(Kiel) Der Bun­des­ge­richts­hof (BGH) hat am 21.04.2009 auf die Ver­bands­kla­gen eines Ver­brau­cher­schutz­ver­ban­des gegen zwei Spar­kas­sen ent­schie­den, dass eine Klau­sel, die Nr. 17 Abs. 2 Satz 1 AGB-Spar­kas­sen nach­ge­bil­det ist, im Bank­ver­kehr mit Pri­vat­kun­den (Ver­brau­chern) nicht ver­wen­det wer­den darf, weil sie die­se unan­ge­mes­sen benach­tei­ligt und des­we­gen nach § 307 BGB unwirk­sam ist. (BGH AZ  XI ZR 55/08 und XI ZR 78/08).

Dar­auf ver­weist die Ham­bur­ger Fach­an­wäl­tin für Urhe­ber- und Medi­en­recht Karin Scheel-Pötzl von der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf die soeben ver­öf­fent­lich­te Pres­se­mit­tei­lung des BGH.
Es han­delt sich dabei um fol­gen­de Klau­sel aus den All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen:


• Nr. 17 – Ent­gel­te, Kos­ten und Aus­la­gen


(…)


(2) Fest­set­zung und Aus­weis der Ent­gel­te


Soweit nichts ande­res ver­ein­bart ist, wer­den die Ent­gel­te im Pri­vat- und Geschäfts­kun­den­be­reich von der Spar­kas­se unter Berück­sich­ti­gung der Markt­la­ge (z.B. Ver­än­de­rung des all­ge­mei­nen Zins­ni­veaus) und des Auf­wan­des nach gemäß § 315 des Bür­ger­li­chen Gesetz­bu­ches nach­prüf­ba­rem bil­li­gen Ermes­sen fest­ge­legt und geän­dert. (…)


Die Instanz­ge­rich­te haben der Unter­las­sungs­kla­ge jeweils statt­ge­ge­ben. Die Revi­sio­nen der beklag­ten Spar­kas­sen hat der BGH nun zurück­ge­wie­sen, so Scheel-Pötzl.
Nach der im Ver­bands­kla­ge­pro­zess gebo­te­nen kun­den­feind­lichs­ten Aus­le­gung berech­ti­ge die Klau­sel die Spar­kas­sen zur Erhe­bung von Ent­gel­ten auch für sol­che Leis­tun­gen, für die sie eine Ver­gü­tung nicht bean­spru­chen kön­nen, weil sie die­se auf­grund eige­ner gesetz­li­cher oder neben­ver­trag­li­cher Pflich­ten erbrin­gen müs­sen oder sie aus­schließ­lich im eige­nen Inter­es­se vor­neh­men (z.B. Bear­bei­tung von Kon­ten­pfän­dun­gen, Bar­aus­zah­lun­gen am Schal­ter und Arbei­ten im Zusam­men­hang mit der Abfüh­rung von Steu­ern).
Klau­seln die – wie die hier ange­grif­fe­ne — es einem Kre­dit­in­sti­tut ermög­li­chen, Ent­gel­te für Tätig­kei­ten zu erhe­ben, zu denen es gesetz­lich und neben­ver­trag­lich ver­pflich­tet ist oder die es im eige­nen Inter­es­se erbringt, hal­ten nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs der Inhalts­kon­trol­le nach § 307 BGB nicht stand, weil sie mit wesent­li­chen Grund­ge­dan­ken der gesetz­li­chen Rege­lung, von der sie abwei­chen, nicht ver­ein­bar sind und die Kun­den ent­ge­gen den Gebo­ten von Treu und Glau­ben unan­ge­mes­sen benach­tei­li­gen.


Auch das in der Klau­sel ent­hal­te­ne ein­sei­ti­ge Preis­än­de­rungs­recht benach­tei­li­ge die Spar­kas­sen­kun­den unan­ge­mes­sen, weil die Vor­aus­set­zun­gen, die die Spar­kas­sen zu einer Ände­rung berech­ti­gen, unklar sind und die Klau­sel kei­ne ein­deu­ti­ge Pflicht der Spar­kas­sen zur Her­ab­set­zung der Ent­gel­te bei sin­ken­den Kos­ten ent­hält. Sie ent­hält für den Fall einer Preis­er­hö­hung kei­ne Bin­dung an den Umfang der Kos­ten­stei­ge­rung und für den Fall sin­ken­der Kos­ten kei­ne Ver­pflich­tung der Spar­kas­sen zur Sen­kung der Ent­gel­te. Dadurch wer­de es den Spar­kas­sen ermög­licht, Preis­än­de­run­gen nicht nur zur Abwäl­zung eige­ner Kos­ten, son­dern zur Stei­ge­rung ihres Gewinns vor­zu­neh­men und so das ursprüng­lich ver­ein­bar­te ver­trag­li­che Äqui­va­lenz­ver­hält­nis zu ihren Guns­ten zu ver­än­dern.


Dies gel­te auch hin­sicht­lich des in der Klau­sel ent­hal­te­nen ein­sei­ti­gen Zins­an­pas­sungs­rechts der Spar­kas­sen. Zwar habe der Bun­des­ge­richts­hof mit Urteil vom 6. März 1986 (BGHZ 97, 212 ff.) eine unbe­stimm­te Zins­an­pas­sungs­klau­sel einer Bank im Kre­dit­ge­schäft nicht als unwirk­sam ange­se­hen, son­dern ihr ledig­lich im Wege der Aus­le­gung einen bestimm­ten Inhalt bei­gelegt. Der erken­nen­de Senat hat aber bereits in der Ver­gan­gen­heit Zwei­fel geäu­ßert, ob an die­ser Recht­spre­chung noch fest­ge­hal­ten wer­den kann.
Er gibt sie nun­mehr in Über­ein­stim­mung mit der zwi­schen­zeit­lich ergan­ge­nen instanz­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung und der ganz herr­schen­den Mei­nung in der Lite­ra­tur auf. Auch für Zins­an­pas­sungs­klau­seln sind die all­ge­mei­nen Grund­sät­ze für Preis­an­pas­sungs­klau­seln zu beach­ten. Danach muss eine Zins­än­de­rungs­klau­sel das Äqui­va­lenz­prin­zip beach­ten und darf die Bank nicht ein­sei­tig begüns­ti­gen. Nach die­sen Grund­sät­zen hält das ange­grif­fe­ne Zins­an­pas­sungs­recht der Inhalts­kon­trol­le eben­so wenig wie das Preis­än­de­rungs­recht stand.


Scheel-Pötzl emp­fahl allen Ban­ken und Spar­kas­sen sowie allen Bank­kun­den, das Urteil zu beach­ten und bei ähn­li­chen Fäl­len auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len und ver­wies in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  -


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