(Kiel) Der unter ande­rem für das Wett­be­werbs­recht zustän­di­ge I. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat heu­te in fünf Sachen, in denen es jeweils um die Fra­ge der Zuläs­sig­keit von Bonus­sys­te­men bei der Abga­be von ver­schrei­bungs­pflich­ti­gen Arz­nei­mit­teln durch EU-Ver­sand­apo­the­ken ging, ent­schie­den, dass die­se bei der Abga­be sol­cher Arz­nei­mit­tel eben­so der deut­schen Arz­nei­mit­tel­preis­bin­dung unter­lie­gen wie deut­sche Apo­the­ken.

 

Dar­auf ver­weist der Frank­fur­ter Rechts­an­walt und Fach­an­walt für gewerb­li­chen Rechts­schutz Dr. Jan Felix Ise­le von der Kanz­lei DANCKELMANN UND KERST, Vize­prä­si­dent der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs (BHG) vom 26.02.2014 zu sei­nem Beschluss vom sel­ben Tage, Az. I ZR 72/08 u. a.


Beklag­te in den Ver­fah­ren I ZR 72/08, I ZR 119/09 und I ZR 120/09 ist eine in den Nie­der­lan­den ansäs­si­ge Apo­the­ke, die im Wege des Inter­net-Ver­sand­han­dels Medi­ka­men­te für den deut­schen Markt anbie­tet. In dem Ver­fah­ren I ZR 77/09 rich­tet sich die Kla­ge gegen drei in Nord­rhein-West­fa­len ansäs­si­ge Apo­the­ken, die für den Ein­kaufs­ser­vice einer in den Nie­der­lan­den ansäs­si­gen Ver­sand­apo­the­ke wer­ben. In dem wei­te­ren Ver­fah­ren I ZR 79/10 ist ein gro­ßes deut­sches Ver­sand­han­dels­un­ter­neh­men beklagt, das mit einem Ein­le­ger in sei­nem Kata­log für eine in den Nie­der­lan­den ansäs­si­ge Ver­sand­apo­the­ke warb, die Boni für die Ein­lö­sung von Rezep­ten ver­sprach.


Die Klä­ger, Betrei­ber von inlän­di­schen Apo­the­ken, die Zen­tra­le zur Bekämp­fung unlau­te­ren Wett­be­werbs sowie zwei Apo­the­ker­ver­bän­de, haben die Ver­hal­tens­wei­se der Beklag­ten unter ande­rem wegen Ver­sto­ßes gegen die im Arz­nei­mit­tel­recht für ver­schrei­bungs­pflich­ti­ge Arz­nei­mit­tel gel­ten­den Preis­bin­dungs­vor­schrif­ten bean­stan­det. Sie haben die Beklag­ten auf Unter­las­sung der Ankün­di­gung oder Gewäh­rung der Boni bzw. Emp­feh­lung der nie­der­län­di­schen Ver­sand­han­dels­apo­the­ke in Anspruch genom­men. Die Beru­fungs­ge­rich­te haben den Kla­gen außer in der Sache I ZR 77/09 statt­ge­ge­ben.


Der I. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat die Fra­ge, ob deut­sches Arz­nei­mit­tel­preis­recht auch für den Apo­the­ken­ab­ga­be­preis ver­schrei­bungs­pflich­ti­ger Arz­nei­mit­tel gilt, die im Wege des Ver­sand­han­dels von einer in einem ande­ren Mit­glied­staat der Euro­päi­schen Uni­on ansäs­si­gen Ver­sand­apo­the­ke im Inland in den Ver­kehr gebracht wer­den, in der Sache I ZR 72/08 beja­hen wol­len, sich hier­an aber durch eine Ent­schei­dung des 1. Senats des Bun­des­so­zi­al­ge­richts gehin­dert gese­hen. Der vom I. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs des­halb ange­ru­fe­ne Gemein­sa­me Senat der obers­ten Gerichts­hö­fe des Bun­des hat ent­schie­den, dass die Vor­schrif­ten des Arz­nei­mit­tel­ge­set­zes eine aus­rei­chen­de Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge dar­stel­len, aus­län­di­sche Ver­sand­apo­the­ken, die ver­schrei­bungs­pflich­ti­ge Arz­nei­mit­tel im Inland an End­ver­brau­cher abge­ben, deut­schem Arz­nei­mit­tel­preis­recht zu unter­wer­fen.


Der I. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat nun­mehr abschlie­ßend auf der Grund­la­ge des Beschlus­ses des Gemein­sa­men Senats vom 22. August 2012 ent­schie­den. In den Sachen I ZR 72/08, I ZR 119/09, I ZR 120/09 hat der Bun­des­ge­richts­hof nur noch über die Kos­ten­tra­gung ent­schie­den, nach­dem die Par­tei­en in der münd­li­chen Revi­si­ons­ver­hand­lung den Rechts­streit in der Haupt­sa­che über­ein­stim­mend für erle­digt erklärt hat­ten. Er hat den Beklag­ten die Kos­ten des Rechts­streits auf­er­legt, da ihre Rechts­mit­tel kei­nen Erfolg gehabt hät­ten, wenn es nicht zur Erle­di­gung der Haupt­sa­che gekom­men wäre. In der Sache I ZR 79/10 hat er die Revi­si­on der Beklag­ten zurück­ge­wie­sen. In der Sache I ZR 77/09 hat der Bun­des­ge­richts­hof auf die Revi­si­on der Klä­ge­rin das der Kla­ge statt­ge­ben­de Urteil ers­ter Instanz wie­der­her­ge­stellt. Nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs war in dem zugrun­de­lie­gen­den Sach­ver­halt nicht ent­schei­dend, dass die nie­der­län­di­sche Ver­sand­apo­the­ke die Ver­brau­cher, die bei ihr ver­schrei­bungs­pflich­ti­ge Arz­nei­mit­tel bestel­len, bei dem bean­stan­de­ten Geschäfts­mo­dell nicht direkt, son­dern unter Ein­schal­tung der Beklag­ten belie­fert, da die hin­sicht­lich des Erfül­lungs­orts getrof­fe­ne Rege­lung ersicht­lich der Umge­hung des deut­schen Arz­nei­mit­tel­preis­rechts dient.


Rechts­an­walt Dr. Ise­le emp­fahl, dies zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de — ver­wies.


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