(Kiel) Der für das Rei­se- und Per­so­nen­be­för­de­rungs­recht zustän­di­ge X. Zivil­se­nat hat zwei Klau­seln in all­ge­mei­nen Rei­se­be­din­gun­gen betref­fend die Fest­le­gung von Flug­zei­ten und die Ver­bind­lich­keit von Infor­ma­tio­nen des Rei­se­bü­ros über Flug­zei­ten für unwirk­sam erach­tet.


Dar­auf ver­weist der Kie­ler Rechts­an­walt Jens Klar­mann, Lan­des­re­gio­nal­lei­ter „Schles­wig-Hol­stein“ der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 10.12.2013 zu sei­nem Urteil vom sel­ben Tage, Az. X ZR 24/13.


Der Klä­ger ist der bun­des­weit täti­ge Dach­ver­band der Ver­brau­cher­zen­tra­len der Bun­des­län­der. Die Beklag­te ist eine Rei­se­ver­an­stal­te­rin. Sie ver­wen­det “Aus­führ­li­che Rei­se­be­din­gun­gen”, die u.a. fol­gen­de Rege­lun­gen ent­hal­ten:


“Die end­gül­ti­ge Fest­le­gung der Flug­zei­ten obliegt dem Ver­an­stal­ter mit den Rei­se­un­ter­la­gen. Infor­ma­tio­nen über Flug­zei­ten durch Rei­se­bü­ros sind unver­bind­lich.”


Der Klä­ger hält die­se Klau­seln für unwirk­sam.


Das Land­ge­richt hat der Beklag­ten nur die Ver­wen­dung der ers­ten Klau­sel unter­sagt. Das Beru­fungs­ge­richt hat bei­de Klau­seln für unwirk­sam gehal­ten und ihre Ver­wen­dung ver­bo­ten. Der Bun­des­ge­richts­hof hat die dage­gen gerich­te­te Revi­si­on der Beklag­ten zurück­ge­wie­sen, so Klar­mann.


Die ange­grif­fe­nen Klau­seln unter­lie­gen der Inhalts­kon­trol­le nach § 307 Abs. 3 Satz 1 BGB. Sie benach­tei­li­gen den Rei­sen­den ent­ge­gen den Gebo­ten von Treu und Glau­ben unan­ge­mes­sen und sind gemäß § 308 Nr. 4 und § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB unwirk­sam.


Die ers­te Klau­sel modi­fi­ziert das Haupt­leis­tungs­ver­spre­chen des Rei­se­ver­trags nicht nur dann, wenn fes­te Flug­zei­ten ver­ein­bart wur­den, son­dern auch dann, wenn im Ver­trag nur vor­läu­fi­ge Flug­zei­ten genannt sind. Nach all­ge­mei­nen Grund­sät­zen der Ver­trags­aus­le­gung sind “vor­aus­sicht­li­che” Flug­zei­ten zwar nicht unter allen Umstän­den exakt ein­zu­hal­ten. Der Rei­sen­de darf aber berech­tig­ter­wei­se erwar­ten, dass die Rei­se­zei­ten nicht ohne sach­li­chen Grund geän­dert wer­den und dass der aus den vor­läu­fi­gen Anga­ben ersicht­li­che Zeit­rah­men nicht voll­stän­dig auf­ge­ge­ben wird. Andern­falls ergä­be auch die § 6 Abs. 2 Nr. 2 BGB-InfoV vor­ge­schrie­be­ne Infor­ma­ti­on des Rei­sen­den über die­se Zei­ten kei­nen Sinn und wür­de der hier­mit ange­streb­te Ver­brau­cher­schutz ver­fehlt. Dem­ge­gen­über ermög­licht die bean­stan­de­te Klau­sel dem Rei­se­ver­an­stal­ter, die Flug­zei­ten belie­big und unab­hän­gig davon zu ändern, ob hier­für ein sach­li­cher Grund vor­liegt. Dies ist dem Rei­sen­den, der berech­tig­ter­wei­se Sicher­heit in der zeit­li­chen Pla­nung der Rei­se erwar­tet, auch bei Beach­tung der berech­tig­ten Inter­es­sen des Rei­se­ver­an­stal­ters, die vor­ge­se­he­nen Flug­zei­ten ver­än­der­ten oder bei Ver­trags­schluss nicht vor­her­seh­ba­ren Gege­ben­hei­ten anpas­sen zu kön­nen, nicht zuzu­mu­ten.


Die zwei­te Klau­sel ermög­licht dem Rei­se­ver­an­stal­ter, sich einer ver­trag­li­chen Bin­dung, die durch eine Infor­ma­ti­on eines für ihn täti­gen Rei­se­bü­ros ein­tritt, zu ent­zie­hen. Dar­in liegt eben­falls eine unan­ge­mes­se­ne Benach­tei­li­gung des Rei­sen­den.


Klar­mann emp­fahl daher, dies zu beach­ten und bei Fra­gen auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de — ver­wies.

 

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