(Kiel) Der unter ande­rem für das Mar­ken­recht zustän­di­ge I. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat sei­ne Recht­spre­chung zur Zuläs­sig­keit des Key­word-Adver­ti­sing, bei dem Inter­net­nut­zern anhand eines mit der Mar­ke iden­ti­schen oder ver­wech­sel­ba­ren Schlüs­sel­worts die Wer­bung eines Drit­ten ange­zeigt wird, bestä­tigt und prä­zi­siert.

Dar­auf ver­weist der Frank­fur­ter Rechts­an­walt und Fach­an­walt für gewerb­li­chen Rechts­schutz Dr. Jan Felix Ise­le von der Kanz­lei DANCKELMANN UND KERST, Vize­prä­si­dent der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 13.12.2012 zu sei­nem Urteil vom glei­chen Tage, Az.: I ZR 217/10 – MOST-Pra­li­nen.

Die Klä­ge­rin ist Inha­be­rin der aus­schließ­li­chen Lizenz an der unter ande­rem für Pra­li­nen und Scho­ko­la­de ein­ge­tra­ge­nen deut­schen Mar­ke “MOST”. Sie betreibt unter der Inter­net­adres­se “www.most-shop.com” einen “MOST-Shop”, über den sie hoch­wer­ti­ge Kon­fi­se­rie- und Scho­ko­la­den­pro­duk­te ver­treibt. Die Beklag­te unter­hält unter den Inter­net­adres­sen “www.feinkost-geschenke.de” und “www.selection-exquisit.de” einen Online­shop für Geschen­ke, Pra­li­nen und Scho­ko­la­de. Sie schal­te­te im Janu­ar 2007 bei der Such­ma­schi­ne Goog­le eine Adwords-Anzei­ge für ihren Inter­net­shop. Als Schlüs­sel­wort (“Key­word”), des­sen Ein­ga­be in die Such­mas­ke das Erschei­nen der Anzei­ge aus­lö­sen soll­te, hat­te die Beklag­te den Begriff “Pra­li­nen” mit der Opti­on “weit­ge­hend pas­sen­de Key­words” gewählt. In der Lis­te der “weit­ge­hend pas­sen­den Key­words” stand auch das Schlüs­sel­wort “most pra­li­nen”. Gab ein Nut­zer den Such­be­griff “MOST Pra­li­nen” ein, erschien rechts neben den Such­ergeb­nis­sen (auf vier Zei­len ver­teilt) fol­gen­de Anzei­ge der Beklag­ten: “Pralinen/Weine, Pra­li­nen, Fein­kost, Präsente/Genießen und schenken!/www.feinkost-geschenke.de.” Über den in der Anzei­ge ange­ge­be­nen Link “www.feinkost-geschenke.de” gelang­te der Such­ma­schi­nen­nut­zer auf die Home­page der Beklag­ten unter der Inter­net­adres­se “www.selection-exquisit.de”. In dem Online­shop der Beklag­ten wur­den kei­ne Pro­duk­te mit dem Zei­chen “MOST” ver­trie­ben.

Die Klä­ge­rin ist der Ansicht, die Beklag­te habe durch die Schal­tung der Anzei­ge das Recht an der Mar­ke “MOST” ver­letzt. Sie hat die Beklag­te unter ande­rem auf Unter­las­sung in Anspruch genom­men. Das Land­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Die Beru­fung der Beklag­ten ist ohne Erfolg geblie­ben. Der Bun­des­ge­richts­hof hat das Beru­fungs­ur­teil auf­ge­ho­ben und die Kla­ge abge­wie­sen, so Dr. Ise­le.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat sei­ne Recht­spre­chung (BGH, Urteil vom 13. Janu­ar 2011 — I ZR 125/07, GRUR 2011, 828 — Bana­na­bay II; Urteil vom 13. Janu­ar 2011 — I ZR 46/08, MMR 2011, 608) bestä­tigt, nach der beim “Key­word-Adver­ti­sing” eine Mar­ken­ver­let­zung unter dem Gesichts­punkt der Beein­träch­ti­gung der Her­kunfts­funk­ti­on der Mar­ke grund­sätz­lich aus­ge­schlos­sen ist, wenn die Wer­bung — wie im Streit­fall — in einem von der Tref­fer­lis­te ein­deu­tig getrenn­ten und ent­spre­chend gekenn­zeich­ne­ten Wer­be­block erscheint und selbst weder die Mar­ke noch sonst einen Hin­weis auf den Mar­ken­in­ha­ber oder die unter der Mar­ke ange­bo­te­nen Pro­duk­te ent­hält. Der BGH hat klar­ge­stellt, dass dies auch dann gilt, wenn die Anzei­ge nicht auf das Feh­len einer wirt­schaft­li­chen Ver­bin­dung zwi­schen dem Wer­ben­den und dem Mar­ken­in­ha­ber hin­weist und dass allein der Umstand, dass in der Anzei­ge Pro­duk­te der unter der Mar­ke ange­bo­te­nen Art mit Gat­tungs­be­grif­fen bezeich­net wer­den (im Streit­fall “Pra­li­nen” usw.), nicht zu einer Beein­träch­ti­gung der Her­kunfts­funk­ti­on der Mar­ke führt. Die­se Beur­tei­lung steht — so der BGH — in Ein­klang mit der Recht­spre­chung des EuGH (zuletzt EuGH, Urteil vom 22. Sep­tem­ber 2011 — C‑323/09, GRUR 2011, 1124 — Interflora/M&S Inter­flo­ra Inc.). Danach ist es Sache des natio­na­len Gerichts, die Fra­ge der Beein­träch­ti­gung der Her­kunfts­funk­ti­on anhand der vom Gerichts­hof ent­wi­ckel­ten Maß­stä­be unter Berück­sich­ti­gung aller Fak­to­ren, die es für rele­vant erach­tet, zu prü­fen. Der BGH hat des­halb auch im Blick auf die Recht­spre­chung des öster­rei­chi­schen Obers­ten Gerichts­hofs (GRUR Int. 2011, 173, 175 — Berg­Spech­te II) und der fran­zö­si­schen Cour de cas­sa­ti­on (GRUR Int. 2011, 625 — CNRRH), die bei der Beur­tei­lung von Adwords-Anzei­gen unter Berück­sich­ti­gung der von ihnen als rele­vant erach­te­ten Fak­to­ren zu ande­ren Ergeb­nis­sen gelangt sind, kei­ne Vor­la­ge an den EuGH für gebo­ten erach­tet.

Rechts­an­walt Dr. Ise­le emp­fahl, dies zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de — ver­wies.

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