(Kiel) Der Bun­des­ge­richts­hof hat­te am 25. März 2010 über Ansprü­che eines  Flug­gas­tes bei wet­ter­be­ding­ter Annul­lie­rung eines Flu­ges, hier Ryan­air, zu ent­schei­den.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Rechts­an­walt Jens Klar­mann, Lan­des­re­gio­nal­lei­ter „Schles­wig-Hol­stein“ der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf das Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 25. März 2010, Az.: Xa ZR 96/09.


Der Klä­ger buch­te bei der beklag­ten Ryan­air Ltd. für sich und sei­ne Ehe­frau einen Flug für den 25. Okto­ber 2007 von Jerez de la Fron­te­ra in Spa­ni­en nach Hahn. Der Abflug war für 10.00 Uhr vor­ge­se­hen. Die­ser Flug wur­de wegen Nebels annul­liert. Das für den Flug vor­ge­se­he­ne Flug­zeug lan­de­te statt in Jerez in Sevil­la und flog von dort direkt nach Hahn zurück. Dem Klä­ger und sei­ner Ehe­frau wur­de ein Ersatz­flug für den 27. Okto­ber 2007 ange­bo­ten, den der Klä­ger ablehn­te. Der Klä­ger buch­te schließ­lich für sich und sei­ne Ehe­frau bei einem ande­ren Luft­fahrt­un­ter­neh­men einen Flug für den 25. Okto­ber 2007 über Madrid nach Frank­furt am Main.


Mit sei­ner Kla­ge ver­langt der Klä­ger aus eige­nem und von sei­ner Ehe­frau abge­tre­te­nem Recht Aus­gleichs­zah­lun­gen gemäß Art. 7 Abs. 1 Satz 1 Buchst. b der Ver­ord­nung (EG) Nr. 261/2004 (Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung() in Höhe von jeweils 400 Euro sowie Ersatz der ent­stan­de­nen Mehr­kos­ten, ins­be­son­de­re der Kos­ten für den ander­wei­tig gebuch­ten Flug. Der Klä­ger ist der Ansicht, es sei der Beklag­ten mög­lich und zumut­bar gewe­sen, die betrof­fe­nen Flug­gäs­te von Jerez nach Sevil­la zu fah­ren und von dort aus nach Hahn zu beför­dern.


Das Amts­ge­richt hat die Kla­ge im Wesent­li­chen abge­wie­sen. Auf die Beru­fung des Klä­gers hat das Ober­lan­des­ge­richt das amts­ge­richt­li­che Urteil auf­ge­ho­ben und der Kla­ge über­wie­gend statt­ge­ge­ben. Es war der Ansicht, Ryan­air habe nicht aus­rei­chend dar­ge­legt, dass sie im Sin­ne von Art. 5 Abs. 3 der Ver­ord­nung alle zumut­ba­ren Maß­nah­men ergrif­fen habe, um die Annul­lie­rung des Flugs zu ver­hin­dern. Ins­be­son­de­re sei nicht kon­kret dar­ge­legt, war­um das in Sevil­la gelan­de­te Flug­zeug auf dem Rück­weg kei­ne Zwi­schen­lan­dung in Jerez habe machen und die war­ten­den Flug­gäs­te auf­neh­men kön­nen, nach­dem die Wet­ter­be­din­gun­gen dies zuge­las­sen hät­ten.


Auf die Revi­si­on des beklag­ten Luft­fahrt­un­ter­neh­mens und die Anschluss­re­vi­si­on des Klä­gers hat der Bun­des­ge­richts­hof das Urteil des Beru­fungs­ge­richts auf­ge­ho­ben und die Beru­fung des Klä­gers gegen das Urteil des Amts­ge­richts zurück­ge­wie­sen, soweit der Klä­ger Aus­gleichs­zah­lun­gen in Höhe von 800 Euro begehrt hat. Im Übri­gen hat der Bun­des­ge­richts­hof die Sache zu neu­er Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Beru­fungs­ge­richt zurück­ver­wie­sen, so Klar­mann.


Der Klä­ger hat gemäß Art. 5 Abs. 3 der Ver­ord­nung kei­nen Anspruch auf Aus­gleichs­zah­lun­gen nach Art. 7 Abs. 1 der Ver­ord­nung. Die Fra­ge, ob und wann sich eine Annul­lie­rung durch zumut­ba­re Maß­nah­men hät­te ver­mei­den las­sen, kann nicht all­ge­mein­gül­tig, son­dern nur für den Ein­zel­fall beant­wor­tet wer­den. Im vor­lie­gen­den Fall herrsch­te zum Zeit­punkt der Annul­lie­rungs­ent­schei­dung Nebel, wes­halb das für den Flug vor­ge­se­he­ne Flug­zeug in Jerez nicht lan­den konn­te. Wie lan­ge der Nebel, der tat­säch­lich bis 11.30 Uhr anhielt, andau­ern wür­de und ob und wann es dann mög­lich sein wür­de, das Flug­zeug von Sevil­la nach Jerez zu holen, war nicht zuver­läs­sig abzu­se­hen. Unter die­sen Umstän­den wäre es unter Berück­sich­ti­gung der Aus­wir­kun­gen auf den wei­te­ren Flug­plan nicht ver­nünf­tig gewe­sen, die Annul­lie­rungs­ent­schei­dung auf­zu­schie­ben.


Über den vom Klä­ger begehr­ten Ersatz der durch die Annul­lie­rung ent­stan­de­nen Mehr­kos­ten konn­te der Bun­des­ge­richts­hof nicht abschlie­ßend ent­schei­den. Im Fall der Annul­lie­rung eines Flugs haben Flug­gäs­te nach Art. 8 Abs. 1 Buchst. b der Ver­ord­nung unter ande­rem Anspruch auf eine ander­wei­ti­ge Beför­de­rung zum End­ziel unter ver­gleich­ba­ren Rei­se­be­din­gun­gen zum frü­hest­mög­li­chen Zeit­punkt. Ryan­air könn­te die Ver­pflich­tung, eine ent­spre­chen­de ander­wei­ti­ge Beför­de­rung anzu­bie­ten, ver­letzt haben, indem es dem Klä­ger und sei­ner Ehe­frau erst für den 27. Okto­ber 2007 einen Ersatz­flug anbot. Das Beru­fungs­ge­richt muss daher in einer neu­en Ver­hand­lung klä­ren, ob es Ryan­air mög­lich war, den Klä­ger und sei­ne Ehe­frau zu einem frü­he­ren Zeit­punkt nach Hahn zu beför­dern, etwa durch einen Bus­trans­port nach Sevil­la und anschlie­ßen­den Flug von Sevil­la nach Hahn oder durch Beför­de­rung mit einem ande­ren Luft­fahrt­un­ter­neh­men.


(Ver­ord­nung (EG) Nr. 261/2004 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates über eine gemein­sa­me Rege­lung für Aus­gleichs- und Unter­stüt­zungs­leis­tun­gen für Flug­gäs­te im Fall der Nicht­be­för­de­rung und bei Annul­lie­rung oder gro­ßer Ver­spä­tung von Flü­gen und zur Auf­he­bung der Ver­ord­nung (EWG) Nr. 295/91 [Aus­zug]


Arti­kel 5 — Annul­lie­rung


(1) Bei Annul­lie­rung eines Flu­ges wer­den den betrof­fe­nen Flug­gäs­ten


a) vom aus­füh­ren­den Luft­fahrt­un­ter­neh­men Unter­stüt­zungs­leis­tun­gen gemäß Arti­kel 8 ange­bo­ten …


c) vom aus­füh­ren­den Luft­fahrt­un­ter­neh­men ein Anspruch auf Aus­gleichs­leis­tun­gen gemäß Arti­kel 7 ein­ge­räumt …


(3) Ein aus­füh­ren­des Luft­fahrt­un­ter­neh­men ist nicht ver­pflich­tet, Aus­gleichs­zah­lun­gen gemäß Arti­kel 7 zu leis­ten, wenn es nach­wei­sen kann, dass die Annul­lie­rung auf außer­ge­wöhn­li­che Umstän­de zurück­geht, die sich auch dann nicht hät­ten ver­mei­den las­sen, wenn alle zumut­ba­ren Maß­nah­men ergrif­fen wor­den wären. …


Arti­kel 7 — Aus­gleichs­an­spruch


(1) Wird auf die­sen Arti­kel Bezug genom­men, so erhal­ten die Flug­gäs­te Aus­gleichs­zah­lun­gen in fol­gen­der Höhe: …


b) 400 EUR bei allen inner­ge­mein­schaft­li­chen Flü­gen über eine Ent­fer­nung von mehr als 1500 km und bei allen ande­ren Flü­gen über eine Ent­fer­nung zwi­schen 1500 km und 3500 km …


Arti­kel 8 — Anspruch auf Erstat­tung oder ander­wei­ti­ge Beför­de­rung


(1) Wird auf die­sen Arti­kel Bezug genom­men, so kön­nen Flug­gäs­te wäh­len zwi­schen…


b) ander­wei­ti­ger Beför­de­rung zum End­ziel unter ver­gleich­ba­ren Rei­se­be­din­gun­gen zum frü­hest­mög­li­chen Zeit­punkt …


Klar­mann emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. recht­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.


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