(Kiel) Der für das Bank- und Bör­sen­recht zustän­di­ge XI. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat soeben ent­schie­den, dass sich ein Kapi­tal­an­le­ger im Fal­le der Insol­venz eines Wert­pa­pier­han­dels­un­ter­neh­mens von der Ent­schä­di­gungs­ein­rich­tung der Wert­pa­pier­han­dels­un­ter­neh­men kei­ne Pro­vi­si­ons­an­sprü­che des Wert­pa­pier­han­dels­un­ter­neh­mens ent­ge­gen­hal­ten las­sen muss, wenn die­ses die Ansprü­che nach dem Rechts­ge­dan­ken des § 654 BGB ver­wirkt hat.

Dar­auf ver­weist der Frank­fur­ter Fach­an­walt für Bank- und Kapi­tal­markt­recht Klaus Hün­lein von der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf eine Mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 16.11.2011 zu sei­nem Urteil vom 25. Okto­ber 2011 — XI ZR 67/11.

In dem zugrun­de lie­gen­den Fall nimmt die Klä­ge­rin die beklag­te Ent­schä­di­gungs­ein­rich­tung der Wert­pa­pier­han­dels­un­ter­neh­men auf Ent­schä­di­gung nach dem Ein­la­gen­si­che­rungs- und Anle­ger­ent­schä­di­gungs­ge­setz in Anspruch. Die Klä­ge­rin betei­lig­te sich im April 1998 und Febru­ar 2002 mit einem Anla­ge­be­trag von ins­ge­samt 27.295,41 € ein­schließ­lich Agio an dem Phoe­nix Mana­ged Account, einer von der Phoe­nix Kapi­tal­dienst GmbH im eige­nen Namen und für gemein­sa­me Rech­nung von ins­ge­samt ca. 30.000 Anle­gern ver­wal­te­ten Kol­lek­tiv­an­la­ge, deren Gegen­stand die Anla­ge der Kun­den­gel­der in Ter­min­ge­schäf­ten (Futures und Optio­nen) für gemein­sa­me Rech­nung zu Spe­ku­la­ti­ons­zwe­cken war. Die All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen der Phoe­nix Kapi­tal­dienst GmbH sahen unter ande­rem vor, dass ihr eine Ver­wal­tungs­ge­bühr von 0,5% pro Monat von dem jewei­li­gen Ver­mö­gens­stand des Phoe­nix Mana­ged Account als Bestands­pro­vi­si­on zuste­hen soll­te. Spä­tes­tens seit 1998 leg­te die Phoe­nix Kapi­tal­dienst GmbH jedoch nur noch einen gerin­gen Teil der von ihren Kun­den ver­ein­nahm­ten Gel­dern ver­trags­ge­mäß in Ter­min­ge­schäf­ten an. Ein Groß­teil der Gel­der wur­de im Wege eines “Schnee­ball­sys­tems” für Zah­lun­gen an Alt­an­le­ger und für die lau­fen­den Geschäfts- und Betriebs­kos­ten ver­wen­det. Im März 2005 unter­sag­te die Bun­des­an­stalt für Finanz­dienst­leis­tun­gen der Phoe­nix Kapi­tal­dienst GmbH den wei­te­ren Geschäfts­be­trieb und stell­te am 15. März 2005 den Ent­schä­di­gungs­fall fest. Am 1. Juli 2005 wur­de über das Ver­mö­gen der Phoe­nix Kapi­tal­dienst GmbH das Insol­venz­ver­fah­ren eröff­net. Auf den von der Ent­schä­di­gungs­ein­rich­tung — nach Abzug von Agio, Han­dels­ver­lust und Bestands­pro­vi­sio­nen — errech­ne­ten “End­stand der Betei­li­gung” der Klä­ge­rin von 21.618,45 € leis­te­te sie im Jahr 2009 eine Teil­ent­schä­di­gung von 12.732,75 € und behielt den Rest­be­trag wegen mög­li­cher Aus­son­de­rungs­rech­te der Klä­ge­rin an den auf den (Treuhand-)Konten noch vor­han­de­nen Gel­dern ein. Mit der Kla­ge hat die Klä­ge­rin von der Beklag­ten nach Abzug des gesetz­li­chen Selbst­be­halts von 10% eine rest­li­che Ent­schä­di­gungs­leis­tung von 6.723,86 € ver­langt.

Das Land­ge­richt hat der Kla­ge in vol­lem Umfang statt­ge­ge­ben. Auf die Beru­fung der Beklag­ten hat das Kam­mer­ge­richt der Klä­ge­rin den Zah­lungs­an­spruch nur in Höhe von 3.384,17 €, d.h. in Höhe von 90% der abge­zo­ge­nen Bestands­pro­vi­sio­nen, zuge­spro­chen und die Kla­ge im Übri­gen abge­wie­sen. Nach­dem die Beklag­te auf­grund eines Schrei­bens vom 18. Juli 2011 der Klä­ge­rin eine wei­te­re Teil­ent­schä­di­gung von 6.723,86 € gezahlt hat, hat die Klä­ge­rin den Rechts­streit in der Haupt­sa­che für erle­digt erklärt. Da sich die Beklag­te der Erle­di­gungs­er­klä­rung nicht ange­schlos­sen hat, kam es wei­ter­hin dar­auf an, ob die Kla­ge ursprüng­lich begrün­det war.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Revi­si­on der Beklag­ten zurück­ge­wie­sen; auf die Anschluss­re­vi­si­on der Klä­ge­rin hat er unter Auf­he­bung des Beru­fungs­ur­teils und Abän­de­rung des land­ge­richt­li­chen Urteils fest­ge­stellt, dass der Rechts­streit in der Haupt­sa­che erle­digt ist, so Hün­lein.

Er hat die Auf­fas­sung des Kam­mer­ge­richts bestä­tigt, nach der sich die Klä­ge­rin die ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Bestands­pro­vi­sio­nen nicht anrech­nen las­sen muss. Dabei han­delt es sich näm­lich um eigen­stän­di­ge Ansprü­che des Wert­pa­pier­han­dels­un­ter­neh­mens, die nicht bereits bei der Fest­stel­lung der Höhe und des Umfangs der Ver­bind­lich­kei­ten aus Wert­pa­pier­ge­schäf­ten i. S. d. § 1 Abs. 4 Satz 1 des Ein­la­gen­si­che­rungs- und Anle­ger­ent­schä­di­gungs­ge­set­zes* (EAEG) zu berück­sich­ti­gen sind, son­dern dem Anle­ger nur nach § 4 Abs. 1 Satz 1 EAEG** im Wege der Auf­rech­nung ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den kön­nen. Dies ist vor­lie­gend jedoch aus­ge­schlos­sen, weil die Phoe­nix Kapi­tal­dienst GmbH auf­grund ihres grob ver­trags­wid­ri­gen Ver­hal­tens ihren Pro­vi­si­ons­an­spruch nach dem Rechts­ge­dan­ken des § 654 BGB ver­wirkt hat. Dem­ge­gen­über hat­te die Anschluss­re­vi­si­on der Klä­ge­rin mit dem geän­der­ten Antrag in vol­lem Umfang Erfolg. In Anknüp­fung an die Urtei­le vom 20. Sep­tem­ber 2011 (XI ZR 434/10, XI ZR 435/10 und XI ZR 436/10, sie­he hier­zu Pres­se­er­klä­rung Nr. 142/2011) hat der Bun­des­ge­richts­hof den von der Klä­ge­rin gel­tend gemach­ten Ent­schä­di­gungs­an­spruch dem Grun­de und der Höhe nach als begrün­det, ins­be­son­de­re auch als fäl­lig ange­se­hen.

Rechts­an­walt Hün­lein emp­fahl, dies zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len um recht­li­chen Rat nach­zu­su­chen, wozu er u. a. auch auf die auf Bank- und Kapi­tal­markt­recht spe­zia­li­sier­ten Anwäl­te/-innen in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e.V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.

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