(Kiel) Der u.a. für das Urhe­ber­recht zustän­di­ge I. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat ent­schie­den, dass die GEMA die Ver­gü­tun­gen für Musik­auf­füh­run­gen bei Frei­luft­ver­an­stal­tun­gen wie Stra­ßen­fes­ten oder Weih­nachts­märk­ten nach der Grö­ße der gesam­ten Ver­an­stal­tungs­flä­che bemes­sen darf.

Dar­auf ver­weist die Ham­bur­ger Fach­an­wäl­tin für Urhe­ber- und Medi­en­recht Karin Scheel-Pötzl von der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 27. Okto­ber 2011 zu sei­nen Urtei­len vom glei­chen Tage – I ZR 125/10 — Bar­men Live und I ZR 175/10 — Bochu­mer Weih­nachts­markt.

Die Gesell­schaft für musi­ka­li­sche Auf­füh­rungs- und mecha­ni­sche Ver­viel­fäl­ti­gungs­rech­te (GEMA) nimmt die ihr von Kom­po­nis­ten, Text­dich­tern und Musik­ver­le­gern ein­ge­räum­ten urhe­ber­recht­li­chen Nut­zungs­rech­te an Musik­wer­ken wahr. Zu ihren Auf­ga­ben gehört es, von Nut­zern der Musik­wer­ke die ange­mes­se­ne Ver­gü­tung ein­zu­for­dern. Sie strei­tet sich in zwei Ver­fah­ren mit Nut­zern über die Bemes­sung der Ver­gü­tung für Musik­auf­füh­run­gen bei Frei­luft­ver­an­stal­tun­gen, die in den Jah­ren 2004 bis 2008 durch­ge­führt wur­den. In dem einen Rechts­streit geht es um Ver­an­stal­tun­gen in Bochum, näm­lich den “Weih­nachts­markt”, den “Ger­t­her Som­mer” und die “Bochu­mer Wes­tern­ta­ge”. Das ande­re Ver­fah­ren betrifft die Stadt- bzw. Stra­ßen­fes­te “Bar­men Live”, “Bot­trop Live”, “Elber­fel­der Cock­tail” und “Ham­mer Stra­ße” (in Müns­ter).

Die GEMA hat­te zum Zeit­punkt der Ver­an­stal­tun­gen kei­nen eige­nen Tarif für sol­che Musik­auf­füh­run­gen im Frei­en auf­ge­stellt. Sie ermit­tel­te die Ver­gü­tung des­halb nach einem Tarif, der für Musik­auf­füh­run­gen in Räu­men gilt und bei dem sich die Höhe der Ver­gü­tung nach der Grö­ße des Ver­an­stal­tungs­rau­mes rich­tet. Sie berech­ne­te die Ver­gü­tung dem­entspre­chend nach der Grö­ße der Ver­an­stal­tungs­flä­che, gerech­net vom ers­ten bis zum letz­ten Stand und von Häu­ser­wand zu Häu­ser­wand.

Die Ver­an­stal­ter der Musik­auf­füh­run­gen hal­ten die­se Berech­nungs­wei­se für unan­ge­mes­sen. Sie sind der Ansicht, es dür­fe nur auf den Teil der Ver­an­stal­tungs­flä­che abge­stellt wer­den, der von der Büh­ne mit Musik beschallt wer­de. Davon sei­en die Flä­chen abzu­zie­hen, die von Besu­chern nicht betre­ten wer­den könn­ten (etwa weil sich dort Stän­de befin­den) oder dürf­ten (wie der für eine Nut­zung als Ver­an­stal­tungs­flä­che nicht zuge­las­se­ne öffent­li­che Ver­kehrs­raum) oder auf denen die Musik von der Büh­ne durch ande­re Musik (bei­spiels­wei­se Musik von den Stän­den) über­la­gert wer­de.

Land­ge­richt und Beru­fungs­ge­richt haben ent­schie­den, die GEMA sei berech­tigt, die Ver­gü­tung nach der Grö­ße der gesam­ten Ver­an­stal­tungs­flä­che zu bestim­men. Der BGH hat die­se Ent­schei­dun­gen bestä­tigt, so Scheel-Pötzl.

Für Frei­luft­ver­an­stal­tun­gen wie die hier in Rede ste­hen­den Stra­ßen­fes­te oder Weih­nachts­märk­te ist es — so der BGH — typisch, dass das Publi­kum vor der Büh­ne stän­dig wech­selt und damit ins­ge­samt wesent­lich mehr Zuhö­rer die Musik wahr­neh­men, als auf der beschall­ten Flä­che Platz fän­den. Es kommt hin­zu, dass die Musik von der Büh­ne regel­mä­ßig die gesam­te Ver­an­stal­tung prägt. Der GEMA wäre es — so der BGH wei­ter — auch nicht zumut­bar, bei jeder der zahl­rei­chen und ver­schie­den­ar­ti­gen Ver­an­stal­tun­gen im gesam­ten Bun­des­ge­biet jeweils die Flä­che zu ermit­teln, die von der Büh­ne mit Musik beschallt wird und die Flä­chen fest­zu­stel­len, auf denen sich kei­ne Besu­cher auf­hal­ten kön­nen oder dür­fen oder auf die ande­re Musik ein­wirkt. Die Berech­nung nach der Gesamt­ver­an­stal­tungs­flä­che ist daher auch aus Grün­den der Prak­ti­ka­bi­li­tät gebo­ten.

Mitt­ler­wei­le hat die GEMA einen eige­nen Tarif für sol­che Musik­auf­füh­run­gen im Frei­en auf­ge­stellt. Auch danach rich­tet sich die Höhe der Ver­gü­tung nach der Grö­ße der gesam­ten Ver­an­stal­tungs­flä­che.

Scheel-Pötzl emp­fahl, dies zu beach­ten und bei ähn­li­chen Fäl­len auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len und ver­wies in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de -

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