(Kiel) Der Bun­des­ge­richts­hof hat­te in einem Urteil vom 12. Juli 2010 dar­über zu ent­schei­den, ob der Wider­ruf eines Gesell­schafts­bei­tritts nach dem Haus­tür­wi­der­rufsG mög­lich ist.

Dar­auf ver­weist der Ham­bur­ger Rechts­an­walt Mat­thi­as W. Kroll, LL.M., Lei­ter des Fach­aus­schus­ses „Finanz­dienst­leis­tungs- und Ver­si­che­rungs­recht“ der DASV Deut­schen Anwalt- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e.V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf das Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 12. Juli 2010 — II ZR 292/06.

Der Beklag­te hat 1991 auf­grund von Ver­hand­lun­gen, die in sei­ner Pri­vat­woh­nung geführt wor­den sind, sei­nen Bei­tritt zu einem geschlos­se­nen Immo­bi­li­en­fonds in Form einer Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts (GbR) erklärt.

In einem Vor­pro­zess for­der­te die Klä­ge­rin als Geschäfts­füh­re­rin der GbR vom Beklag­ten die Zah­lung von Nach­schüs­sen, die die Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung der GbR zur Besei­ti­gung von Unter­de­ckun­gen beschlos­sen hat­te. Im Lau­fe des Ver­fah­rens hat der Beklag­te sei­ne Mit­glied­schaft in der GbR frist­los gekün­digt und die Bei­tritts­er­klä­rung nach § 3 HWiG (jetzt § 312 BGB) wider­ru­fen. Die Kla­ge ist im Vor­pro­zess mit der Begrün­dung abge­wie­sen wor­den, nach wirk­sa­mer Kün­di­gung des Gesell­schafts­bei­tritts durch den Beklag­ten bestün­den zwi­schen den Par­tei­en nur noch Ansprü­che nach den Grund­sät­zen der feh­ler­haf­ten Gesell­schaft. Die Nach­schuss­for­de­rung sei daher nicht mehr selb­stän­dig ein­klag­bar, son­dern sie sei als unselb­stän­di­ger Rech­nungs­pos­ten in die zu erstel­len­de Aus­ein­an­der-set­zungs­rech­nung ein­zu­stel­len.

Die Klä­ge­rin hat die­ser Rechts­an­sicht des Beru­fungs­ge­richts im Vor­pro­zess Rech­nung getra­gen und eine Aus­ein­an­der­set­zungs­rech­nung erstellt, die ein nega­ti­ves Auseinandersetzungs-“Guthaben” des Beklag­ten – d.h. einen Anspruch der Gesell­schaft gegen den Beklag­ten auf Ver­lust­de­ckung nach § 739 BGB — aus­weist.

Der Beklag­te betreibt gegen die Klä­ge­rin die Zwangs­voll­stre­ckung aus dem Kos­ten­fest­set­zungs­be­schluss des Vor­pro­zes­ses. Die Klä­ge­rin hat mit ihrer For­de­rung gegen den Beklag­ten auf Zah­lung die­ses Anspruchs auf Ver­lust­de­ckung die Auf­rech­nung gegen die For­de­rung aus dem Kos­ten­fest­set­zungs­be­schluss erklärt und im vor­lie­gen­den Rechts­streit Voll­stre­ckungs­ge­gen­kla­ge erho­ben.

Das Land­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Das Beru­fungs­ge­richt hat sie auf die Beru­fung des Beklag­ten abge­wie­sen. Hier­ge­gen rich­tet sich die vom Beru­fungs­ge­richt zuge­las­se­ne Revi­si­on der Klä­ge­rin, so Kroll.

Der für das Gesell­schafts­recht zustän­di­ge II. Zivil­se­nat hat ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen nach Art. 234 EG an den EuGH gerich­tet (II ZR 292/06, ZIP 2008,1018). Der EuGH hat ent­schie­den, dass die Richt­li­nie 85/577/EWG des Rates vom 20. Dezem­ber 1985 betref­fend den Ver­brau­cher­schutz im Fal­le von außer­halb von Geschäfts­räu­men geschlos­se­nen Ver­trä­gen (Haus­tür­ge­schäf­te-RL) grund­sätz­lich auf den Bei­tritt zu einer Per­so­nen­ge­sell­schaft anwend­bar ist, wenn der Zweck eines sol­chen Bei­tritts vor­ran­gig nicht dar­in besteht, Mit­glied die­ser Gesell­schaft zu wer­den, son­dern Kapi­tal anzu­le­gen. Zugleich ste­he Art. 5 Abs. 2 der Richt­li­nie einer Rück­ab­wick­lung eines wirk­sam wider­ru­fe­nen Gesell­schafts­bei­tritts nach den Grund­sät­zen der im deut­schen Recht aner­kann­ten Leh­re von der feh­ler­haf­ten Gesell­schaft nicht ent­ge­gen, auch wenn dadurch der Ver­brau­cher mög­li­cher­wei­se weni­ger als den Wert sei­ner Ein­la­ge zurück­er­hal­te oder sich am Ver­lust des Fonds betei­li­gen müs­se (Urt. v. 15. April 2010 – C-215/08, DStR 2010, 878). Nach dem Urteil des EuGH bleibt daher die Leh­re von der feh­ler­haf­ten Gesell­schaft anwend­bar.

Der II. Zivil­se­nat hat auf die Schluss­ver­hand­lung heu­te die land­ge­richt­li­che Ent­schei­dung wie­der­her­ge­stellt. Der Klä­ge­rin steht gegen den Beklag­ten ein Anspruch auf Ver­lust­aus­gleich auch dann zu, wenn der Beklag­te sei­nen Bei­tritt zu dem geschlos­se­nen Immo­bi­li­en­fonds wirk­sam nach § 3 HWiG (jetzt § 312 BGB) wider­ru­fen hat. Die Klä­ge­rin konn­te mit die­sem Anspruch gegen die Kos­ten­for­de­rung auf­rech­nen, so dass die Voll­stre­ckungs­ge­gen­kla­ge begrün­det ist. 

Kroll riet, dies zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er  dazu u. a. auch auf die ent­spre­chend spe­zia­li­sier­ten Anwäl­te und Anwäl­tin­nen in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.

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