(Kiel) Der unter ande­rem für das Rei­se- und Per­so­nen­be­för­de­rungs­recht zustän­di­ge Xa-Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat am 18.02.2010 in der Revi­si­ons­sa­che Stur­ge­on gegen Con­dor Flug­dienst GmbH sowie in vier wei­te­ren ähn­lich gela­ger­ten Streit­fäl­len das beklag­te Luft­ver­kehrs­un­ter­neh­men zu Aus­gleichs­zah­lun­gen nach der Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung Nr. 261/2004 der Euro­päi­schen Gemein­schaft wegen eines erheb­lich ver­spä­te­ten Flu­ges ver­ur­teilt.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Rechts­an­walt Jens Klar­mann, Lan­des­re­gio­nal­lei­ter „Schles­wig-Hol­stein“ der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf ein Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 18.02.2010, Az.: Xa ZR 95/06.


Die Klä­ger buch­ten einen Char­ter­flug von Frank­furt nach Toron­to und zurück. Der Rück­flug ver­schob sich wegen tech­ni­scher Defek­te des vor­ge­se­he­nen Flug­zeugs und erfolg­te erst am nächs­ten Tag. Die Klä­ger kamen mit einer Ver­spä­tung von etwa 25 Stun­den in Frank­furt an. Sie haben die Flug­ge­sell­schaft auf die Aus­gleichs­zah­lung von 600,– € pro Per­son ver­klagt, die in der Flug­gast­rech­te-ver­ord­nung für den Fall einer Annul­lie­rung des geplan­ten Flu­ges vor­ge­se­hen ist. Die Beklag­te lehn­te eine Aus­gleichs­zah­lung ab, weil es sich ledig­lich um eine Ver­spä­tung gehan­delt habe, die nach der Ver­ord­nung nicht aus­gleichs­pflich­tig sei. Auch das Amts­ge­richt und das Beru­fungs­ge­richt haben mit die­ser Begrün­dung die Aus­gleichs­an­sprü­che der Klä­ger zurück­ge­wie­sen. Hier­ge­gen rich­tet sich die vom Beru­fungs­ge­richt zuge­las­se­ne Revi­si­on der Klä­ger.


Der Bun­des­ge­richts­hof hat­te mit Beschluss vom 17. Juli 2007 zunächst das Ver­fah­ren aus­ge­setzt und dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten (EuGH) Fra­gen zur Aus­le­gung der Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung vor­ge­legt (s. Pres­se­mit­tei­lung Nr. 102/2007), über die der EuGH mit Urteil vom 19. Novem­ber 2009 (C‑402/07 und C‑432/07) befun­den hat. Dabei hat er u. a. ent­schie­den, die Art. 5, 6 und 7 der Ver­ord­nung Nr. 261/2004 sei­en dahin aus­zu­le­gen, dass die Flug­gäs­te ver­spä­te­ter Flü­ge im Hin­blick auf die Anwen­dung des Aus­gleichs­an­spruchs den Flug­gäs­ten annul­lier­ter Flü­ge gleich­ge­stellt wer­den kön­nen und somit den in Art. 7 die­ser Ver­ord­nung vor­ge­se­he­nen Aus­gleichs­an­spruch gel­tend machen kön­nen, wenn sie wegen eines ver­spä­te­ten Flu­ges einen Zeit­ver­lust von drei Stun­den oder mehr erlei­den, d. h., wenn sie ihr End­ziel nicht frü­her als drei Stun­den nach der von dem Luft­fahrt­un­ter­neh­men ursprüng­lich geplan­ten Ankunfts­zeit errei­chen, sofern die gro­ße Ver­spä­tung nicht auf außer­ge­wöhn­li­che Umstän­de zurück­geht.


Die Beklag­te ist der Auf­fas­sung, dass der EuGH in sei­nem Urteil sei­ne Aus­le­gungs­kom­pe­tenz über­schrit­ten und sich in Wider­spruch zu den höher­ran­gi­gen Bestim­mun­gen des Über­ein­kom­mens zur Ver­ein­heit­li­chung bestimm­ter Vor­schrif­ten über die Beför­de­rung im inter­na­tio­na­len Luft­ver­kehr (Mont­rea­ler Über­ein­kom­men) gesetzt habe. Vor einer abschlie­ßen­den Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs sei daher eine erneu­te Vor­la­ge des Rechts­streits an den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on gebo­ten.
Der Bun­des­ge­richts­hof sah dage­gen kei­ne Ver­an­las­sung zu einer erneu­ten Vor­la­ge an den EuGH, betont Klar­mann.


Das Urteil des EuGH wirft jeden­falls kei­ne für den Streit­fall erheb­li­chen neu­en Aus­le­gungs­fra­gen auf, die der Senat nicht ohne erneu­te Vor­la­ge beant­wor­ten kann. Zwei­fel an der Gül­tig­keit der Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung bestehen nicht, nach­dem der EuGH die Gül­tig­keit bei einer am Grund­satz der Gleich­be­hand­lung (Ver­gleich der Situa­ti­on von Flug­gäs­ten ver­spä­te­ter Flü­ge mit der von Flug­gäs­ten annul­lier­ter Flü­ge) ori­en­tier­ten Aus­le­gung aus­drück­lich bejaht hat und auch von der Ver­ein­bar­keit sei­ner Aus­le­gung mit dem Mont­rea­ler Über­ein­kom­men aus­ge­gan­gen ist.


Da die Beklag­te kei­ne außer­ge­wöhn­li­chen Umstän­de vor­ge­tra­gen hat, die sie von der Ver­pflich­tung zur Aus­gleichs­zah­lung hät­ten befrei­en kön­nen, konn­te der Bun­des­ge­richts­hof abschlie­ßend zuguns­ten der Klä­ger ent­schei­den.


Klar­mann emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. recht­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.


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