(Kiel) Der u. a. für das Bank­recht zustän­di­ge XI. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat eine von einem Kre­dit­in­sti­tut im Wert­pa­pier­ge­schäft mit Pri­vat­kun­den ver­wen­de­te All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gung, wonach die Bank die von Wert­pa­pier­e­mit­ten­ten gezahl­ten Ver­triebs­ver­gü­tun­gen behal­ten darf, für wirk­sam erach­tet.


Dar­auf ver­weist der Ham­bur­ger Rechts­an­walt Mat­thi­as W. Kroll, LL.M., Lei­ter des Fach­aus­schus­ses „Finanz­dienst­leis­tungs- und Ver­si­che­rungs­recht“ der DASV Deut­schen Anwalt- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e.V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 14.01.2014 zu sei­nem Urteil vom sel­ben Tage, Az.: XI ZR 355/12.


Der kla­gen­de Ver­brau­cher­schutz­ver­band nimmt die beklag­te Pri­vat­bank auf Unter­las­sung fol­gen­der For­mu­lar­be­stim­mung in Anspruch, die in einer “Rah­men­ver­ein­ba­rung für Wert­pa­pier­ge­schäf­te” ent­hal­ten ist:


“Der Kun­de erklärt sich damit ein­ver­stan­den, dass die Bank die von den Emit­ten­ten an sie geleis­te­ten Ver­triebs­ver­gü­tun­gen behält, vor­aus­ge­setzt, dass die Bank die Ver­triebs­ver­gü­tun­gen nach den Vor­schrif­ten des Wert­pa­pier­han­dels­ge­set­zes (ins­be­son­de­re § 31 d WpHG) anneh­men darf. Inso­weit tref­fen der Kun­de und die Bank die von der gesetz­li­chen Rege­lung des Rechts der Geschäfts­be­sor­gung (….) abwei­chen­de Ver­ein­ba­rung, dass ein Anspruch des Kun­den gegen die Bank auf Her­aus­ga­be der Ver­triebs­ver­gü­tun­gen nicht ent­steht.”


Das Land­ge­richt hat der Kla­ge — mit Aus­nah­me eines vom Klä­ger neben dem Unter­las­sungs­be­geh­ren ver­folg­ten Zah­lungs­an­trags — statt­ge­ge­ben, das Ober­lan­des­ge­richt hat sie ins­ge­samt abge­wie­sen. Der XI. Zivil­se­nat hat die hier­ge­gen gerich­te­te Revi­si­on des Klä­gers zurück­ge­wie­sen, so Kroll.


Die strei­ti­ge Klau­sel hält in ihrer kon­kre­ten Aus­ge­stal­tung der Inhalts­kon­trol­le nach § 307 Abs. 1 und 2 BGB stand. Hier­für bedarf es kei­ner Klä­rung der in Recht­spre­chung und Lite­ra­tur umstrit­te­nen, vom Bun­des­ge­richts­hof noch nicht ent­schie­de­nen Fra­ge, ob Ban­ken ver­pflich­tet sind, Ver­triebs­ver­gü­tun­gen, die sie von Wert­pa­pier­e­mit­ten­ten erhal­ten, gemäß § 384 Abs. 2 Halb­satz 2 Fall 2 HGB, § 667 Fall 2 BGB an ihre Kun­den her­aus­zu­ge­ben. Die strei­ti­ge Rege­lung unter­liegt zwar, sofern man von einer sol­chen Her­aus­ga­be­pflicht aus­geht, unein­ge­schränk­ter Inhalts­kon­trol­le, hält die­ser aber stand.


Die Klau­sel genügt dem Trans­pa­renz­ge­bot des § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB. Sie lässt — in der Zusam­men­schau mit erläu­tern­den Anga­ben zu den in Rede ste­hen­den Ver­gü­tun­gen, die in zwei wei­te­ren, der strei­ti­gen Bestim­mung ein­lei­tend vor­an­ge­stell­ten Absät­zen der Rah­men­ver­ein­ba­rung ent­hal­ten sind — die inhalt­li­che Reich­wei­te und die wirt­schaft­li­che Trag­wei­te des vom Kun­den im Vor­aus erklär­ten Anspruchs­ver­zichts hin­rei­chend klar erken­nen. Ein Ver­stoß gegen das Trans­pa­renz­ge­bot folgt auch nicht dar­aus, dass die Beklag­te zur Bestim­mung der Ver­triebs­ver­gü­tun­gen, die sie anneh­men und behal­ten darf, all­ge­mein auf Vor­schrif­ten des Wert­pa­pier­han­dels­ge­set­zes und “ins­be­son­de­re” auf § 31d WpHG ver­weist. Das Trans­pa­renz­ge­bot ver­langt weder, dass der Wort­laut die­ser Norm oder sons­ti­ger Geset­zes­vor­schrif­ten in der Klau­sel abge­druckt wird, noch for­dert es, dass die Klau­sel zusam­men­fas­send erläu­tert, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen die Beklag­te Ver­triebs­ver­gü­tun­gen auf­sichts­recht­lich anneh­men darf.


Der for­mu­lar­mä­ßi­ge Vor­aus­ver­zicht auf Her­aus­ga­be­an­sprü­che stellt sich bei der hier kon­kret in Streit ste­hen­den Klau­sel­ge­stal­tung wei­ter nicht als unan­ge­mes­se­ne Benach­tei­li­gung (§ 307 Abs. 1 Satz 1, Abs. 2 Nr. 1 BGB) der Kun­den der Beklag­ten dar. Das gilt selbst dann, wenn man, was eben­falls offen­blei­ben kann, in der — etwai­gen — Her­aus­ga­be­pflicht der Bank bezüg­lich der betref­fen­den Ver­gü­tun­gen einen wesent­li­chen gesetz­li­chen Grund­ge­dan­ken sieht. Es ent­spricht zunächst einem berech­tig­ten Ratio­na­li­sie­rungs­in­ter­es­se der Bank, einen Her­aus­ga­be­ver­zicht im Mas­sen­ge­schäft wie dem — häu­fig tele­fo­nisch abge­wi­ckel­ten — Wert­pa­pier­ge­schäft nicht in jedem Ein­zel­fall ver­ein­ba­ren zu müs­sen, son­dern sich die­sen für eine Viel­zahl von Fäl­len im Vor­aus schrift­lich erklä­ren zu las­sen. Zugleich bleibt die Ent­schei­dungs­frei­heit des Kun­den bei der hier gewähl­ten Klau­sel­ge­stal­tung gewahrt. Der Kun­de kennt bei Unter­zeich­nung der Behal­tens­ver­ein­ba­rung die regel­mä­ßi­gen Pro­vi­si­ons­span­nen der Beklag­ten, die ihm inner­halb der Rah­men­ver­ein­ba­rung in der Ein­lei­tung zur strei­ti­gen Klau­sel mit­ge­teilt wer­den. Sei­nem wei­ter­ge­hen­den Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se in Bezug auf den wirt­schaft­li­chen Wert sei­nes Anspruchs­ver­zichts wird dadurch Rech­nung getra­gen, dass ihm die Beklag­te wie in der Ein­lei­tung der strei­ti­gen Klau­sel gere­gelt ist die kon­kre­te Pro­vi­si­ons­hö­he vor Abschluss der ein­zel­nen Wert­pa­pier­ge­schäf­te im Fall der Anla­ge­be­ra­tung unauf­ge­for­dert und im Übri­gen auf Nach­fra­ge mit­teilt. Damit wird der Kun­de in die Lage ver­setzt, nach Erhalt nähe­rer Ein­zel­hei­ten zu ent­schei­den, ob er das kon­kre­te Wert­pa­pier­ge­schäft unter Ver­zicht auf einen etwai­gen Her­aus­ga­be­an­spruch täti­gen will. Dabei wird in der Ein­lei­tung der Klau­sel, was sach­ge­recht ist, nach dem Schutz­be­dürf­nis des Kun­den bei der Anla­ge­be­ra­tung einer­seits und dem bera­tungs­frei­en Wert­pa­pier­ge­schäft ande­rer­seits unter­schie­den. Die Abbe­din­gung etwai­ger Her­aus­ga­be­an­sprü­che des Kun­den steht zudem unter der auf­schie­ben­den Bedin­gung, dass die Beklag­te die Pro­vi­sio­nen auch auf­sichts­recht­lich, ins­be­son­de­re nach § 31d WpHG anneh­men darf. Abge­se­hen davon bleibt die Bank, die Anwend­bar­keit des Rechts der Geschäfts­be­sor­gung und der Kom­mis­si­on auf sämt­li­che Wert­pa­pier­ge­schäf­te unter­stellt, ver­pflich­tet, über eine ver­ein­nahm­te Ver­triebs­ver­gü­tung Rechen­schaft abzu­le­gen, so dass der Kun­de deren Höhe im Nach­hin­ein prü­fen kann.


Sofern gesetz­li­che Ansprü­che des Kun­den gegen die Bank auf Her­aus­ga­be ver­ein­nahm­ter Ver­triebs­pro­vi­sio­nen nicht bestehen soll­ten, begeg­net die strei­ti­ge Klau­sel gleich­falls kei­nen inhalt­li­chen Beden­ken. Als rein dekla­ra­to­ri­sche Rege­lung unter­liegt sie in die­sem Fall von vor­ne­her­ein nicht der unein­ge­schränk­ten Inhalts­kon­trol­le (§ 307 Abs. 3 Satz 1 BGB). Zudem kann die Rechts­stel­lung eines Kun­den, dem bereits von Geset­zes wegen kei­ne Her­aus­ga­be­an­sprü­che zuste­hen, durch einen Ver­zicht hier­auf den­knot­wen­dig nicht in unan­ge­mes­se­ner Wei­se ver­kürzt wer­den.


Kroll riet, dies zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er dazu u. a. auch auf die ent­spre­chend spe­zia­li­sier­ten Anwäl­te und Anwäl­tin­nen in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.

 

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