(Kiel) Das “Hard Rock Cafe Hei­del­berg” kann unter die­ser Bezeich­nung wei­ter betrie­ben wer­den, es dür­fen dort aber kei­ne mit dem inter­na­tio­nal bekann­ten “Hard-Rock-Cafe-Logo” gekenn­zeich­ne­ten Arti­kel mehr ver­kauft wer­den.


Dar­auf ver­weist der Frank­fur­ter Rechts­an­walt und Fach­an­walt für gewerb­li­chen Rechts­schutz Dr. Jan Felix Ise­le von der Kanz­lei DANCKELMANN UND KERST, Vize­prä­si­dent der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 15.08.2013 zu sei­nem Urteil vom glei­chen Tage, Az.: I ZR 188/11 – Hard Rock Café.


Die Klä­ge­rin zu 1, die zur welt­weit täti­gen Hard-Rock-Grup­pe gehört, betreibt Hard-Rock-Cafés in Ber­lin, Mün­chen und Köln. Die Klä­ge­rin zu 2 ist Inha­be­rin zahl­rei­cher Wort- und Wort-/Bild­mar­ken “Hard Rock Cafe”. Die Beklag­te zu 1, deren Geschäfts­füh­rer der Beklag­te zu 3 ist, betreibt ein Restau­rant unter der Bezeich­nung “Hard Rock Cafe Hei­del­berg”. Bei der Ein­rich­tung und Aus­stat­tung des Restau­rants hat­ten sich sei­ne Grün­der bewusst an dem 1971 in Lon­don eröff­ne­ten “Hard Rock Cafe” ori­en­tiert. Jeden­falls seit 1978 ver­wen­det die Beklag­te zu 1 das typi­sche kreis­run­de Hard-Rock-Logo der Klä­ge­rin zu 2 in Spei­se- und Geträn­ke­kar­ten sowie auf Glä­sern. Sie benutzt die Wort­fol­ge “Hard Rock Cafe” sowie das Logo als Ein­gangs­schild, auf der Ein­gangs­tür und in den Fens­tern ihres Restau­rants und bie­tet Mer­chan­di­sing-Arti­kel an, die eben­falls die­ses Logo tra­gen. Die Klä­ge­rin­nen mel­de­ten erst­mals Ende 1986 ihr Logo als Mar­ke für Beklei­dung in Deutsch­land an; ihr ers­tes deut­sches Hard-Rock-Café wur­de 1992 in Ber­lin eröff­net. Unmit­tel­bar danach erwirk­ten die Klä­ge­rin­nen eine einst­wei­li­ge Ver­fü­gung gegen die Beklag­te, nah­men aber den Antrag auf ihren Erlass nach Wider­spruch der Beklag­ten zurück.


Mit der Kla­ge im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren wol­len die Klä­ge­rin­nen es den Beklag­ten ver­bie­ten las­sen, unter der Bezeich­nung “Hard Rock” und unter den Logos “Hard Rock Cafe Hei­del­berg” ein Restau­rant zu betrei­ben oder zu bewer­ben, sowie Mer­chan­di­sing-Arti­kel mit dem Auf­druck “Hard Rock Cafe” zu ver­trei­ben; außer­dem sol­len die Beklag­ten zu 2 und 3 auf bestimm­te für sie regis­trier­te Domain­na­men mit dem Bestand­teil “hard­rock-cafe” ver­zich­ten. Schließ­lich möch­ten die Klä­ge­rin­nen die Ver­ur­tei­lung der Beklag­ten zur Aus­kunfter­tei­lung und Ver­nich­tung von mit dem Hard-Rock-Logo ver­se­he­nen Mer­chan­di­sing-Arti­keln sowie die Fest­stel­lung der Scha­dens­er­satz­pflicht der Beklag­ten errei­chen.


Das Land­ge­richt hat die Kla­ge abge­wie­sen. Die Beru­fung der Klä­ge­rin­nen blieb ohne Erfolg.


Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Auf­fas­sung des Beru­fungs­ge­richts bestä­tigt, so Dr. Ise­le.


Ansprü­che gegen den Betrieb des Hei­del­ber­ger Restau­rants unter der Bezeich­nung “Hard Rock” sei­en ver­wirkt, weil die Klä­ge­rin­nen die­se Fir­mie­rung nach Rück­nah­me des Antrags auf einst­wei­li­ge Ver­fü­gung mehr als 14 Jah­re gedul­det haben. Im Übri­gen hat der Bun­des­ge­richts­hof das Beru­fungs­ur­teil auf­ge­ho­ben, der Kla­ge hin­sicht­lich des Ver­triebs kon­kret bezeich­ne­ter Mer­chan­di­sing-Arti­kel statt­ge­ge­ben und die Sache im übri­gen Umfang der Auf­he­bung an das Beru­fungs­ge­richt zurück­ver­wie­sen.


Rechts­fol­ge der Ver­wir­kung im Mar­ken- und Lau­ter­keits­recht ist allein, dass ein Mar­ken­in­ha­ber sei­ne Rech­te wegen bestimm­ter, bereits began­ge­ner oder noch andau­ern­der Rechts­ver­let­zun­gen nicht mehr durch­set­zen kann. Bei wie­der­hol­ten, gleich­ar­ti­gen Ver­let­zungs­hand­lun­gen lässt jede Ver­let­zungs­hand­lung einen neu­en Unter­las­sungs­an­spruch ent­ste­hen. Auch län­ge­re Untä­tig­keit des Mar­ken­in­ha­bers kann inso­weit kein berech­tig­tes Ver­trau­en dar­auf begrün­den, der­ar­ti­ges Ver­hal­ten wer­de wei­ter­hin gedul­det. Jedes Ange­bot und jeder Ver­kauf eines Mer­chan­di­sing-Arti­kels, jede neue Wer­bung und jeder neue Inter­net­auf­tritt sind für die Fra­ge der Ver­wir­kung daher geson­dert zu betrach­ten.


Der Ver­trieb der Mer­chan­di­sing-Arti­kel durch die Beklag­ten ver­letzt die Mar­ken­rech­te der Klä­ge­rin zu 2. Er ver­stößt auch gegen das wett­be­werbs­recht­li­che Irre­füh­rungs­ver­bot. Dabei kommt es nicht dar­auf an, dass die Beklag­ten den Ver­trieb der­ar­ti­ger Pro­duk­te in Deutsch­land mög­li­cher­wei­se schon vor der Klä­ge­rin auf­ge­nom­men haben. Das Restau­rant der Beklag­ten befin­det sich in bes­ter tou­ris­ti­scher Lage Hei­del­bergs. Ein erheb­li­cher Teil sei­ner Kun­den sind orts­frem­de Gäs­te, denen die Hard-Rock-Cafés der Klä­ger­grup­pe bekannt sind, die aber nicht wis­sen, dass das Restau­rant der Beklag­ten nicht dazu gehört. Die­se Irre­füh­rung müs­sen die Beklag­ten unter­bin­den.


Über die wei­te­ren Ansprü­che der Klä­ge­rin­nen konn­te der Bun­des­ge­richts­hof nicht abschlie­ßend ent­schei­den. Inso­weit wird es unter ande­rem dar­auf ankom­men, ob die Beklag­ten für die Bezeich­nung “Hard Rock Cafe Hei­del­berg” schon einen Schutz als Unter­neh­mens­kenn­zei­chen im Raum Hei­del­berg erwor­ben hat­ten, bevor für die Klä­ge­rin zu 2 Mar­ken in Deutsch­land ange­mel­det wor­den sind. Soweit den Beklag­ten die wei­te­re Ver­wen­dung der Logos “Hard Rock Cafe” zu gestat­ten sein soll­te, müss­ten sie durch klar­stel­len­de Zusät­ze Ver­wechs­lun­gen mit den Restau­rants der Klä­ge­rin­nen aus­schlie­ßen.


Rechts­an­walt Dr. Ise­le emp­fahl, dies zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de — ver­wies.


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