nung der Anla­ge nicht dar­auf hin­ge­wie­sen, dass eine Anla­ge in den Fonds nicht mehr mög­lich war, weil dem Fonds nach einer Ver­fü­gung der Bun­des­an­stalt für Finanz­dienst­leis­tungs­auf­sicht (BaFin) die Ent­ge­gen­nah­me von Anla­ge­gel­dern unter­sagt wor­den war. Eine ent­spre­chen­de Mel­dung war 3 Tage vor der Zeich­nung im Han­dels­blatt erschie­nen.

Die Vor­in­stanz, das OLG Karl­stru­he, hat­te gemeint, der Abstand zwi­schen dem Erschei­nen des Arti­kels am 7.12.1998 und die Bei­tritts­un­ter­zeich­nung am 10.12.1998 sei zu knapp, um eine Pflicht­ver­let­zung zu beja­hen. Die­se Auf­fas­sung weist der BGH zurück und stellt fest, dass es grund­sätz­lich für den Bera­ter zumut­bar ist, die werk­täg­lich erschei­nen­de Zei­tung inner­halb ihres Erschei­nungs­in­ter­valls zu lesen. Auf jeden Fall sei eine Kennt­nis­nah­me der Infor­ma­ti­on nach Ablauf von 3 Tagen seit dem Erschei­nen gebo­ten gewe­sen. Somit haf­te­te der Bera­ter auf Scha­dens­er­satz.

Die Mög­lich­kei­ten für Anle­ger, von ihrem Bera­ter Scha­dens­er­satz wegen eines Bera­tungs­feh­lers zu erlan­gen, haben sich nach die­ser Ent­schei­dung des BGH deut­lich ver­bes­sert, betont Hün­lein.

Er emp­fahl, ggfs. recht­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.

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