(Kiel) Der für das Bank- und Bör­sen­recht zustän­di­ge XI. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­ho­fes hat ent­schie­den, dass ein Kapi­tal­an­le­ger gegen die Ent­schä­di­gungs­ein­rich­tung der Wert­pa­pier­han­dels­un­ter­neh­men im Fal­le der Insol­venz eines Wert­pa­pier­han­dels­un­ter­neh­mens kei­nen Anspruch auf Zah­lung von Schein­ge­win­nen hat, die das Unter­neh­men in Kon­to­aus­zü­gen oder Sal­den­be­stä­ti­gun­gen aus­ge­wie­sen hat­te.

Dar­auf ver­weist der Frank­fur­ter Fach­an­walt für Ver­wal­tungs­recht Klaus Hün­lein von der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf das Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 23. Novem­ber 2010 — XI ZR 26/10.

In dem zugrun­de lie­gen­den Fall nimmt der Klä­ger die beklag­te Ent­schä­di­gungs­ein­rich­tung der Wert­pa­pier­han­dels­un­ter­neh­men auf Ent­schä­di­gung nach dem Ein­la­gen­si­che­rungs- und Anle­ger­ent­schä­di­gungs­ge­setz in Anspruch. Der Klä­ger betei­lig­te sich im Sep­tem­ber 1999 mit einem Anla­ge­be­trag von 38.461,54 DM zuzüg­lich eines 4%-igen Agi­os in Höhe von 1.538,46 DM an dem Phoe­nix Mana­ged Account, einer von der Phoe­nix Kapi­tal­dienst GmbH im eige­nen Namen und für gemein­sa­me Rech­nung von ins­ge­samt ca. 30.000 Anle­gern ver­wal­te­ten Kol­lek­tiv­an­la­ge, deren Gegen­stand die Anla­ge der Kun­den­gel­der in Ter­min­ge­schäf­ten (Futures und Optio­nen) für gemein­sa­me Rech­nung zu Spe­ku­la­ti­ons­zwe­cken war. Spä­tes­tens seit 1998 leg­te die Phoe­nix Kapi­tal­dienst GmbH jedoch nur noch einen gerin­gen Teil der von ihren Kun­den ver­ein­nahm­ten Gel­dern ver­trags­ge­mäß in Ter­min­ge­schäf­ten an. Ein Groß­teil der Gel­der wur­de im Wege eines “Schnee­ball­sys­tems” für Zah­lun­gen an Alt­an­le­ger und für die lau­fen­den Geschäfts- und Betriebs­kos­ten ver­wen­det. Auf die­se Wei­se erhielt auch der Klä­ger in der Fol­ge­zeit Aus­zah­lun­gen über ins­ge­samt 19.304,88 €. Dem Klä­ger wur­den monat­li­che Kon­to­aus­zü­ge über­mit­telt, wobei der ihm zuletzt zuge­gan­ge­ne Kon­to­aus­zug zum 28. Febru­ar 2005 einen Kon­to­stand von 7.571,76 € auf­wies, obwohl tat­säch­lich kei­ne Gewin­ne erwirt­schaf­tet wor­den waren. Im März 2005 unter­sag­te die Bun­des­an­stalt für Finanz­dienst­leis­tun­gen der Phoe­nix Kapi­tal­dienst GmbH den wei­te­ren Geschäfts­be­trieb und stell­te am 15. März 2005 den Ent­schä­di­gungs­fall fest. Am 1. Juli 2005 wur­de über das Ver­mö­gen der Phoe­nix Kapi­tal­dienst GmbH das Insol­venz­ver­fah­ren eröff­net. Mit der Kla­ge ver­langt der Klä­ger von der Beklag­ten auf der Grund­la­ge des letz­ten Kon­to­aus­zu­ges und nach Abzug des gesetz­li­chen Selbst­be­halts von 10% eine Ent­schä­di­gungs­leis­tung von 6.814,58 €.

Die Kla­ge hat­te in den Vor­in­stan­zen kei­nen Erfolg.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat der Revi­si­on des Klä­gers nur zu einem gerin­gen Teil statt­ge­ge­ben und die Kla­ge nur in Höhe der Dif­fe­renz zwi­schen der Net­to­an­la­ge­sum­me und den Aus­zah­lun­gen sowie nach Abzug des Selbst­be­halts von 10% für begrün­det erach­tet. Einen dar­über hin­aus­ge­hen­den Anspruch hat der XI. Zivil­se­nat dage­gen ver­neint, so Hün­lein.

Die von der Phoe­nix Kapi­tal­dienst GmbH erstell­ten Kon­to­aus­zü­ge und Sal­den­be­stä­ti­gun­gen stel­len bereits kei­ne abs­trak­ten Schuld­ver­spre­chen oder Schuld­an­er­kennt­nis­se dar, die Grund­la­ge eines Ent­schä­di­gungs­an­spruchs sein könn­ten. Dar­über hin­aus hat der Senat aber auch einen Ent­schä­di­gungs­an­spruch im Hin­blick auf die in den Kon­to­aus­zü­gen aus­ge­wie­se­nen Schein­ge­win­ne aus grund­sätz­li­chen Erwä­gun­gen ver­neint. Weder dem Wort­laut des § 1 Abs. 4 Satz 1 des Ein­la­gen­si­che­rungs- und Anle­ger­ent­schä­di­gungs­ge­set­zes noch den Geset­zes­ma­te­ria­li­en oder der Anle­ger­ent­schä­di­gungs­richt­li­nie 97/9/EG vom 3. März 1997 las­sen sich Anhalts­punk­te dafür ent­neh­men, dass der Ent­schä­di­gungs­an­spruch auch Schein­ge­win­ne umfas­sen soll. 

Rechts­an­walt Hün­lein emp­fahl, die Ent­schei­dung zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len um recht­li­chen Rat nach­zu­su­chen, wozu er u. a. auch auf die auf Kapi­tal­markt­recht spe­zia­li­sier­ten Anwäl­te/-innen in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e.V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.

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Klaus Hün­lein
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