(Kiel) Der Bun­des­ge­richts­hof hat soeben Urtei­le der Vor­in­stan­zen auf­ge­ho­ben, mit denen der Zeit­schrift „Bun­te“ ver­bo­ten wor­den war, Char­lot­te Casi­raghi, eine Toch­ter von Prin­zes­sin Caro­li­ne von Han­no­ver, bei ihrer Bericht­erstat­tung über den Rosen­ball in Mona­co in den Mit­tel­punkt zu stel­len.

Dar­auf ver­weist die Ham­bur­ger Fach­an­wäl­tin für Urhe­ber- und Medi­en­recht Karin Scheel-Pötzl von der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf die am 17.11.2010 bekannt gege­be­nen Urtei­le des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 26. Okto­ber 2010  — VI ZR 190/08 und VI ZR 230/08.

Die Klä­ge­rin ist hier die Toch­ter der Prin­zes­sin Caro­li­ne von Han­no­ver. Im März 2007 ver­öf­fent­lich­te die von der Beklag­ten, einem Ver­lag, her­aus­ge­ge­be­ne Zeit­schrift “Bun­te” einen Arti­kel mit dem Titel: “Char­lot­te, die Par­ty-Prin­zes­sin” und dem Unter­ti­tel “Rosen­ball in Mona­co — und der Star war Prin­zes­sin Caro­li­nes Toch­ter: eine feu­ri­ge Schön­heit”. Die Klä­ge­rin hat in zwei getrenn­ten Rechts­strei­tig­kei­ten die Wort­be­richt­erstat­tung (VI ZR 230/08) und die Bild­be­richt­erstat­tung (VI ZR 190/08) ange­grif­fen. Das Land­ge­richt Ber­lin hat die Beklag­te ver­ur­teilt, es zu unter­las­sen, Tei­le der Wort­be­richt­erstat­tung sowie die abge­druck­ten Fotos erneut zu ver­öf­fent­li­chen. Die Beru­fun­gen der Beklag­ten zum Kam­mer­ge­richt Ber­lin hat­ten kei­nen Erfolg.

Der u. a. für das Per­sön­lich­keits­recht zustän­di­ge VI. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat die Beru­fungs­ur­tei­le nun jedoch auf­ge­ho­ben und die Kla­gen abge­wie­sen, betont Scheel-Pötzl.

Der Schutz des all­ge­mei­nen Per­sön­lich­keits­rechts reicht hin­sicht­lich der Ver­öf­fent­li­chung von Bil­dern einer­seits und der Wort­be­richt­erstat­tung ande­rer­seits ver­schie­den weit. Die Ver­öf­fent­li­chung des Bil­des einer Per­son muss nach dem abge­stuf­ten Schutz­kon­zept der §§ 22, 23 Kunst­ur­he­ber­ge­setz gerecht­fer­tigt sein. Für einen per­so­nen­be­zo­ge­nen Wort­be­richt gilt die­ses Schutz­kon­zept nicht. Das All­ge­mei­ne Per­sön­lich­keits­recht aus Art. 2 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 1 Abs. 1 GG bie­tet nicht schon davor Schutz, über­haupt in einem Bericht indi­vi­dua­li­sie­rend benannt zu wer­den. Viel­mehr bie­tet es Schutz nur gegen spe­zi­fi­sche Ver­let­zungs­for­men, ins­be­son­de­re gegen eine Beein­träch­ti­gung der Pri­vat- oder Intim­sphä­re sowie gegen her­ab­set­zen­de bzw. ehr­ver­let­zen­de Äuße­run­gen. Ein vom Kom­mu­ni­ka­ti­ons­in­halt unab­hän­gi­ger Schutz besteht im Bereich der Text­be­richt­erstat­tung auch unter dem Gesichts­punkt des Rechts am gespro­che­nen Wort.

Im Übri­gen bie­tet das all­ge­mei­ne Per­sön­lich­keits­recht aber kei­nen Schutz vor per­so­nen­be­zo­ge­nen Äuße­run­gen unab­hän­gig von ihrem Inhalt. Danach durf­te die Bericht­erstat­tung der Beklag­ten über den Rosen­ball nicht mit der Erwä­gung ver­bo­ten wer­den, in dem Bericht wer­de die Klä­ge­rin in den Mit­tel­punkt gestellt. Wer an Ver­an­stal­tun­gen teil­nimmt, die ersicht­lich wegen ihres Teil­neh­mer­krei­ses auf gro­ßes Inter­es­se jeden­falls eines Teils des Publi­kums sto­ßen und auch auf Außen­wir­kung ange­legt sind, muss die öffent­li­che Erör­te­rung sei­ner Teil­nah­me an der Ver­an­stal­tung eben­so dul­den wie kom­men­tie­ren­de und wer­ten­de Bemer­kun­gen zu sei­ner Per­son, soweit sie an die Teil­nah­me an der Ver­an­stal­tung und an bereits bekann­te Tat­sa­chen aus der Sozi­al­sphä­re anknüp­fen.

So liegt der Fall hier. Hin­zu kommt, dass das Per­sön­lich­keits­recht der Klä­ge­rin durch die Bericht­erstat­tung allen­falls gering­fü­gig beein­träch­tigt wur­de. Ihre Per­son wird mit durch­weg offen­bar posi­tiv gemein­ten For­mu­lie­run­gen dar­ge­stellt. Dabei wird sie als Mit­tel­punkt einer “jun­gen Mona­co-Socie­ty” beschrie­ben, die mit teu­ren Klei­dern bei öffent­li­chen Ver­an­stal­tun­gen auf­tritt, bei Mode­schau­en von vorn­her­ein in der ers­ten Rei­he sitzt und die “Leich­tig­keit des Seins” genießt.

Auch die Ver­öf­fent­li­chung der Fotos war gerecht­fer­tigt. Der Rosen­ball ist ein zeit­ge­schicht­li­ches Ereig­nis im Sin­ne der §§ 22, 23 Kunst­ur­he­ber­ge­setz. Sämt­li­che Fotos wur­den dort gefer­tigt und zei­gen – bis auf ein Por­trät­fo­to – außer der Klä­ge­rin meh­re­re der anwe­sen­den Per­so­nen, die in dem beglei­ten­den Text auch zum Teil benannt wer­den. Ein Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se ist zu beja­hen. Ange­sichts des beschrie­be­nen Inhalts des Arti­kels geht es, auch wenn die Klä­ge­rin im Mit­tel­punkt steht, um eine Dar­stel­lung der Lebens­wei­se und des Ver­hal­tens in ihren Gesell­schafts­krei­sen, die eine Leit­bild- oder Kon­trast­funk­ti­on für gro­ße Tei­le der Bevöl­ke­rung im Blick hat und auch Anlass zu sozi­al­kri­ti­schen Über­le­gun­gen geben kann. Dem gegen­über ist das Per­sön­lich­keits­recht der Klä­ge­rin durch die Ver­öf­fent­li­chung der sie in kei­ner Wei­se nega­tiv dar­stel­len­den Fotos allen­falls gering­fü­gig tan­giert.

Scheel-Pötzl emp­fahl, dies und einen etwai­gen Fort­gang zu beach­ten und bei ähn­li­chen Fäl­len auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len und ver­wies in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  -

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