(Kiel) Der Bun­des­ge­richts­hof hat am 29. Juni 2010 ent­schie­den, dass der Mobil­funk­be­trei­ber E‑Plus nicht ver­pflich­tet ist, die Nut­zung sei­ner SIM-Kar­ten in sog. GSM-Gate­ways zu gestat­ten.

Dar­auf ver­weist der Düs­sel­dor­fer Fach­an­walt für Infor­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie­recht Horst Leis, LL. M., von der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf das Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 29. Juni 2010 – KZR 31/08.

Bei GSM-Gate­ways han­delt es sich um Gerä­te, mit denen Tele­fon­an­ru­fe aus dem Fest­netz ent­ge­gen­ge­nom­men und – unter Ver­wen­dung einer ent­spre­chen­den SIM-Kar­te – in das Mobil­funk­netz des ange­ru­fe­nen Teil­neh­mers wei­ter­ge­lei­tet wer­den kön­nen. Einer Ein­spei­sung des Fest­netz­an­rufs in das Mobil­funk­netz an einem fes­ten Über­ga­be­punkt (Inter­con­nec­tion-Punkt) bedarf es dabei nicht.

Die Beklag­te hat­te SIM-Kar­ten von E‑Plus zu End­nut­zer­be­din­gun­gen erwor­ben und in GSM-Gate­ways ein­ge­setzt, ohne auf die­se Ver­wen­dungs­ab­sicht hin­zu­wei­sen. E‑Plus, der dadurch Ent­gel­te ent­gin­gen, nahm die Beklag­te des­halb u.a. auf Unter­las­sung und Scha­dens­er­satz in Anspruch. Die Beklag­te woll­te mit ihrer Wider­kla­ge errei­chen, dass E‑Plus den Ein­satz von SIM-Kar­ten in GSM-Gate­ways erlaubt.

Das Beru­fungs­ge­richt hat der Beklag­ten teil­wei­se Recht gege­ben: E‑Plus miss­brau­che unter Ver­stoß gegen Art. 82 EG (jetzt: Art 102 in der Fas­sung der Ver­trä­ge von Lis­sa­bon) ihre markt­be­herr­schen­de Stel­lung auf dem maß­geb­li­chen Markt der Zustel­lung von Anru­fen in ihrem Mobil­funk­netz, wenn sie den Ein­satz von GSM-Gate­ways gene­rell unter­sa­ge. E‑Plus sei jedoch nicht ver­pflich­tet, die Kar­ten zu End­kun­den-Kon­di­tio­nen zur Ver­fü­gung zu stel­len. Sie dür­fe viel­mehr ein ange­mes­se­nes Ent­gelt ver­lan­gen und dem Ein­satz von GSM-Gate­ways ange­pass­te beson­de­re Nut­zungs­be­din­gun­gen ver­ein­ba­ren.

Nach Auf­fas­sung des Bun­des­ge­richts­hofs han­delt E‑Plus durch die Wei­ge­rung, SIM-Kar­ten zum Zweck des Ein­sat­zes in GSM-Wand­lern zur Ver­fü­gung zu stel­len, jedoch nicht miss­bräuch­lich i.S. von Art. 82 EG, so betont Leis.

Maß­geb­lich dafür war, dass der Zugang zu dem Mobil­funk­netz von E‑Plus durch Ver­fü­gung der Bun­des­netz­agen­tur nach § 21 TKG dahin­ge­hend regu­liert wor­den ist, dass E‑Plus die Zusam­men­schal­tung ihres Mobil­funk­net­zes mit ande­ren Tele­fon­net­zen an einem fes­ten Über­ga­be­punkt zu einem von der Bun­des­netz­agen­tur fest­ge­setz­ten Ver­bin­dungs­ent­gelt gewäh­ren muss. Ein Unter­neh­men, das für bestimm­te Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­dienst­leis­tun­gen eine markt­be­herr­schen­de Stel­lung hat, han­delt daher grund­sätz­lich nicht miss­bräuch­lich, wenn es Zugang zu dem von ihm beherrsch­ten Markt nur unter den von der Regu­lie­rungs­be­hör­de nach § 21 TKG fest­ge­setz­ten Bedin­gun­gen gewährt.

Leis emp­fahl, das Urteil zu beach­ten und bei Fra­gen auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  — ver­wies.

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