(Kiel) Ein File-Hos­ting-Dienst ist zu einer umfas­sen­den regel­mä­ßi­gen Kon­trol­le der Link­samm­lun­gen ver­pflich­tet, die auf sei­nen Dienst ver­wei­sen, wenn er durch sein Geschäfts­mo­dell Urhe­ber­rechts­ver­let­zun­gen in erheb­li­chem Umfang Vor­schub leis­tet.


Das, so der Frank­fur­ter Rechts­an­walt und Fach­an­walt für gewerb­li­chen Rechts­schutz Dr. Jan Felix Ise­le von der Kanz­lei DANCKELMANN UND KERST, Vize­prä­si­dent der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 3.09.2013 hat der u.a. für das Urhe­ber­recht zustän­di­ge I. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs in einem Urteil vom 15. August 2013 (Az. I ZR 80/12 — File-Hos­ting-Dienst) ent­schie­den, des­sen Ent­schei­dungs­grün­de nun ver­öf­fent­licht wor­den sind.


Die Klä­ge­rin ist die GEMA, die als Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft die Ver­wer­tungs­rech­te von Musikur­he­bern (Kom­po­nis­ten und Text­dich­tern) wahr­nimmt. Die Beklag­te betreibt einen File-Hos­ting-Dienst; sie stellt unter der Inter­net­adres­se www.rapidshare.com Spei­cher­platz im Inter­net zur Ver­fü­gung. Die Nut­zer des Diens­tes kön­nen eige­ne Datei­en auf der Inter­net­sei­te der Beklag­ten hoch­la­den, die dann auf deren Ser­vern abge­spei­chert wer­den. Dem Nut­zer wird ein Link über­mit­telt, mit dem die abge­leg­te Datei auf­ge­ru­fen wer­den kann. Die Beklag­te kennt weder den Inhalt der hoch­ge­la­de­nen Datei­en, noch hält sie ein Inhalts­ver­zeich­nis der Datei­en vor. Spe­zi­el­le Such­ma­schi­nen (sog. “Link­samm­lun­gen”) gestat­ten aber, nach bestimm­ten Datei­en auf den Ser­vern der Beklag­ten zu suchen.


Die Klä­ge­rin macht gel­tend, 4.815 im Ein­zel­nen bezeich­ne­te Musik­wer­ke sei­en ohne ihre Zustim­mung über den Dienst der Beklag­ten öffent­lich zugäng­lich gemacht wor­den und könn­ten dort her­un­ter­ge­la­den wer­den. Die Klä­ge­rin sieht dar­in eine Urhe­ber­rechts­ver­let­zung und ver­langt von der Beklag­ten Unter­las­sung.


Die Kla­ge war in bei­den Vor­in­stan­zen erfolg­reich. Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Revi­si­on der Beklag­ten zurück­ge­wie­sen. Soweit das Beru­fungs­ge­richt auch ein Mit­glied des Ver­wal­tungs­rats und einen frü­he­ren Geschäfts­füh­rer der Beklag­ten zur Unter­las­sung ver­ur­teilt hat­te, hat der Bun­des­ge­richts­hof das Beru­fungs­ur­teil wegen feh­len­der Fest­stel­lun­gen zur Ver­ant­wort­lich­keit die­ser Per­so­nen für die Urhe­ber­rechts­ver­let­zun­gen auf­ge­ho­ben.


Der Bun­des­ge­richts­hof hat­te bereits im ver­gan­ge­nen Jahr ent­schie­den, dass File-Hos­ting-Diens­te für Urhe­ber­rechts­ver­let­zun­gen ihrer Nut­zer als Stö­rer auf Unter­las­sung haf­ten, wenn sie nach einem Hin­weis auf eine kla­re Urhe­ber­rechts­ver­let­zung die ihnen oblie­gen­den Prü­fungs­pflich­ten nicht ein­hal­ten und es des­we­gen zu wei­te­ren gleich­ar­ti­gen Rechts­ver­let­zun­gen kommt (Urteil vom 12. Juli 2012 — I ZR 18/11, BGHZ 194, 339 — Alo­ne in the Dark; sie­he Pres­se­mit­tei­lung vom 13. Juli 2012, Nr. 114/2012). Bei der Kon­kre­ti­sie­rung die­ser Prü­fungs­pflich­ten ist davon aus­zu­ge­hen, dass das Geschäfts­mo­dell der Beklag­ten nicht von vorn­her­ein auf Rechts­ver­let­zun­gen ange­legt ist. Denn es gibt für ihren Dienst zahl­rei­che lega­le und übli­che Nut­zungs­mög­lich­kei­ten. Im vor­lie­gen­den Fall hat indes­sen das Beru­fungs­ge­richt fest­ge­stellt, dass die Beklag­te die Gefahr einer urhe­ber­rechts­ver­let­zen­den Nut­zung ihres Diens­tes durch eige­ne Maß­nah­men geför­dert hat. Dar­aus hat der Bun­des­ge­richts­hof eine gegen­über der Ent­schei­dung “Alo­ne in the Dark” (BGHZ 194, 339 Rn. 25 ff.) ver­schärf­te Haf­tung der Beklag­ten abge­lei­tet.


Anders als ande­re Diens­te etwa im Bereich des “Cloud Com­pu­ting” ver­langt die Beklag­te kein Ent­gelt für die Bereit­stel­lung von Spei­cher­platz. Sie erzielt ihre Umsät­ze nur durch den Ver­kauf sog. Pre­mi­um-Kon­ten. Die damit ver­bun­de­nen Kom­fort­merk­ma­le füh­ren dazu, dass die Beklag­te ihre Umsät­ze gera­de durch mas­sen­haf­te Down­loads erhöht, für die vor allem zum rechts­wid­ri­gen Her­un­ter­la­den bereit­ste­hen­de Datei­en mit geschütz­ten Inhal­ten attrak­tiv sind. Die­se Attrak­ti­vi­tät für ille­ga­le Nut­zun­gen wird durch die Mög­lich­keit gestei­gert, den Dienst der Beklag­ten anonym in Anspruch zu neh­men. Die Beklag­te geht selbst von einer Miss­brauchs­quo­te von 5 bis 6% aus, was bei einem täg­li­chen Upload-Volu­men von 500.000 Datei­en ca. 30.000 urhe­ber­rechts­ver­let­zen­den Nut­zungs­hand­lun­gen ent­spricht.


Bei der Bestim­mung des Umfangs der Prüf­pflich­ten ist zu berück­sich­ti­gen, dass die Beklag­te die Gefahr einer rechts­ver­let­zen­den Nut­zung ihres Diens­tes durch eige­ne Maß­nah­men för­dert. Ist die Beklag­te auf kon­kre­te Urhe­ber­rechts­ver­let­zun­gen ihrer Nut­zer hin­sicht­lich bestimm­ter Wer­ke hin­ge­wie­sen wor­den, so ist sie des­halb nicht nur ver­pflich­tet, das kon­kre­te Ange­bot unver­züg­lich zu sper­ren; sie muss dar­über hin­aus fort­lau­fend alle ein­schlä­gi­gen Link­samm­lun­gen dar­auf über­prü­fen, ob sie Links auf Datei­en mit den ent­spre­chen­den Musik­wer­ken ent­hal­ten, die auf den Ser­vern der Beklag­ten gespei­chert sind. Die Beklag­te hat über all­ge­mei­ne Such­ma­schi­nen wie Goog­le, Face­book oder Twit­ter mit geeig­ne­ten Such­an­fra­gen und ggf. auch unter Ein­satz von sog. Web­craw­lern zu ermit­teln, ob sich für die kon­kret zu über­prü­fen­den Wer­ke Hin­wei­se auf wei­te­re rechts­ver­let­zen­de Links zu ihrem Dienst fin­den. Die­se Prüf­pflich­ten bestehen im sel­ben Umfang für jedes Werk, hin­sicht­lich des­sen die Beklag­te auf eine kla­re Ver­let­zung hin­ge­wie­sen wor­den ist. Die Prüf­pflich­ten wer­den nicht dadurch gerin­ger, dass die Beklag­te auf eine gro­ße Zahl von Rechts­ver­let­zun­gen — im Streit­fall auf die Ver­let­zung der Rech­te an mehr als 4.800 Musik­wer­ken — hin­ge­wie­sen wor­den ist. Denn der urhe­ber­recht­li­che Schutz darf nicht dadurch geschwächt wer­den, dass es im Rah­men eines an sich zuläs­si­gen Geschäfts­mo­dells zu einer gro­ßen Zahl von Rechts­ver­let­zun­gen kommt.


Der Bun­des­ge­richts­hof hat mit Urtei­len vom sel­ben Tag auch in zwei Par­al­lel­ver­fah­ren ent­spre­chen­de Ent­schei­dun­gen getrof­fen. Im Ver­fah­ren I ZR 79/12 hat­ten sich die Ver­la­ge de Gru­y­ter und Cam­pus dage­gen gewandt, dass trotz ent­spre­chen­der Hin­wei­se auch wei­ter­hin Bücher ihres Ver­la­ges bei der Beklag­ten her­un­ter­ge­la­den wer­den konn­ten. Im Ver­fah­ren I ZR 85/12 hat­te sich der Sena­tor Film­ver­leih dage­gen gewandt, dass über den Dienst der Beklag­ten trotz eines Hin­wei­ses der Film “Der Vor­le­ser” bei Rapid­S­ha­re her­un­ter­ge­la­den wer­den konn­te.


Rechts­an­walt Dr. Ise­le emp­fahl, dies zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de — ver­wies.

 

Für Rück­fra­gen steht Ihnen zur Ver­fü­gung:


Dr. Jan Felix Ise­le, Rechts­an­walt
Fach­an­walt für gewerb­li­chen Rechts­schutz

DANCKELMANN UND KERST
Rechts­an­wäl­te Nota­re
Main­zer Land­stra­ße 18
60325 Frank­furt am Main
GERMANY
Tele­fon: +49 69 920727–0 (Zen­tra­le)
Tele­fon: +49 69 920727–34 oder ‑39 (Sekre­ta­ri­at)
Tele­fax: +49 69 920727–60
E‑Mail: ra.dr.isele@danckelmann-kerst.de
Inter­net: www.danckelmann-kerst.de