(Kiel) Der Bun­des­ge­richts­hof hat durch zwei Urtei­le vom 20. Juli 2011 Ent­schei­dun­gen zur Vor­leis­tungs­pflicht der Berufs­haft­pflicht­ver­si­che­rer von Nota­ren und zu den Regress­an­sprü­chen gegen Notar­kam­mer und Ver­trau­ens­scha­den­ver­si­che­rer getrof­fen.

Dar­auf ver­weist der Ham­bur­ger Rechts­an­walt Mat­thi­as W. Kroll, LL.M., Lei­ter des Fach­aus­schus­ses „Finanz­dienst­leis­tungs- und Ver­si­che­rungs­recht” der DASV Deut­schen Anwalt- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e.V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 21. Juli 2011 zu sei­nen Urtei­len vom 20. Juli 2011 — IV ZR 75/09 und IV ZR 180/10.

1. In dem Ver­fah­ren IV ZR 75/09 ver­langt die Klä­ge­rin von der Beklag­ten als ehe­ma­li­gem Berufs­haft­pflicht­ver­si­che­rer eines Notars die Erstat­tung ihrer Schä­den aus meh­re­ren Haft­pflicht­fäl­len, nach­dem der Notar in zwei Haft­pflicht­pro­zes­sen zur Leis­tung von Scha­dens­er­satz ein­schließ­lich Zin­sen (u.a. ent­gan­ge­ner Gut­ha­ben­zin­sen) an die Klä­ge­rin ver­ur­teilt wor­den war. Nach Abtre­tung der Deckungs­an­sprü­che aus dem Berufs­haft­pflicht­ver­si­che­rungs­ver­trag, in dem der Ver­si­che­rungs­schutz für Schä­den infol­ge wis­sent­li­cher Pflicht­ver­let­zun­gen aus­ge­schlos­sen ist, nahm die Klä­ge­rin die Beklag­te in Anspruch. Die Klä­ge­rin meint, dass sie von der Beklag­ten jeden­falls eine Vor­leis­tung nach § 19a Abs. 2 Satz 2 BNo­tO ver­lan­gen kön­ne. Zur Deckung von Schä­den wegen wis­sent­li­cher Pflicht­ver­let­zun­gen von Nota­ren hat die für den Notar zustän­di­ge Notar­kam­mer eine Ver­trau­ens­scha­den­ver­si­che­rung abge­schlos­sen, nach deren Bedin­gun­gen Leis­tun­gen für Schä­den, “die mit­tel­bar ent­ste­hen, wie ent­gan­ge­ner Gewinn, Zins­ver­lust, Rechts­ver­fol­gungs­kos­ten des Anspruch­stel­lers usw.”, aus­ge­schlos­sen sind.

Das Land­ge­richt, das von wis­sent­li­chen Pflicht­ver­let­zun­gen des Notars aus­ge­gan­gen ist, hat die Ansprü­che der Klä­ge­rin auf der Grund­la­ge von § 19a Abs. 2 Satz 2 BNo­tO mit Aus­nah­me der Zins­an­sprü­che als begrün­det ange­se­hen. Auf die Beru­fung der Klä­ge­rin hat das Beru­fungs­ge­richt die Beklag­te zur Vor­leis­tung nach § 19a Abs. 2 Satz 2 BNo­tO auch hin­sicht­lich der titu­lier­ten Zins­an­sprü­che ver­ur­teilt. Dage­gen rich­tet sich die Revi­si­on der Beklag­ten.

Mit Urteil vom gest­ri­gen Tag hat der unter ande­rem für das Ver­si­che­rungs­recht zustän­di­ge IV. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs ent­schie­den, so Kroll, dass die Vor­leis­tungs­pflicht des Berufs­haft­pflicht­ver­si­che­rers nach § 19a Abs. 2 Satz 2 BNo­tO durch des­sen Regress­an­sprü­che gegen den Ver­trau­ens­scha­den­ver­si­che­rer begrenzt wird. Mit dem Cha­rak­ter als Vor­leis­tungs­pflicht wäre eine Erwei­te­rung der Ein­stands­pflicht des Berufs­haft­pflicht­ver­si­che­rers über die des Ver­trau­ens­scha­den­ver­si­che­rers hin­aus nicht zu ver­ein­ba­ren. Daher kann sich der Berufs­haft­pflicht­ver­si­che­rer grund­sätz­lich sowohl auf eine Erschöp­fung der Ver­si­che­rungs­sum­me als auch auf Deckungs­be­schrän­kun­gen in der Ver­trau­ens­scha­den­ver­si­che­rung beru­fen. Der Leis­tungs­aus­schluss für mit­tel­ba­re Schä­den ist jedoch wegen unan­ge­mes­se­ner Benach­tei­li­gung der Notar­kam­mer als Ver­si­che­rungs­neh­me­rin nach § 9 AGBG (= § 307 BGB) unwirk­sam und steht daher den Zins­an­sprü­chen der Klä­ge­rin nicht ent­ge­gen. Die gesetz­li­che Ver­pflich­tung der Notar­kam­mern zum Abschluss von Ver­trau­ens­scha­den­ver­si­che­run­gen (§ 67 Abs. 3 Ziff. 3 BNo­tO) soll gewähr­leis­ten, dass Geschä­dig­te einen Ver­mö­gens­schutz genie­ßen, wie ihn die Staats­haf­tung bei Amts­pflicht­ver­let­zun­gen ande­rer Amts­trä­ger gewähr­leis­tet. Die­se Funk­ti­on wird durch den gene­rel­len Aus­schluss einer Regu­lie­rungs­pflicht für den Bereich der wirt­schaft­lich nicht unbe­deu­ten­den mit­tel­ba­ren Schä­den gefähr­det. Der Senat hat die Sache zur Prü­fung des Erschöp­fungs­ein­wands an das Beru­fungs­ge­richt zurück­ver­wie­sen.

2. In dem Ver­fah­ren IV ZR 180/10 for­dert der kla­gen­de Berufs­haft­pflicht­ver­si­che­rer, der wegen einer wis­sent­li­chen Pflicht­ver­let­zung des Notars eine Leis­tung an die Geschä­dig­te erbracht hat, von der zustän­di­gen Notar­kam­mer und von dem Ver­trau­ens­scha­den­ver­si­che­rer die Erstat­tung des gezahl­ten Betrags nebst Zin­sen auf Grund­la­ge des § 19a Abs. 2 Satz 4 BNo­tO. Nach den Bedin­gun­gen des Ver­trau­ens­scha­den­ver­si­che­rungs­ver­trags sind Leis­tun­gen für Schä­den, “die spä­ter als vier Jah­re nach ihrer Ver­ur­sa­chung dem Ver­si­che­rer gemel­det wer­den”, aus­ge­schlos­sen. Da zwi­schen der Scha­dens­ver­ur­sa­chung und der Scha­dens­mel­dung durch die Geschä­dig­te mehr als vier Jah­re lagen, beru­fen sich die Beklag­ten u.a. auf die Aus­schluss­frist.

Das Beru­fungs­ge­richt hat den Ver­trau­ens­scha­den­ver­si­che­rer zur Erstat­tung des von der Klä­ge­rin gezahl­ten Betrags und die Notar­kam­mer auf den Hilfs­an­trag zur Ein­zie­hung und Aus­keh­rung der Ver­si­che­rungs­leis­tung ver­ur­teilt. Dage­gen rich­tet sich die Revi­si­on der Klä­ge­rin, die eine wei­ter­ge­hen­de Ver­ur­tei­lung der Notar­kam­mer errei­chen will, und die Revi­si­on der bei­den Beklag­ten.

Der IV. Zivil­se­nat hat die Revi­si­on der Klä­ge­rin zurück­ge­wie­sen, so Kroll, da ihr als Berufs­haft­pflicht­ver­si­che­rer kein Auf­wen­dungs­er­satz­an­spruch nach § 19a Abs. 2 Satz 4 BNo­tO gegen die Notar­kam­mer zusteht. Die Notar­kam­mer ist gegen­über dem Geschä­dig­ten nicht zum Scha­dens­er­satz, son­dern nur zur treu­hän­de­ri­schen Ein­zie­hung und Aus­keh­rung der Regu­lie­rungs­leis­tung ver­pflich­tet.

Auf die Revi­sio­nen der bei­den Beklag­ten hat der Senat das Beru­fungs­ur­teil auf­ge­ho­ben. Zwar kann die Klä­ge­rin als Berufs­haft­pflicht­ver­si­che­rer vom Ver­trau­ens­scha­den­ver­si­che­rer grund­sätz­lich eine Erstat­tung ihrer Vor­leis­tung als Auf­wen­dung nach § 19a Abs. 2 Satz 4 BNo­tO ver­lan­gen. Dem Anspruch könn­te jedoch die Aus­schluss­frist, gegen deren Wirk­sam­keit im Hin­blick auf § 9 AGBG (= § 307 BGB) kei­ne Beden­ken bestehen, ent­ge­gen gehal­ten wer­den. Die­se ist unter Berück­sich­ti­gung der Grund­sät­ze von Treu und Glau­ben aber ein­schrän­kend dahin aus­zu­le­gen, dass sich der Ver­trau­ens­scha­den­ver­si­che­rer hier­auf nicht beru­fen kann, wenn die Frist­ver­säu­mung unver­schul­det war. Zur Prü­fung des Ent­las­tungs­be­wei­ses hat der Senat die Sache an das Beru­fungs­ge­richt zurück­ver­wie­sen.

Kroll riet, dies zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er dazu u. a. auch auf die ent­spre­chend spe­zia­li­sier­ten Anwäl­te und Anwäl­tin­nen in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.

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