(Kiel) Der für das Gesell­schafts­recht zustän­di­ge II. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat ent­schie­den, dass die zwei­wö­chi­ge Frist zur Erklä­rung der frist­lo­sen Kün­di­gung eines Geschäfts­füh­rer­an­stel­lungs­ver­trags erst ab posi­ti­ver Kennt­nis des Kün­di­gungs­be­rech­tig­ten vom Kün­di­gungs­grund läuft.

Dar­auf ver­weist der Nürn­ber­ger Fach­an­walt für Erb‑, Steu­er sowie Han­dels- und Gesell­schafts­recht Dr. Nor­bert Gie­se­ler, Vize­prä­si­dent der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 9.04.2013 zu sei­nem Urteil vom sel­ben Tage, Az. II ZR 273/11.

Der Klä­ger war zunächst Geschäfts­füh­rer einer Toch­ter­ge­sell­schaft der Stadt­spar­kas­se Düs­sel­dorf, dann Geschäfts­füh­rer der beklag­ten GmbH, deren allei­ni­ge Gesell­schaf­te­rin die Toch­ter­ge­sell­schaft ist. Im Jahr 2000 unter­zeich­ne­te der Klä­ger einen Bera­ter­ver­trag der Toch­ter­ge­sell­schaft mit einem Köl­ner Kom­mu­nal­po­li­ti­ker für die beab­sich­tig­te Auf­la­ge eines Fonds unter Betei­li­gung der Stadt­spar­kas­se Düs­sel­dorf, ihrer Toch­ter­ge­sell­schaft und der Stadt­spar­kas­se Köln. Nach dem Vor­trag der Beklag­ten beruh­te dies auf einer Abspra­che zwi­schen dem Vor­stands­vor­sit­zen­den der Stadt­spar­kas­se Köln und dem Vor­stands­vor­sit­zen­den der Stadt­spar­kas­se Düs­sel­dorf, nach der der Kom­mu­nal­po­li­ti­ker kei­ne Bera­tungs­leis­tung erbrin­gen soll­te. Der Kom­mu­nal­po­li­ti­ker erhielt ein jähr­li­ches Hono­rar von 200.000 DM, das ver­ein­ba­rungs­ge­mäß von der Stadt­spar­kas­se Köln erstat­tet wur­de. Im Jahr 2004 wur­de der Bera­ter­ver­trag mit teil­wei­ser Rück­wir­kung auf­ge­ho­ben.

Nach der Ver­öf­fent­li­chung von Pres­se­be­rich­ten, nach denen es sich um einen Schein­be­ra­ter­ver­trag gehan­delt habe und die zum Rück­tritt des Kom­mu­nal­po­li­ti­kers als Bür­ger­meis­ter führ­ten, wur­de der Klä­ger am 16. Febru­ar 2009 als Geschäfts­füh­rer der Beklag­ten abbe­ru­fen und sein Anstel­lungs­ver­trag frist­los gekün­digt.

Der Klä­ger ver­langt die Fest­stel­lung, dass die Kün­di­gung sei­nes Dienst­ver­hält­nis­ses unwirk­sam sei.

Das Land­ge­richt hat die Kla­ge abge­wie­sen. Auf die Beru­fung des Klä­gers hat das Ober­lan­des­ge­richt fest­ge­stellt, dass die Kün­di­gung des Dienst­ver­tra­ges nach § 626 Abs. 2 BGB wegen Ver­säu­mung der Kün­di­gungs­frist unwirk­sam sei.

Auf die Revi­si­on der Beklag­ten hat der Bun­des­ge­richts­hof das Beru­fungs­ur­teil auf­ge­ho­ben und die Sache zur wei­te­ren Auf­klä­rung des Sach­ver­halts an das Beru­fungs­ge­richt zurück­ver­wie­sen, so Dr. Gie­se­ler.

Er hat die Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts zur Ver­fris­tung der Kün­di­gungs­er­klä­rung als nicht aus­rei­chend ange­se­hen. Die Frist begann erst mit posi­ti­ver Kennt­nis der neu­en Geschäfts­füh­rer der Toch­ter­ge­sell­schaft vom Kün­di­gungs­grund zu lau­fen. Grob­fahr­läs­si­ge Unkennt­nis genügt nicht, so dass kei­ne Pflicht der Geschäfts­füh­rer bestand, aus Anlass der Auf­he­bung des Bera­ter­ver­trags zu ermit­teln, ob er nur zum Schein abge­schlos­sen wur­de. Eine posi­ti­ve Kennt­nis hat das Beru­fungs­ge­richt nicht rechts­feh­ler­frei fest­ge­stellt.

Dr. Gie­se­ler riet, dies zu beach­ten und ver­wies dabei für Rechts­fra­gen u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de

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