(Kiel) Der u. a. für das Bank­recht zustän­di­ge XI. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat am 21.12.2010 ent­schie­den, dass der Bank bei Unwirk­sam­keit der Zins­än­de­rungs­klau­sel in einem Prä­mi­en­spar­ver­trag kein geschäfts­po­li­ti­sches Ermes­sen bei Fest­le­gung des statt des­sen gel­ten­den lau­fen­den Zins­sat­zes zusteht.

Die ent­stan­de­ne Ver­trags­lü­cke ist viel­mehr im Wege einer ergän­zen­den Ver­trags­aus­le­gung (§§ 133,157 BGB) durch Her­an­zie­hung von Zins­sät­zen zu schlie­ßen, die der Zins­ent­wick­lung des kon­kre­ten Prä­mi­en­spar­ver­trags mög­lichst nahe kom­men.

Dar­auf ver­weist der Frank­fur­ter Fach­an­walt für Ver­wal­tungs­recht Klaus Hün­lein von der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf das ent­spre­chen­de Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) – XI ZR 52/08.

Die Klä­ge­rin begehrt von den beklag­ten Ban­ken aus eige­nem und aus abge­tre­te­nem Recht ihrer Geschwis­ter die Nach­zah­lung von Zin­sen aus 24 aus­ge­lau­fe­nen Spar­ver­trä­gen. Die Spar­ver­trä­ge wur­den zwi­schen dem 25. Sep­tem­ber 1986 und dem 30. März 1989 mit einer Lauf­zeit von jeweils 15 Jah­ren und einer Kün­di­gungs­frist von vier Jah­ren geschlos­sen. Sie sahen lau­fen­de, nach den Bedin­gun­gen der Beklag­ten für Spar­kon­ten “jeweils durch Aus­hang im Kas­sen­raum der kon­to­füh­ren­den Stel­le bekannt gege­be­ne Zin­sen” sowie abschlie­ßen­de Bonus­zah­lun­gen von bis zu 15 % der Spar­sum­me vor. Auf Grund­la­ge einer von der Bun­des­bank ver­öf­fent­lich­ten “Zeit­rei­he WZ9816” und fünf­jäh­ri­ger glei­ten­der Durch­schnitt­szin­sen wur­den von den Beklag­ten die Zin­sen ange­passt und am Ende der regu­lä­ren Ver­trags­lauf­zeit das sich dar­aus erge­ben­de Gut­ha­ben zuzüg­lich des jewei­li­gen Bonus aus­be­zahlt.

Die Klä­ge­rin, die die Zins­än­de­rungs­klau­sel für unwirk­sam und die wäh­rend der Lauf­zeit der Spar­ver­trä­ge gewähr­te Ver­zin­sung für zu nied­rig hält, hat die Beklag­ten auf Zah­lung von 38.698,62 € bzw. 37.812,57 € jeweils zuzüg­lich Zin­sen in Anspruch genom­men. Die Kla­ge ist in ers­ter Instanz abge­wie­sen wor­den. Auf die Beru­fung der Klä­ge­rin sind die Beklag­ten zur Zah­lung von jeweils 4.074,24 € nebst Zin­sen ver­ur­teilt wor­den.

Die von dem Senat zuge­las­se­ne Revi­si­on der Klä­ge­rin, mit der die­se ihre Zah­lungs­an­trä­ge wei­ter­ver­folgt, führ­te zur Auf­he­bung des Beru­fungs­ur­teils und zur Zurück­ver­wei­sung der Sache an das Beru­fungs­ge­richt, betont Hün­lein.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat ent­spre­chend den zuletzt in sei­nem Urteil vom 13. April 2010 (XI ZR 197/09) dar­ge­stell­ten Grund­sät­zen ent­schie­den, dass die Zins­än­de­rungs­klau­sel in den All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen der Beklag­ten gemäß § 308 Nr. 4 BGB unwirk­sam ist, weil sie nicht das erfor­der­li­che Min­dest­maß an Kon­trol­lier­bar­keit mög­li­cher Zins­än­de­run­gen auf­weist. Die durch die Unwirk­sam­keit der Zins­än­de­rungs­klau­sel ent­stan­de­ne Ver­trags­lü­cke konn­te — ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Beru­fungs­ge­richts — nicht durch ein ein­sei­ti­ges Leis­tungs­be­stim­mungs­recht der beklag­ten Ban­ken zur Zins­an­pas­sung gemäß § 315 Abs. 1 BGB geschlos­sen wer­den. Die erfor­der­li­che ergän­zen­de Ver­trags­aus­le­gung (§§ 133, 157 BGB) ver­langt viel­mehr die Klä­rung, wel­che Rege­lung die Par­tei­en in Kennt­nis der Unwirk­sam­keit der Klau­sel nach dem Ver­trags­zweck und unter ange­mes­se­ner Abwä­gung der bei­der­sei­ti­gen Inter­es­sen gewählt hät­ten. Dage­gen besteht kein Raum für ein ein­sei­ti­ges geschäfts­po­li­ti­sches Ermes­sen der beklag­ten Ban­ken.

Der Refe­renzzins, des­sen Ver­än­de­rung nach dem mut­maß­li­chen Par­tei­wil­len Anlass und Höhe der Zins­an­pas­sun­gen bestimmt, hat sich bei Spar­ein­la­gen, die wegen des damit ver­bun­de­nen Ver­lus­tes der Abschluss­bo­ni wirt­schaft­lich sinn­voll nicht vor­zei­tig gekün­digt wer­den, grund­sätz­lich an Zin­sen für ver­gleich­ba­re lang­fris­ti­ge Spar­ein­la­gen zu ori­en­tie­ren. Die­sen Anfor­de­run­gen ent­spricht die vom Beru­fungs­ge­richt akzep­tier­te Berech­nung der beklag­ten Ban­ken nicht.

Schließ­lich hat der Bun­des­ge­richts­hof bean­stan­det, dass das Beru­fungs­ge­richt Ansprü­che der Klä­ge­rin auf Zins­nach­zah­lung um fik­ti­ve Kapi­tal­ertrag­steu­er gekürzt hat, die ange­fal­len wäre, wenn die beklag­ten Ban­ken in zurück­lie­gen­den Jah­ren höhe­re Zin­sen gezahlt hät­ten. Da sol­che Steu­ern bis­her weder ent­stan­den noch von den Ban­ken für die Klä­ge­rin an die Finanz­be­hör­den abge­führt wor­den sind, konn­ten sie das von den Beklag­ten zu ver­zin­sen­de Kapi­tal bis­her nicht redu­zie­ren und beein­flus­sen damit – unge­ach­tet einer künf­ti­gen Abfüh­rungs­pflicht der Ban­ken im Zeit­punkt der tat­säch­li­chen Zah­lung nach­träg­li­cher Zin­sen – das bei Been­di­gung der Spar­ver­trä­ge bestehen­de Gut­ha­ben nicht.

Rechts­an­walt Hün­lein emp­fahl, die Ent­schei­dung zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len um recht­li­chen Rat nach­zu­su­chen, wozu er u. a. auch auf die auf Kapi­tal­markt­recht spe­zia­li­sier­ten Anwäl­te/-innen in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e.V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.


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