(Kiel) Der u. a. für das Bank­recht zustän­di­ge XI. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat auf zwei Ver­bands­kla­gen eines Ver­brau­cher­schutz­ver­eins gegen eine Spar­kas­se sowie gegen eine Bank ent­schie­den, dass die nach­fol­gen­de, den — inhalt­lich gleich­lau­ten­den — Bestim­mun­gen in Nr. 18 AGB-Spar­kas­sen und in Nr. 12 Abs. 6 AGB-Ban­ken ent­spre­chen­de Klau­sel im Bank­ver­kehr mit Pri­vat­kun­den (Ver­brau­chern) nicht ver­wen­det wer­den darf, weil sie die­se unan­ge­mes­sen benach­tei­ligt und des­we­gen nach § 307 BGB unwirk­sam ist:

Aus­la­gen

Die [Sparkasse/Bank] ist berech­tigt, dem Kun­den Aus­la­gen in Rech­nung zu stel­len, die anfal­len, wenn die [Sparkasse/Bank] in sei­nem Auf­trag oder sei­nem mut­maß­li­chen Inter­es­se tätig wird (ins­be­son­de­re für Fern­ge­sprä­che, Por­ti) oder wenn Sicher­hei­ten bestellt, ver­wal­tet, frei­ge­ge­ben oder ver­wer­tet wer­den (ins­be­son­de­re Notar­kos­ten, Lager­gel­der, Kos­ten der Bewa­chung von Siche­rungs­gut).”

Dar­auf ver­weist der Frank­fur­ter Fach­an­walt für Bank- und Kapi­tal­markt­recht Klaus Hün­lein von der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis die Mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 8.05.2012 zu sei­nem Urteil vom glei­chen Tage, Az.: XI ZR 61/11.

Die Instanz­ge­rich­te haben der Unter­las­sungs­kla­ge jeweils statt­ge­ge­ben. Die Revi­sio­nen der beklag­ten Spar­kas­se und der beklag­ten Bank hat der XI. Zivil­se­nat zurück­ge­wie­sen und zur Begrün­dung aus­ge­führt:

Der ers­te Rege­lungs­ab­schnitt der strei­ti­gen Klau­sel (“Die [Sparkasse/Bank] ist berech­tigt, dem Kun­den Aus­la­gen in Rech­nung zu stel­len, die anfal­len, wenn die [Sparkasse/Bank] in sei­nem Auf­trag oder sei­nem mut­maß­li­chen Inter­es­se tätig wird (ins­be­son­de­re für Fern­ge­sprä­che, Por­ti”)) ent­hal­te kei­ne Preis­ab­re­de für eine ent­gelt­li­che Dienst­leis­tung der Spar­kas­se bzw. Bank. Viel­mehr gehe es um Aus­la­gen­er­satz für Tätig­kei­ten des Geld­in­sti­tuts im Rah­men eines Auf­trags (§§ 662 ff. BGB) oder einer berech­tig­ten Geschäfts­füh­rung ohne Auf­trag (§§ 677, 683 BGB). Nach der — auch im Rah­men einer Geschäfts­füh­rung ohne Auf­trag gel­ten­den — Vor­schrift des § 670 BGB kön­ne der Beauf­trag­te jedoch nur sol­che Auf­wen­dun­gen ersetzt ver­lan­gen, die er den Umstän­den nach für erfor­der­lich hal­ten dür­fe. Die­se Ein­schrän­kung sehe die strei­ti­ge Klau­sel nicht vor. Sie kön­ne ihr auch nicht im Wege der Aus­le­gung, die am Ver­ständ­nis­ho­ri­zont eines rechts­un­kun­di­gen durch­schnitt­li­chen Ver­brau­chers aus­zu­rich­ten sei, ent­nom­men wer­den. Ins­be­son­de­re erge­be sie sich nicht allein aus dem Begriff der “Aus­la­gen”, der auch umgangs­sprach­lich weit­ge­hend mit dem­je­ni­gen der “Auf­wen­dun­gen” gleich­ge­setzt wer­de. Die blo­ße Anknüp­fung an einen “Auf­trag” des Kun­den oder an des­sen “mut­maß­li­ches Inter­es­se” hel­fe inso­weit eben­falls nicht wei­ter, da sich hier­aus nichts für die Fra­ge der Erfor­der­lich­keit kon­kret ange­fal­le­ner Kos­ten erge­be. Der hier­nach eröff­ne­ten Inhalts­kon­trol­le hal­te die Klau­sel mit ihrem ers­ten Rege­lungs­ab­schnitt nach § 307 Abs. 1 Satz 1, Abs. 2 Nr. 1 BGB nicht stand, weil der Spar­kas­se bzw. Bank danach ein über die gesetz­li­chen Schran­ken des § 670 BGB hin­aus­ge­hen­der Auf­wen­dungs­er­satz­an­spruch gegen ihre Kun­den zuste­he.

Der zwei­te Rege­lungs­ab­schnitt der strei­ti­gen Klau­sel (“oder wenn Sicher­hei­ten bestellt, ver­wal­tet, frei­ge­ge­ben oder ver­wer­tet wer­den (ins­be­son­de­re Notar­kos­ten, Lager­gel­der, Kos­ten der Bewa­chung von Siche­rungs­gut”)) unter­lie­ge eben­falls der Inhalts­kon­trol­le. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs sei­en gemäß § 307 Abs. 3 Satz 1 BGB sol­che Klau­seln kon­troll­fä­hig, durch die all­ge­mei­ne Betriebs­kos­ten, Auf­wand zur Erfül­lung eige­ner Pflich­ten oder für Tätig­kei­ten im eige­nen Inter­es­se auf den Kun­den abge­wälzt wer­de. Das tref­fe auf den zwei­ten Rege­lungs­ab­schnitt der ange­grif­fe­nen Bestim­mung zu. Die gesetz­li­che Ein­schrän­kung, dass Auf­wen­dungs­er­satz nur zum Zwe­cke der Aus­füh­rung des Auf­trags (§ 670 BGB) bzw. nur dann ver­langt wer­den kön­ne, wenn die Über­nah­me der Geschäfts­füh­rung dem Inter­es­se und dem wirk­li­chen oder dem mut­maß­li­chen Wil­len des Geschäfts­herrn ent­spre­che, kom­me dar­in nicht zum Aus­druck. Sie las­se sich in die­sem Zusam­men­hang der Klau­sel gleich­falls nicht im Wege der Aus­le­gung — ins­be­son­de­re auch hier nicht allein anhand des Aus­la­gen­be­griffs — ent­neh­men. Zudem lägen die ange­führ­ten Tätig­kei­ten des Bestel­lens, Ver­wal­tens und Ver­wer­tens von Sicher­hei­ten allein im Inter­es­se der Spar­kas­se bzw. Bank. Die Frei­ga­be von Sicher­hei­ten, mit der das Kre­dit­in­sti­tut regel­mä­ßig nur einer eige­nen Ver­pflich­tung nach­kom­me, sei ledig­lich die Kehr­sei­te ihrer Bestel­lung. Der danach eröff­ne­ten Inhalts­kon­trol­le hal­te auch der zwei­te Rege­lungs­ab­schnitt der strei­ti­gen Klau­sel gemäß § 307 Abs. 1 Satz 1, Abs. 2 Nr. 1 BGB nicht stand, weil der Spar­kas­se bzw. Bank danach ein — zudem unein­ge­schränk­ter — Auf­wen­dungs­er­satz­an­spruch für in ihrem eige­nen Inter­es­se lie­gen­de Tätig­kei­ten zuste­he.

Rechts­an­walt Hün­lein emp­fahl daher, dies zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len um recht­li­chen Rat nach­zu­su­chen, wozu er u. a. auch auf die auf Bank- und Kapi­tal­markt­recht spe­zia­li­sier­ten Anwäl­te/-innen in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e.V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.

Für Rück­fra­gen steht Ihnen zur Ver­fü­gung:

Klaus Hün­lein
Rechts­an­walt
Fach­an­walt für Bank- und Kapi­tal­markt­recht
Fach­an­walt für Ver­wal­tungs­recht
Eschen­hei­mer Anla­ge 1, 60316 Frank­furt
Tele­fon: 069/4800 7890 , Fax: 069/4800789–50
Email: rae@huenlein.de — www.huenlein.de