(Kiel)Der unter ande­rem für das Mar­ken­recht zustän­di­ge I. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on die Fra­ge vor­ge­legt, ob ein Bank­in­sti­tut eine Aus­kunft über Namen und Anschrift eines Kon­to­in­ha­bers unter Hin­weis auf das Bank­ge­heim­nis ver­wei­gern darf, wenn über das Kon­to die Zah­lung des Kauf­prei­ses für ein gefälsch­tes Mar­ken­pro­dukt abge­wi­ckelt wor­den ist.

 

Dar­auf ver­weist der Frank­fur­ter Rechts­an­walt und Fach­an­walt für gewerb­li­chen Rechts­schutz Dr. Jan Felix Ise­le von der Kanz­lei DANCKELMANN UND KERST, Vize­prä­si­dent der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 17.10.2013 zu sei­nem Beschluss vom sel­ben Tage, Az. I ZR 51/12.

 

Die Klä­ge­rin ist Lizenz­neh­me­rin für die Her­stel­lung und den Ver­trieb von Davi­doff-Par­füms. Im Janu­ar 2011 bot ein Ver­käu­fer auf der Inter­net­platt­form eBay ein Par­füm unter der Mar­ke “Davi­doff Hot Water” an, bei dem es sich um eine Pro­dukt­fäl­schung han­del­te. Als Kon­to, auf das die Zah­lung des Kauf­prei­ses erfol­gen soll­te, war bei eBay ein bei der beklag­ten Spar­kas­se geführ­tes Kon­to ange­ge­ben. Die Klä­ge­rin erstei­ger­te das Par­füm und zahl­te den Kauf­preis auf das ange­ge­be­ne Kon­to. Nach Dar­stel­lung der Klä­ge­rin konn­te sie nicht in Erfah­rung brin­gen, wer Ver­käu­fer des gefälsch­ten Par­füms war. Sie hat des­halb die beklag­te Spar­kas­se nach § 19 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 Mar­kenG auf Aus­kunft über Namen und Anschrift des Inha­bers des Kon­tos in Anspruch genom­men.

 

Das Land­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Das Beru­fungs­ge­richt hat die Kla­ge abge­wie­sen. Es hat ange­nom­men, die beklag­te Spar­kas­se sei auf­grund des Bank­ge­heim­nis­ses zur Ver­wei­ge­rung der Aus­kunft berech­tigt.

 

Der Bun­des­ge­richts­hof hat das Ver­fah­ren aus­ge­setzt und dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on vor­ge­legt, so Dr. Ise­le.

 

Nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs stellt der Ver­trieb des gefälsch­ten Par­füms eine offen­sicht­li­che Rechts­ver­let­zung dar. Die beklag­te Spar­kas­se hat durch die Füh­rung des Giro­kon­tos, über das der Ver­käu­fer den Zah­lungs­ver­kehr abge­wi­ckelt hat, auch eine für die rechts­ver­let­zen­de Tätig­keit genutz­te Dienst­leis­tung in gewerb­li­chem Aus­maß erbracht. Damit lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen des § 19 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 Mar­kenG an sich vor. Die beklag­te Spar­kas­se braucht die begehr­te Aus­kunft aber nicht zu ertei­len, wenn sie nach § 383 Abs. 1 Nr. 6 ZPO zur Ver­wei­ge­rung des Zeug­nis­ses im Pro­zess berech­tigt ist. Da § 19 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 Mar­kenG Art. 8 Abs. 3 Buchst. c der Richt­li­nie 2004/48/EG zur Durch­set­zung der Rech­te des geis­ti­gen Eigen­tums umsetzt, muss das Recht zur Ver­wei­ge­rung der Aus­kunft durch die Richt­li­nie gedeckt sein. In Betracht kommt inso­weit Art. 8 Abs. 3 Buchst. e der Richt­li­nie, der den Schutz der Ver­trau­lich­keit von Infor­ma­ti­ons­quel­len und die Ver­ar­bei­tung per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten zum Gegen­stand hat. Im Streit­fall stellt sich die Fra­ge, ob die Kon­to­da­ten, über die die Klä­ge­rin von der Spar­kas­se Aus­kunft ver­langt, Art. 8 Abs. 3 Buchst. e der Richt­li­nie unter­fal­len und — wenn dies der Fall sein soll­te — ob gleich­wohl im Inter­es­se der effek­ti­ven Ver­fol­gung von Mar­ken­ver­let­zun­gen die Beklag­te Aus­kunft über die Kon­to­da­ten geben muss. Da die Fra­ge die Aus­le­gung von Uni­ons­recht betrifft, hat der Bun­des­ge­richts­hof sie dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt. Der Bun­des­ge­richts­hof hat in dem Vor­la­ge­be­schluss erken­nen las­sen, dass aus sei­ner Sicht das Inter­es­se an einer effek­ti­ven Ver­fol­gung einer Schutz­rechts­ver­let­zung den Vor­rang vor dem Inter­es­se der Bank haben soll­te, die Iden­ti­tät des Kon­to­in­ha­bers geheim­zu­hal­ten.

 

Rechts­an­walt Dr. Ise­le emp­fahl, den Aus­gang zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  — ver­wies.

 

 

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