(Kiel) Der Bun­des­ge­richts­hof hat in einem am 8.12.2011 bekannt gege­be­nen Urteil ein frü­he­res Urteil des Ober­lan­des­ge­richts (OLG) Karls­ru­he zuguns­ten des frü­he­ren Bun­des­ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Prof. Dr. Rupert Scholz auf­ge­ho­ben, in wel­chem das OLG Karls­ru­he der Mei­nung gewe­sen war, der Exmi­nis­ter kön­ne nicht nach den Grund­sät­zen der soge­nann­ten Pro­spekt­haf­tung für Feh­ler in einem Emis­si­ons­pro­spekt in Anspruch genom­men wer­den.

Dar­auf ver­weist der Ham­bur­ger Rechts­an­walt Mat­thi­as W. Kroll, LL.M., Lei­ter des Fach­aus­schus­ses „Finanz­dienst­leis­tungs- und Ver­si­che­rungs­recht” der DASV Deut­schen Anwalt- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e.V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf ein am 8.12.2011 ver­öf­fent­lich­tes Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 17. Novem­ber 2011 — III ZR 103/10.

Die hier kla­gen­den Ehe­leu­te hat­ten sich im Okto­ber 2004 an einer Publi­kums­kom­man­dit­ge­sell­schaft betei­ligt, die einen Fonds betrei­ben soll­te. Über das Ver­mö­gen die­ser Gesell­schaft wur­de spä­ter das Insol­venz­ver­fah­ren eröff­net. Die Klä­ger nah­men dar­auf­hin meh­re­re Beklag­te, dar­un­ter Rupert Scholz, auf Scha­dens­er­satz in Anspruch. Dabei stüt­zen sie sich dar­auf, dass dem Ver­trieb der Kapi­tal­an­la­ge ein Emis­si­ons­pro­spekt zugrun­de gele­gen habe, der unrich­ti­ge und unvoll­stän­di­ge Anga­ben ent­hielt. Beim Ver­trieb der Anla­ge war in einer wei­te­ren Wer­be­bro­schü­re damit gewor­ben wor­den, dass Rupert Scholz Vor­sit­zen­der des Bei­rats einer Gesell­schaft sei, die den Fonds initi­iert hat­te. In die­sem Zusam­men­hang wur­den posi­ti­ve Äuße­run­gen von Rupert Scholz über die Gesell­schaft und die für die­se han­deln­den Per­so­nen wie­der­ge­ge­ben.

Das Land­ge­richt Mos­bach hat­te der Kla­ge gegen Rupert Scholz statt­ge­ge­ben. Er habe durch sein Mit­wir­ken bei der Anle­ger­wer­bung, ver­bun­den mit sei­ner her­aus­ge­ho­be­nen beruf­li­chen Stel­lung und Sach­kun­de, beson­de­res per­sön­li­ches Ver­trau­en in Anspruch genom­men und habe des­halb für die Feh­ler­haf­tig­keit der Pro­spekt­an­ga­ben ein­zu­ste­hen.

Der 6. Zivil­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts Karls­ru­he hat die­se Ent­schei­dung dann auf­ge­ho­ben und die gegen Rupert Scholz gerich­te­te Kla­ge abge­wie­sen, woge­gen die Klä­ger Revi­si­on beim BGH ein­leg­ten und zwar mit Erfolg, wie Kroll betont.

Auf die Revi­si­on der Klä­ger hat der BGH das Urteil des Ober­lan­des­ge­richts Karls­ru­he vom 28. April 2010 auf­ge­ho­ben und zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung, auch über die Kos­ten des Revi­si­ons­rechts­zugs, an das Beru­fungs­ge­richt zurück­ver­wie­sen.

Der BGH kam zu dem Ergeb­nis, dass auch ein kör­per­lich von dem aus­drück­lich als Emis­si­ons­pro­spekt bezeich­ne­ten Druck­werk getrenn­tes Schrift­stück, das zusam­men mit die­sem ver­trie­ben wird, bei der gebo­te­nen Gesamt­be­trach­tung Bestand­teil eines Anla­ge­pro­spekts im Rechts­sinn sein kann.

Unter Anwen­dung die­ser Maß­stä­be, der ihnen zugrun­de lie­gen­den Wer­tun­gen und der erfor­der­li­chen Gesamt­be­trach­tung habe Rupert Scholz ent­ge­gen der Ansicht des Beru­fungs­ge­richts wegen sei­ner Äuße­run­gen in den Zeit­schrif­ten die Stel­lung eines Ver­ant­wort­li­chen nach den Grund­sät­zen der Pro­spekt­haf­tung im enge­ren Sin­ne. Er müs­se sich gegen­über geschä­dig­ten Anle­gern an sei­nen “ver­trau­ens­bil­den­den” Erklä­run­gen fest­hal­ten las­sen. Wenn er — wie er gel­tend mache — kei­ner­lei Ein­fluss aus­ge­übt und kei­ner­lei Prü­fun­gen vor­ge­nom­men haben soll­te, so hät­te er sei­ne Aus­sa­gen nicht so wie gesche­hen tref­fen dür­fen.

In der Gesamt­schau sei­ner Aus­sa­gen in den Pres­se­ver­öf­fent­li­chun­gen habe Rupert Scholz zudem den Anschein erweckt, er set­ze sich beson­ders für die Belan­ge der ein­zel­nen Anle­ger ein. Sei­ne Aus­sa­gen könn­ten von einem durch­schnitt­li­chen Anla­ge­in­ter­es­sen­ten dahin­ge­hend ver­stan­den wer­den, er bie­te eine zusätz­li­che, von ihm aus­ge­hen­de Gewähr für die Sicher­heit der Inves­ti­ti­on und das Gelin­gen des Anla­ge­ge­schäfts.

Das Ver­fah­ren muss daher nun vom OLG Karls­ru­he neu auf­ge­rollt wer­den. Auf den Aus­gang dür­fe man gespannt sein, so Kroll.

Er riet, den Aus­gang zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er dazu u. a. auch auf die ent­spre­chend spe­zia­li­sier­ten Anwäl­te und Anwäl­tin­nen in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.

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Mat­thi­as W. Kroll, LL.M.
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