(Brühl) Der Ver­mie­ter kann zur Begrün­dung eines Miet­erhö­hungs­ver­lan­gens für ein Ein­fa­mi­li­en­haus auf einen Miet­spie­gel, der kei­ne Anga­ben zu ver­mie­te­ten Ein­fa­mi­li­en­häu­sern ent­hält, jeden­falls dann Bezug neh­men, wenn die gefor­der­te Mie­te inner­halb der Miet­preis­span­ne für Woh­nun­gen in Mehr­fa­mi­li­en­häu­sern liegt.

Dies, so der Esse­ner Rechts­an­walt Wolf­gang Nebel von der DASV Deut­schen Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Brühl, sei das Ergeb­nis eines kürz­lich ver­öf­fent­lich­ten Urteils  des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 17.09.2008 (AZ.: VIII ZR 58/08).


In dem betref­fen­den Fall hat­te ein Ver­mie­ter sei­ne Mie­te­rin auf Zustim­mung zu einer Erhö­hung der Monats­mie­te für ein Ein­fa­mi­li­en­haus mit einer Wohn­flä­che von 128 qm von 511,29 Euro auf 613,55 Euro monat­lich ab dem 01.05.2006 ver­klagt und sich dabei auf den Miet­spie­gel der Stadt K., Stand: Janu­ar 2002, gestützt. Dabei hat­te er sich auf die Ein­grup­pie­rung des Hau­ses in die dort genann­te Wohn­an­la­ge B. bezo­gen. Dies hielt die Mie­te­rin für unwirk­sam, da der Miet­spie­gel kei­ne Daten für Ein­fa­mi­li­en­häu­ser ent­hal­te, son­dern sich nur auf Woh­nun­gen in Zwei- und Drei­fa­mi­li­en­häu­sern bezie­he. Ein Miet­erhö­hungs­ver­lan­gen des Ver­mie­ters mit der Begrün­dung, die Mie­te für Ein­fa­mi­li­en­häu­ser lie­ge meis­tens oder immer über der von Miet­woh­nun­gen in Zwei- oder Drei­fa­mi­li­en­häu­sern, kön­ne dar­aus nicht her­ge­lei­tet wer­den.


Die­ser Rechts­auf­fas­sung der Mie­te­rin, so Nebel, erteilt der BGH jedoch nun eine Abfuhr. Das Gericht schloss sich der in der Kom­men­tie­rung teil­wei­se ver­brei­te­ten Auf­fas­sung an, dass zur Begrün­dung des Miet­erhö­hungs­ver­lan­gens für  ein ange­mie­te­tes Ein­fa­mi­li­en­haus die Bezug­nah­me auf den an sich nicht ein­schlä­gi­gen Miet­spie­gel jeden­falls dann aus­rei­che, wenn die ver­lang­te Mie­te inner­halb der Miet­preis­span­ne für  Miet­woh­nun­gen in Mehr­fa­mi­li­en­häu­sern lie­ge. Die­ser Ansicht sei auch zuzu­stim­men, da die Mie­te für Ein­fa­mi­li­en­häu­ser in aller Regel über der Mie­te von Woh­nun­gen in Mehr­fa­mi­li­en­häu­sern lie­ge. Für die­se Auf­fas­sung spre­che auch, dass der hier ein­schlä­gi­ge Miet­spie­gel unter IV. vor­se­he, dass bei Woh­nun­gen in Zwei­fa­mi­li­en­häu­sern in der Regel von dem obe­ren Tabel­len­wert aus­zu­ge­hen sei. Dar­aus erge­be sich,  dass Woh­nun­gen in klei­ne­ren Wohn­ein­hei­ten offen­sicht­lich attrak­ti­ver sei­en und damit höher­prei­sig ver­mie­tet wer­den könn­ten. 


Mit die­ser Ent­schei­dung, so betont Nebel, sei­en in ers­ter Linie die Ver­mie­ter­rech­te  gestärkt wor­den. Aller­dings pro­fi­tier­te auch der Mie­ter von die­ser Ent­schei­dung, da der BGH nun end­lich Rechts­si­cher­heit bei der Anmie­tung von Ein­fa­mi­li­en­häu­sern geschaf­fen habe und die häu­fig wegen der bis­he­ri­gen Rechts­un­si­cher­heit bezüg­lich eines Miet­spie­gels ange­bo­te­nen „Staf­fel­miet­ver­trä­ge“, bei denen von Vorn­her­ein Miet­erhö­hun­gen vor­ge­ge­ben sei­en, even­tu­ell bald der Ver­gan­gen­heit ange­hö­ren könn­ten.


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