(Kiel) Der unter ande­rem für das Urhe­ber­recht zustän­di­ge I. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat in zwei Fäl­len ent­schie­den, dass die Betrei­ber eines Nach­rich­ten­sen­ders und eines Inter­net­por­tals Aus­kunft über die an dem Tag erziel­ten Wer­be­ei­nah­men ertei­len müs­sen, an dem sie das urhe­ber­recht­lich geschütz­te Recht des Her­stel­lers eines Video­films durch des­sen Ver­öf­fent­li­chung schuld­haft ver­letzt haben.

Dar­auf ver­weist die Ham­bur­ger Fach­an­wäl­tin für Urhe­ber- und Medi­en­recht Karin Scheel-Pötzl von der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf die Urtei­le des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 25. März 2010, Az.: I ZR 122/08 und I ZR 130/08.


Die Beklag­te des Ver­fah­rens I ZR 122/08 betreibt einen Nach­rich­ten­sen­der. Am 29. Juni 2007 strahl­te sie mehr­fach einen Video­film aus, der den töd­li­chen Fall­schirm­sprung des Poli­ti­kers Jür­gen Möl­le­mann zeig­te und den der Klä­ger von Bord des Flug­zeugs auf­ge­nom­men hat­te. Die Beklag­te des Ver­fah­rens I ZR 130/08 unter­hält ein Inter­net­por­tal, auf dem sie eben­falls am 29. Juni 2007 die­sen Video­film öffent­lich zugäng­lich mach­te.


Der Klä­ger hat die Beklag­ten auf Aus­kunft in Anspruch genom­men, wel­che Wer­be­er­lö­se die Beklag­ten am Tag der Ver­öf­fent­li­chung des Films erzielt haben, um sei­nen Scha­dens­er­satz­an­spruch bezif­fern zu kön­nen.


Das Land­ge­richt hat die Kla­gen abge­wie­sen. Vor dem Beru­fungs­ge­richt hat­ten die Aus­kunfts­kla­gen Erfolg.


Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Ent­schei­dun­gen des Ober­lan­des­ge­richts, wonach dem Klä­ger ein Aus­kunfts­an­spruch gegen die Beklag­ten zusteht, bestä­tigt und ledig­lich den Umfang der Aus­kunfts­an­sprü­che ein­ge­schränkt, betont Scheel-Pötzl.


Die Beklag­ten haben das Recht des Klä­gers als Her­stel­ler des Video­films wider­recht­lich und schuld­haft durch die uner­laub­te Aus­strah­lung ver­letzt. Sie sind dem Klä­ger des­halb zum Scha­dens­er­satz ver­pflich­tet. Die Scha­dens­er­satz­pflicht umfasst — je nach der Berech­nungs­art, die der Klä­ger wählt — die Her­aus­ga­be des Gewinns, den die Beklag­ten durch die Ver­öf­fent­li­chung erzielt haben. Um den Umfang die­ses Gewinns berech­nen zu kön­nen, benö­tigt der Klä­ger Anga­ben über die von den Beklag­ten am Tag der Ver­öf­fent­li­chung erziel­ten Wer­be­ein­nah­men. Die Beklag­ten haben zwar gel­tend gemacht, die durch die Aus­strah­lung von Wer­bung an die­sem Tag erziel­ten Ein­nah­men stün­den in kei­nem Zusam­men­hang mit den am sel­ben Tag ver­öf­fent­lich­ten Nach­rich­ten, weil die Kun­den die Wer­bung bereits Mona­te im Vor­aus in Auf­trag gege­ben hät­ten. Nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs kommt es hier­auf bei der Ermitt­lung des Ver­let­zer­ge­winns aber nicht an. Die Wer­ben­den erwar­ten, dass die Beklag­ten die Wer­bung in einem Nach­rich­ten­um­feld plat­zie­ren. Hier­zu rech­ne­te am frag­li­chen Tag auch der aus­ge­strahl­te Video­film. Dass die Beklag­ten statt des Video­films ande­re Nach­rich­ten hät­ten sen­den kön­nen, hebt den Zusam­men­hang zwi­schen der Ver­let­zung des Rechts des Klä­gers und den von den Beklag­ten erziel­ten Wer­be­ein­nah­men nicht auf.


Scheel-Pötzl emp­fahl, das Urteil zu beach­ten und bei ähn­li­chen Fäl­len auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len und ver­wies in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  -


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