(Kiel) Wer sei­nen Brief­kas­ten nicht mit sei­nem Namen kennt­lich macht und des­halb nicht recht­zei­tig Kla­ge erhebt, hat dies schuld­haft ver­säumt. Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand wird in die­sem Fall nicht gewährt.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Rechts­an­walt Jens Klar­mann, Lan­des­re­gio­nal­lei­ter „Schles­wig-Hol­stein“ der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf ein Urteil des Hes­si­schen Lan­des­so­zi­al­ge­richts vom 16.06.2009, Az.:  AZ L 6 SO 78/07.


In dem Ver­fah­ren bean­trag­te der Klä­ger Sozi­al­hil­fe. Da er die erfor­der­li­chen Beweis­mit­tel zur Über­prü­fung der Hil­fe­be­dürf­tig­keit nicht vor­ge­legt habe, wur­de sein Antrag abge­lehnt. Der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te schick­te sei­nem 44-jäh­ri­gen Man­dan­ten den Wider­spruchs­be­scheid noch inner­halb der Kla­ge­frist mit der Anfra­ge, ob Kla­ge erho­ben wer­den sol­le. Der Mann aus Süd­hes­sen mel­de­te sich jedoch erst Mona­te spä­ter bei sei­nem Anwalt, um sich nach dem Sach­stand zu erkun­di­gen. Da mitt­ler­wei­le die Kla­ge­frist abge­lau­fen war, bean­trag­te der Anwalt beim Sozi­al­ge­richt Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand. Sein Man­dant habe den Wider­spruchs­be­scheid nicht erhal­ten, obwohl er an sei­nem Haus­brief­kas­ten einen Ver­merk ange­bracht habe, dass sämt­li­che Post an sein Post­fach wei­ter­zu­lei­ten sei. Dies sei in den ver­gan­ge­nen Jah­ren auch so gesche­hen. Nur in weni­gen Fäl­len sei sei­ne Post einem fal­schen Post­fach zuge­ord­net wor­den. Ihn tref­fe daher kein Ver­schul­den dar­an, dass das Schrei­ben auf dem Post­weg ver­lo­ren­ge­gan­gen sei.


Die Rich­ter bei­der Instan­zen lehn­ten eine Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand jedoch ab, betont Klar­mann.


Die­se wer­de nur dann gewährt, wenn jemand ohne Ver­schul­den ver­hin­dert gewe­sen sei, eine gesetz­li­che Ver­fah­rens­frist ein­zu­hal­ten. Dies sei hier nicht der Fall. Der Klä­ger habe selbst ein­ge­räumt, dass sich am Ein­gangs­tor der Hof­ein­fahrt sein Name weder an der Klin­gel noch am Brief­kas­ten befun­den habe. Auf dem Brief­kas­ten sei ledig­lich der Name der vom Klä­ger betrie­be­nen Fir­ma ange­bracht. Der Fir­men­na­me ent­hal­te jedoch nicht den Namen des Klä­gers. Auch der am Brief­kas­ten ange­brach­te Hin­weis des Klä­gers, die Post möge an sein Post­fach wei­ter­ge­lei­tet wer­den, ist nach Ansicht der Rich­ter nicht aus­rei­chend. Denn ein Post­zu­stel­ler sei nicht ver­pflich­tet, Post unent­gelt­lich an ein Post­fach wei­ter­zu­lei­ten. Einen kos­ten­pflich­ti­gen Nach­sen­de­auf­trag habe der Klä­ger nicht gestellt. Zudem habe der Klä­ger mit der Zusen­dung des Wider­spruchs­be­scheids rech­nen müs­sen. Schließ­lich habe er eine ent­spre­chen­de Nie­der­schrift erhal­ten, aus wel­cher her­vor­ge­he, dass dem Wider­spruch vor­aus­sicht­lich nicht statt­ge­ge­ben wer­de. Die Revi­si­on wur­de nicht zuge­las­sen.


Klar­mann emp­fahl, die­ses Urteil zu beach­ten und ggfs. recht­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.


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