(Kiel) Der Bun­des­ge­richts­hof hat am 07.12.2010 ent­schie­den, dass Bild­agen­tu­ren vor Wei­ter­ga­be archi­vier­ter Fotos an die Pres­se nicht die Zuläs­sig­keit der beab­sich­tig­ten Pres­se­be­richt­erstat­tung prü­fen muss­ten.


Dar­auf ver­weist die Ham­bur­ger Fach­an­wäl­tin für Urhe­ber- und Medi­en­recht Karin Scheel-Pötzl von der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf die Urtei­le des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 7. Dezem­ber 2010 — VI ZR 30/09 und VI ZR 34/09.


Die Beklag­ten betrei­ben Bild­ar­chi­ve zur kom­mer­zi­el­len Nut­zung durch Pres­se­un­ter­neh­men. Der mehr­fach wegen Tötungs­de­lik­ten ver­ur­teil­te Klä­ger ver­büßt seit 1983 eine lebens­lan­ge Frei­heits­stra­fe. Über sei­ne Taten wur­de in den fünf­zi­ger, sech­zi­ger und frü­hen acht­zi­ger Jah­ren des letz­ten Jahr­hun­derts aus­führ­lich berich­tet. Die Beklag­ten gaben auf Anfra­ge ein bzw. zwei Bild­nis­se aus den fünf­zi­ger und sech­zi­ger Jah­ren an das Maga­zin “Play­boy” wei­ter, das damit einen Arti­kel “Die Akte … Psy­cho­gramm eines Jahr­hun­dert­mör­ders” bebil­der­te. Der Klä­ger hat gel­tend gemacht, die Beklag­ten hät­ten die Fotos ohne sei­ne hier­zu erfor­der­li­che Ein­wil­li­gung ver­brei­tet und dadurch sein Recht am eige­nen Bild ver­letzt. Die Beklag­ten haben sich auf das Recht der Pres­se­frei­heit beru­fen. Die Kla­gen waren dar­auf gerich­tet, den Beklag­ten auf­zu­ge­ben, die Wei­ter­ga­be der Fotos zu unter­las­sen. Das Land­ge­richt hat die Kla­gen abge­wie­sen. Das Ober­lan­des­ge­richt hat ihnen – mit Ein­schrän­kun­gen — statt­ge­ge­ben.


Der u. a. für das Per­sön­lich­keits­recht zustän­di­ge VI. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat auf die von ihm zuge­las­se­nen Revi­sio­nen die Beru­fungs­ur­tei­le nun auf­ge­ho­ben und die Kla­gen abge­wie­sen, betont Scheel-Pötzl


Der Aus­tausch zuläs­si­ger­wei­se archi­vier­ten Bild­ma­te­ri­als steht unter dem Schutz der Pres­se­frei­heit (Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG). Die­se gewähr­leis­tet nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts nicht nur die Frei­heit der Ver­brei­tung von Nach­rich­ten und Mei­nun­gen; sie schützt viel­mehr auch den gesam­ten Bereich publi­zis­ti­scher Vor­be­rei­tungs­tä­tig­keit, zu der ins­be­son­de­re die Beschaf­fung von Infor­ma­tio­nen gehört. Dem ist bei der Aus­le­gung des Begriffs des “Ver­brei­tens” von Bild­nis­sen in § 22 Kunst­ur­he­ber­ge­setz Rech­nung zu tra­gen. Eine qua­si pres­se­in­ter­ne Wei­ter­ga­be von Fotos durch ein Bild­ar­chiv darf des­halb grund­sätz­lich nicht davon abhän­gig gemacht wer­den, dass der Inha­ber der Bild­agen­tur prüft, ob die unter Ver­wen­dung der Fotos beab­sich­tig­te Pres­se­be­richt­erstat­tung recht­mä­ßig sein wird. Die Ver­ant­wor­tung für eine Pres­se­ver­öf­fent­li­chung trägt allei­ne das ver­öf­fent­li­chen­de Pres­se­or­gan, das auch die Zuläs­sig­keit der Ver­wen­dung der Fotos nach den §§ 22, 23 Kunst­ur­he­ber­ge­setz zu prü­fen hat. Der betrof­fe­ne Abge­bil­de­te hat dadurch kei­nen fühl­ba­ren Nach­teil. Durch die Wei­ter­ga­be von Fotos im qua­si pres­se­in­ter­nen Bereich wird sein Per­sön­lich­keits­recht allen­falls gering­fü­gig beein­träch­tigt.


Scheel-Pötzl emp­fahl, dies zu beach­ten und bei ähn­li­chen Fäl­len auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len und ver­wies in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  -

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